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Formel 1: Mercedes in Rolle des Jägers

— 28.03.2017

Die neue Angst vorm Überholen

Lewis Hamilton verlor den Sieg am Sonntag gegen Sebastian Vettel im Verkehr. Warum die Rolle des Jägers für Mercedes 2017 besonders schwierig ist.

Die Regelkur über den Winter hat die Formel 1 wieder spannend gemacht, endlich gibt es an der Spitze wieder einen Herausforderer für Mercedes. Auch optisch macht die Königsklasse mit den breiteren Autos und fetteren Reifen ihrem Namen nun wieder deutlich mehr Ehre. Wie von den meisten bereits befürchtet, ist jedoch das Überholen schwieriger geworden. Prominentestes Opfer der neuen Problematik war beim Auftakt in Melbourne Lewis Hamilton - doch das war kein Zufall.

An Verstappen kam Hamilton am Sonntag nicht vorbei

„Keine Chance, diesen Typen zu überholen. Da komme ich nicht vorbei“, funkte der Vizeweltmeister am Sonntag frustriert an seinen Kommandostand. Hamilton hing nach seinem frühen Reifenwechsel in Runde 17 hinter Max Verstappen, verlor dabei wertvolle Zeit im Fernduell mit Ferraris Sebastian Vettel und somit letztendlich das Rennen im Albert Park. Obwohl die Experten schätzen, dass der Mercedes gegenüber Verstappens Renault-Motor einen Vorteil von fast 40 PS hat.

Auch danach, im Duell um den Sieg gegen Vettel, musste Hamilton schnell erkennen: „Wenn man zu nahe ranfährt, verliert man Grip und beginnt zu rutschen.“ Der Brite ließ in der Folge abreißen, hatte im Ziel satte zehn Sekunden Rückstand. „Ich weiß natürlich nicht, wie es in den anderen Autos ist. Aber für mich war es schlechter als die letzten Jahre“, erklärte Hamilton anschließend zum Überholen und fügte hinzu: „Ich hoffe, das bleibt nicht die ganze Saison so.“
Vettels WM-Chance: Mercedes mit Übergewicht?

„Das ist der Albert Park, hier kann man nicht überholen“, nahm Mercedes-F1-Aufsichtsrat Niki Lauda Hamilton in Schutz. Doch so ganz stimmte die Aussage des Österreichers nicht. Denn ausgerechnet das Kundenteam Force-India, das ebenfalls mit Mercedes-Power im Heck ausgestattet ist, machte dem bisherigen Klassenprimus vor, wie es geht: Sergio Perez schnappte sich mit zwei tollen wie gewagten Manövern die Toro Rossos von Daniil Kvyat und Carlos Sainz - in Kurve drei und Kurve zehn sogar an verschiedenen Stellen des Kurses. Und auch Teamkollege Esteban Ocon machte bei Start-Ziel kurzen Prozess mit dem zugegebenermaßen untermotorisierten McLaren-Honda von Fernando Alonso.

Hat Ex-Dominator Hamilton nach Jahren des Vornewegfahrens also das Überholen verlernt oder woher kommt die neue Angst des Vizeweltmeisters vorm Angriff? Die Experten munkeln schon länger, dass der Mercedes Schwächen aufweist, wenn er keine freie Fahrt hat sondern im Verkehr steckt. Dieses Phänomen tritt nicht erst 2017 auf sondern war auch schon in den vergangenen Jahren zu beobachten. Was beim W08 aber hinzukommt: Das Auto hat den längsten Radstand im Feld. Das macht es nicht leichter für die Fahrer und spielte am Wochenende auch eine Schlüsselrolle dabei, dass die Reifen schneller überhitzten als bei der Konkurrenz.

Wenn Mercedes nicht vorne ist, wird es richtig schwer

Kurios: Sogar abseits der Piste sorgten die Maße des Mercedes für ungewohnte Probleme. So kam Valtteri Bottas mit dem breiten Silberpfeil nicht in einem Zug aus der in Melbourne sehr eng gebauten Weltmeister-Box, die er von Nico Rosberg gerbt hatte. Die Mechaniker mussten den Finnen im Training und Qualifying immer ein bisschen nach vorne schieben, damit er abfahren konnte.

Für Teamkollege und WM-Aspirant Hamilton kann nach dem nicht ideal verlaufenen Saisonstart in Melbourne der Schluss nur einer sein: Er muss von vorne losfahren, um möglichst der Gejagte und nicht der Jäger zu sein. Dann kann er sich selbst an der Spitze breit machen. Sonst wird es verdammt schwierig für ihn und Mercedes. Bester Beleg: Am Sonntag stellte er all das mit der Pole-Position und einem Bombenstart sogar sicher - und trotzdem war am Ende kein Kraut gegen Ferrari und Vettel gewachsen...

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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