Formel 1

Ferrari vor dem dreifachen Triumph

Formel-1-Meisterschaft

— 15.07.2002

Ferrari inszeniert Dreifach-Triumph

Das Formel-1-Team möchte Sponsoren-Interessen genügen, Barrichello zum WM-Zweiten machen und den Konstrukteurs-Titel gewinnen.

Der totale Triumph ist nah

Sogar einem Selbstgänger wie der Formel 1 macht die Situation zu schaffen. Jedes Jahr blasen die Rennställe Milliarden Dollar hinaus, um sensationsgierigen Zuschauern Spektakel zu bieten, doch ab Mitte der Saison, das hat das vergangene Jahr gezeigt, dreht sich alles nur noch um die Rekordjagd der Ferrari. Michael Schumacher muss 15 Punkte aus den verbleibenden sieben Rennen holen, dann ist seine Titelverteidigung perfekt. "Ich weiß aber", müht er sich, die riesigen Erwartungen in den Griff zu bekommen, "dass alles passieren kann, also möchte ich mich nicht zu sehr Spekulationen hingeben."

Fakt ist: Nicht mal mehr ein Unfall könnte wohl verhindern, dass er zum fünften Mal die Fahrerweltmeisterschaft in der Formel 1 einfährt und an Titeln mit dem vor drei Jahren verstorbenen Argentinier Juan-Manuel Fangio gleichzieht. "Ich muss auf jeden Fall versuchen, den Titel so schnell wie möglich zu holen", sagt Schumacher, "die Chancen stehen gut." Sein Rennstall hat geschichtsträchtigere Rekordmarken im Visier. Ferrari feilt am totalen Triumph - am "Triple", zuletzt von Williams-Renault 1996 erreicht: Damon Hill und Jacques Villeneuve belegten die beiden ersten Plätze in der Fahrerwertung, und ihr Rennstall Williams-Renault gewann die Konstrukteurs-WM.

Längst grübeln die Italiener bereits - Erfolg lässt sich planen - über die geschickteste Inszenierung der Heldentaten. Die Siegesfeiern sollen schließlich den Ansprüchen der Ferrari-Sponsoren genügen. Sportlich ist doch alles geregelt: Schon beim nächsten Rennen in Magny-Cours kann Schumacher mit einem Sieg alles klar machen, wenn seine direkten Verfolger, Teamkollege Rubens Barrichello und Juan-Pablo Montoya (BMW-Williams), keinen besseren Platz als den dritten erringen. Selbst wenn Schumacher nach dem Rennen in Frankreich keinen Punkt mehr gewinnt, müssten die Verfolger sechs von sieben Rennen gewinnen - bei deren Ausgeglichenheit ausgeschlossen.

Siegtermin nach Sponsoren-Interessen

Gegen den vorzeitigen WM-Entscheid in Frankreich sprechen alleine handfeste Sponsoren-Interessen: Geldgeber Marlboro würde lieber in einem Land feiern, in dem Zigarettenwerbung noch erlaubt ist. Da böte sich erst Ungarn Mitte August an, denn auf den Großen Preis von Frankreich folgt der Grand Prix von Deutschland in Hockenheim (28. Juli) - ebenfalls für Tabakwerbung tabu. Schumacher indes zöge es vor, vor heimischem Publikum in Hockenheim zu feiern. "Um den Titel schon in Frankreich zu holen, müssten die anderen Fahrer, die noch im Rennen sind, alle ausfallen oder sehr viel Pech haben - ich glaube nicht, dass sie mir den Gefallen tun", dämmert es Schumacher, was ihm nicht ungelegen käme: "Es wäre viel schöner", räumt er ein, "den Titel am Hockenheimring zu gewinnen."

Wichtiger noch als der Siegtermin ist Ferrari das Ausmaß seiner Dominanz. Schumacher (86 Punkte) und seine Vasallen hoffen inzwischen auf flankierende Erfolge des Teamkollegen Rubens Barrichello. Der Brasilianer (32 Punkte) liegt im Moment nur einen Punkt vor Juan Pablo Montoya (31) im BMW. Dahinter folgen Montoyas Teamkollege Ralf Schumacher (30) und Mercedes-Pilot David Coulthard (26), alle noch mit Chancen auf den ungeliebten zweiten WM-Rang.

Ferrari unternimmt daher alles, um Barrichello gleiche Chancen wie Schumacher zu bieten. Stallorder wird keine mehr erteilt, technisch dafür noch mal aufgerüstet. "In Magny-Cours wird es Verbesserungen am Wagen geben," kündigt Technik-Direktor Ross Brawn an, "wir haben die Weiterentwicklungen - ein neues Aerodynamikpaket - bei Tests in Silverstone ausprobiert. Sie haben sich bewährt." Es wäre die letzte Verbesserung am F 2002 in diesem Jahr, so Brawn, "abgesehen von Monza": Für den Großen Preis von Italien hat Ferrari "eine spezielle Aerodynamik entwickelt, weil das ein Kurs mit wenig Abtrieb ist".



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