Formel 1: Bilder vom Singapur GP

Formel 1: Mercedes-Sieg in Singapur

Ferrari macht Hamilton leichtes Spiel

Lewis Hamilton siegt souverän in Singapur, baut seinen WM-Vorsprung aus. Sebastian Vettel wird nur Dritter, weil Ferrari die falsche Strategie wählt.
Titelverteidiger Lewis Hamilton eilt in Richtung seines fünften WM-Titels. Der Mercedes-Pilot gewinnt mit einer souveränen Vorstellung den Singapur GP, zum vierten Mal nach 2009, 2014 und 2017. Damit baut der Brite seinen Vorsprung in der WM-Wertung von 30 auf 40 Punkte aus. Sebastian Vettel wird nur Dritter hinter Max Verstappen, weil Ferrari sich für die falsche Strategie entscheidet.

Jubel bei Hamilton: Der nächste Sieg für den Briten

"Was für ein Tag, was für ein Wochenende!", jubelt Hamilton. "Es war ein hartes und langes Rennen. Es hat sich angefühlt wie das längste meines Lebens und ich bin froh, dass es vorbei ist", sagt der ziemlich erschöpfte Sieger im Ziel.
"Ich hatte einen tollen Start, konnte das Feld kontrollieren und die Reifen schonen. Gegen Ende hatte Max aber eine starke Pace und hat einen guten Kampf aufgestellt. Zum Glück hatte ich genug Reserven, um darauf zu antworten", so der Silberpfeil-Pilot.
So lief das Rennen: Hamilton setzt seine Pole in die Führung um, dahinter erwischt der Drittplatzierte Vettel den besseren Start als Verstappen vor ihm. In Kurve eins muss der Ferrari-Star auf der Außenbahn noch zurückstecken, auf der anschließenden Geraden zieht Vettel aber vorbei am Red Bull - gerade noch rechtzeizig, bevor das Safety-Car ausgerufen wird. Denn dahinter kollidieren am Ausgang von Kurve zwei die Force-India-Piloten Sergio Perez und Esteban Ocon. Das Aus für den Franzosen.
Nach dem Re-Start kann Vettel zunächst an Hamilton dranbleiben. Dann jedoch Ferraris Fehler: Die Scuderia holt den Deutschen als Ersten aus der Spitzengruppe zum Boxenstopp, versucht den Undercut. Doch der misslingt, Hamilton stoppt nur einen Umlauf später und bleibt vorne - außerdem hat der Brite anders als Vettel die haltbareren Soft-Reifen drauf.

Die Top-3 am Podium: Verstappen, Hamilton, Vettel

Für Vettel kommt es noch schlimmer: Weil er im Anschluss an den Reifenwechsel hinter Perez Zeit verliert, nimmt ihm nach seinem Stopp auch noch Verstappen Platz zwei ab.
Auf den ultraweichen Reifen hat Vettel anschließend kaum die Möglichkeit zur Attacke, muss sich die im Vergleich zur Konkurrenz weicheren Schlappen einteilen, um es damit überhaupt ins Ziel zu schaffen. Fast 40 Sekunden hat Vettel am Ende Rückstand auf Sieger Hamilton.
Hinter den Top-3 kommen die beiden Finnen Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen in den jeweils zweiten Autos von Mercedes und Ferrari ins Ziel. Daniel Ricciardo wird im Red Bull Sechster. Einmal mehr in die Punkte schafft es aus der nächstjährige Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Er wird im Sauber Neunter, vor Renault-Pilot Nico Hülkenberg, der in seinem 150. Grand Prix als Zehnter den letzten Punkt mitnimmt.

So lief das Qualifying:

Wo kam denn diese Runde her? Lewis Hamilton schockt die versammelte Konkurrenz in Singapur mit einer Wunderrunde, schnappt sich auf Mercedes' Angststrecke überlegen die Pole-Position! Max Verstappen wird mit drei Zehnteln Rückstand Zweiter, Sebastian Vettel muss sich mit Rang drei begnügen - satte 0,613 Sekunden hinter seinem WM-Rivalen.
"Die Runde fühlte sich an wie Magie! Ich weiß nicht, wo es herkam. Aber als es zählte, hat alles genau zusammengepasst", freut sich Hamilton nach seiner Pole. "Ich bin überwältigt, mein Herz klopft immer noch ganz schön", gibt der Brite Einblick in seine Gefühlswelt: "Es gab einfach keinen Fehler auf der Runde - sie war perfekt am Limit und fühlte sich wie eine der besten an, an die ich mich erinnern kann."
Hamiltons Pole-Runde onboard anschauen - hier im Video:
Nicht nur die Gegner, auch die Experten im Fahrerlager sind beeindruckt: "Das hat niemand kommen gesehen. Ferrari hat hier eigentlich dominiert, aber irgendwo haben sie einen Fehler gemacht", glaubt Ex-F1-Pilot und TV-Experte Paul di Resta: "Lewis ist im Moment einfach auf einem überlegenen Level. Deswegen zahlt ihm Mercedes auch das große Geld."
Mercedes-Sportchef Toto Wolff findet: "Es geht nicht ums Geld. Lewis ist einfach ein außergewöhnliches Individuum, ein außergewöhnlicher Fahrer." Dem Österreicher gehen die Superlative für seinen Schützling aus: "Das war Sternenstaub, die beste Runde, die ich je von ihm gesehen habe."

