BrawnGP in Abu Dhabi

Formel 1: Mercedes kauft BrawnGP

— 16.11.2009

Mercedes übernimmt BrawnGP

Der deutsche Autobauer Mercedes kauft sich für ca. 75 Millionen Euro bei BrawnGP ein und übernimmt damit drei Viertel der Anteile. McLaren wird Kundenteam. Nico Rosberg hat nach ABMS-Informationen ein Cockpit sicher.

AUTO BILD MOTORSPORT-Leser wissen es schon seit mehreren Wochen. Jetzt ist es offiziell. Mercedes wird in der kommenden Formel-1-Saison mit einem eigenen Werksteam an den Start gehen. Nach Informationen von autobildmotorsport.de überweisen die Schwaben dafür rund 75 Millionen Euro an die Weltmeistermannschaft von BrawnGP und erhalten im Gegenzug 45,1 Prozent der Anteile. Das Team wird Mercedes GP heißen und mit einer silbernen Lackierung an den Start gehen. Weitere 30 Prozent übernimmt der Daimler-Anteilseigner "Aabar Investment" aus Abu Dhabi für rund 50 Millionen Euro. Die restlichen 24,9 Prozent bleiben in den Händen von Ross Brawn und Nick Fry. Weltmeister Brawn bleibt außerdem Teamchef. Norbert Haug sitzt als Mercedes-Motorsportchef fortan am Brawn-Kommandostand. Damit gehen die Stuttgarter erstmals nach 1955 wieder als Mehrheitseigner eines Formel-1-Teams an den Start. Und das auch gleich mit einem deutschen Fahrer! Denn nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT wird Nico Rosberg Mercedes neuer Starpilot. Damit avanciert der in Wiesbaden geborene Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg zum ersten deutschen Mercedes-Werksfahrer in der Formel 1 seit Hans Herrmann und Karl Kling 1955. Bei einem Sieg von Mercedes GP wird die deutsche Hymne gespielt.

McLaren kauft die Mercedes-Anteile innerhalb von zwei Jahren zurück

Aufsteiger: Nico Rosberg fährt nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT in der kommenden Saison in Silber.

Im Gegenzug wird sich Mercedes vom bisherigen Exklusivpartner McLaren trennen. "McLaren wird in den kommenden zwei Jahren unsere 40 Prozent Anteile zurück kaufen", bestätigte Daimler-Vorstand Dieter Zetsche. Hintergrund: "McLaren hat sich zuletzt immer stärker im Automobilbau für Supersportwagen engagiert. Da ist es klar, dass unsere Interessen nicht mehr hundertprozentig übereinstimmen konnten." Trotzdem werde das Team nach eigenem Wunsch weiter mit silberner Lackierung und Mercedes-Stern fahren. "Bis 2015 können sie außerdem Motoren von uns kaufen", betont Zetsche. Doch der Status eines Werksteams geht verloren. Die bisherigen rund 100 Millionen Euro, die Mercedes jährlich in die Partnerschaft investierte, fallen weg.

Das zweite Cockpit im neuen Mercedes-Werksteam ist noch nicht besetzt

Mercedes-Führung: Daimler-Vorstand Dieter Zetsche (l.) zusammen mit Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug (r.).

Mit der Übernahme von BrawnGP geht Mercedes einen anderen Weg als Honda, Toyota und BMW die die Formel 1 trotz Kostensenkung verlassen haben. "Erstens haben wir eine ganz andere, vor allem aber sehr erfolgreiche Tradition im Motorsport", begründet Zetsche den Mercedes-Kurs, "außerdem können wir in den nächsten zwei Jahren unsere Aufwendungen für die Formel 1 auf ein Viertel reduzieren. Das Team steht auch ohne uns schon auf gesunden Füßen." Damit würde sich ein Formel-1-Engagement mehr lohnen als je zuvor. Wer das zweite Cockpit neben Nico Rosberg bekommt, steht noch nicht fest. "Ross Brawn verhandelt weiter mit Jenson Button", erklärt Zetsche, "dass er sich dabei mit uns abstimmt, ist normal." Doch der Weltmeister pokert ums Geld, wurde zuletzt sogar beim neuen Mercedes-Gegner McLaren gesichtet.

Kein Triebwerk für Vettel

Auch für Sebastian Vettels Red Bull-Team bedeutet die Trennung von McLaren weiterhin keine Lösung in der Motorenfrage. "Ausgehend von der ehemaligen McLaren-Exklusivität unterliegen wir in den kommenden drei Jahren gewissen Restriktionen, was die Lieferung von Motoren an andere Teams wie Red Bull betrifft", gibt Zetsche zu. Damit stehen für die Österreicher weiter nur Triebwerke von Renault und Cosworth zur Auswahl. Wunschpartner Mercedes bleibt tabu.

Mercedes' Formel-1-Geschichte beginnt in der 50er Jahren

Bleibt Kundenteam: McLaren darf noch bis einschließlich 2015 die Mercedes-Triebwerke in Anspruch nehmen.

1954 steigt Mercedes-Benz mit dem W196, dem legendären Silberpfeil, in die Formel 1 ein und wird mit Juan Manuel Fangio auf Anhieb Weltmeister. Ein Jahr später der Doppelschlag: Champion mit Fangio und Stirling Moss auf Platz zwei. Mercedes-Benz dominiert bis zum Ende der Saison 1955, zieht sich nach einem verheerenden Unfall in Le Mans aus der F1 zurück. 1993 Wiedereinstieg mit dem Team Sauber. Die Triebwerke werden von Mario Illien und Paul Morgan (Ilmor) im englischen Brixworth gebaut. Ende 1994 wechselt Mercedes zu McLaren. Heute hält die Daimler AG 40 Prozent der Anteile an der McLaren-Gruppe und produziert die Motoren im Tochterunternehmen Mercedes-Benz HighPerformanceEngines. Seit 2009 beliefern die Stuttgarter Brawn und Force India mit Motoren. Insgesamt holten sie in der F1 77 Siege, sechs Fahrer- und zwei
Konstrukteurstitel.

Autor: Bianca Garloff

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