Formel 1

Formel 1: Mercedes-Duell

— 23.05.2016

Rosberg, das neue Alphatier

Der Barcelona-Crash war ein neuer Gipfel im Duell der Silberfeinde Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Macht Killer-Mentalität den Deutschen zum Weltmeister?

Mit 39 Punkten Vorsprung geht Nico Rosberg am kommenden Wochenende in Monaco in seinen Heim-Grand-Prix. Noch wichtiger aber als das Zahlenspiel ist seine mentale Einstellung. Seit er 2015 den WM-Titel in Austin an Lewis Hamilton verloren hat, wirkt der Deutsche aggressiver, entschlossener, kampfeslustiger.

Bereits am Start schnappte sich Rosberg den Rivalen

Auch nach dem Unfall der Silberfeinde beim letzten Rennen in Barcelona sagte seine Körpersprache drei Stunden später in der Mercedes-Presserunde immer noch: Ich lasse mir nichts mehr gefallen. Mit bitterböser Miene stand Rosberg da und wies die Schuldfrage weit von sich. Nachgeben? Das passt nicht mehr in die Denke des neuen Nico Rosberg. „Ich habe die Tür zugemacht wie jeder andere Rennfahrer auch“, war Rosberg weiterhin im Kampfmodus, während Hamilton sich fast schon kleinlaut beim Team entschuldigt hatte.
Silberpfeil-Crash in Spanien: Mercedes-Stars verteidigen Linienwahl

Zu Erinnerung: Rosberg hatte sich in Barcelona mit einem harten Manöver in der ersten Kurve außen an Hamilton vorbeigedrängt. Weil der Deutsche durch eine falsche Motoreinstellung kurzfristig 17 Stundenkilometer langsamer war als sein Teamkollege, setzte Hamilton zum Konter an. Doch Rosberg schlug in Hamilton-Manier die Tür gnadenlos zu. Der Weltmeister musste auf die Wiese ausweichen, verlor seinen Mercedes und riss Rosberg mit ins Aus. Ein Rennunfall, wie die Rennkommissare später lapidar feststellten.

Hamilton verliert das Auto und räumt Rosberg ab

Wichtiger als das Was ist aber das Warum. Denn: Bis vor einem halben Jahr wäre so ein Unfall im Mercedes-Team nicht passiert. Da hätte Rosberg zurückgesteckt und einen Crash verhindert.

Doch die neue Hamilton-Kopie Rosberg hält genauso dagegen wie bis dato nur das Original. „Wir sehen bei Mercedes plötzlich zwei gleichwertige Nummer-eins-Piloten, die sich auch als solche verstehen“, sagt Alain Prost zu SPORT BILD. Der Franzose war einer der Letzten, die ihren Teamkollegen rammten und selbst mit rausflogen. 1989 gewann er so den Titel gegen Ayrton Senna.

Prost: „Damals war es bei uns genau dasselbe. Wir waren zwei Alpha-Tiere, die beide nur eins wollten: den Titel. Bei Lewis und Nico ist es jetzt genauso.“

Die nötige Härte zeigen kann Rosberg 2016 auch

Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger ergänzt: „Nico fährt jetzt genauso hart wie Lewis. Dieser Unfall war der Beweis dafür, dass er endgültig reif ist für den Titel. Weil er eben in Extremsituationen wie dieser nicht mehr nachgibt.“ Mercedes-F1-Aufsichtsrat Niki Lauda lobt: „So habe ich Nico noch nie gesehen. Er hat jetzt diese Killermentalität eines Champions.“

Trotz der Gefahr weiterer Kollisionen wird Mercedes vorerst nicht ins WM-Duell eingreifen. Sportchef Toto Wolff: „Wir lassen sie weiter frei fahren.“ Berger meint: „Das ist das Beste, was Mercedes machen kann. Beide pu­shen sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Am Ende profitiert davon das ganze Team.“ Und die gesamte Formel 1!

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Allaince / Zak Mauger / LAT Photographic

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.