Sprachlos über seinen Schützling: Toto Wolff

Wolff verrät: "Wir wussten, zu welchen Zeiten das Auto in den Sektoren eigentlich in der Lage ist. Als dann die lilafarbenen Sektorbestzeiten aufpoppten, war es surreal. Ich kann wirklich nicht erklären, was auf dieser Runde passiert ist, wie er das gemacht hat."
TV-Experte Martin Brundle lobt: "Das war die Runde der Saison! Ich habe den Mercedes-Kommandostand noch nie so happy gesehen, außer bei einem WM-Titel." Der Grund ist für Brundle klar: "Das hier ist ihre Horrorstrecke, aber sie haben es rumgerissen."
Auch Hamilton räumt ein: "Vor dem Qualifying war ich nervös, dachte, wir haben keine Chance auf die Pole. Die Anderen waren eine halbe Sekunde schneller. Deswegen ist das ein unglaublicher Moment für uns." Für den Rekord-Qualifyer der Formel 1 ist es bereits die 79. Pole seiner Karriere, die vierte in Singapur. Damit sorgt Hamilton auch für die 200. Pole eines britischen Fahrers in der Königsklasse.
Und erklärt: "So nah an der Perfektion war ich noch nie!" Was der Mann des Tages sonst noch über seine "sexy" Runde zu sagen hat - hier im Video:
Fast sieben Zehntel brummt Hamilton auch seinem Teamkollegen Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil auf, der Vierter wird - und nur kapitulieren kann: "Meine Runde war gut, vielleicht ein Zehntel wäre noch irgendwo drin gewesen - aber nicht sieben", sagt Bottas. "Ich weiß nicht, wo Lewis am Ende diesen großen Unterschied gemacht hat."
Kimi Räikkönen und Daniel Ricciardo runden die Top-6 im Qualifying ab. Renault-Pilot Nico Hülkenberg schafft ebenfalls den Sprung ins finale Q3, startet am Sonntag (14:00 deutscher Zeit, live auf RTL und F1 TV) als Zehnter in den Singapur GP.

So lief das Abschlusstraining:

Sein Mauerkuss am Freitag hat ihn nicht beeindruckt. Pünktlich vor dem Qualifying zum Singapur GP meldet sich Sebastian Vettel an der Spitze zurück, toppt das Abschlusstraining zwei Stunden vor dem wichtigen Kampf um die Startplätze beim Nachtrennen.
Sieben der letzten zehn Rennen in Singapur wurden von der Pole gewonnen, bei den letzten beiden trockenen GP kamen sogar die Top-3 in der gleichen Reihenfolge wie beim Start ins Ziel. Umso entscheidender ist deshalb schon der Samstag, für den Vettel und Ferrari - Teamkollege Kimi Räikkönen wird mit 0,362 Sekunden Rückstand Zweiter - jetzt Favorit sind.
Auffällig bei der Vettel-Bestzeit von 1:38,054 Minuten: Der Ferrari-Star holt fast seinen ganzen Vorsprung auf WM-Rivale Lewis Hamilton, der Rang drei im Training belegt, im ersten Sektor. 0,429 Sekunden knöpft Vettel dem Silberpfeil hier ab - in den beiden anderen Streckenabschnitten sind es nur 0,010 respektive 0,065 Sekunden. Macht unterm Strich eine halbe Sekunde.
Valtteri Bottas wird im zweiten Mercedes Vierter. Gar nicht rund läuft die Session für die am Freitag noch so starken Red Bulls. Daniel Ricciardo und Max Verstappen belegen mit über einer Sekunde Rückstand nur die Plätze fünf und sechs, beide Fahrer beklagen sich über die Balance des Autos.
Verstappen legt sich darüber hinaus noch mit Sauber-Pilot Marcus Ericsson an, weil er sich von diesem behindert fühlt. Als Erziehungsmaßnahme blockiert er Ericsson und dürfte damit einmal mehr den Unmut der Regelhüter auf sich ziehen.
Der Deutsche Nico Hülkenberg verpasst als Elfter knapp die Top-10. Das Qualifying steigt um 15:00 Uhr deutscher Zeit (live auf RTL und F1 TV).

So lief der Freitag:

Kein Start nach Maß für Sebastian Vettel in Singapur. Bei Halbzeit des zweiten Freitagstrainings touchiert der Ferrari-Star mit dem rechten Hinterreifen die Wand in der vorletzten Kurve, biegt sofort nach dem heftigen Anschlagen in die Boxengasse ab. Dort nehmen die Mechaniker den Schaden unter die Lupe und entscheiden, dass der Deutsche vorzeitig Feierabend machen muss.
Einen Grund zur Panik sieht Vettel wegen der verlorenen Zeit und seiner verpassten Quali-Simulation aber nicht. "Wir haben genug Erfahrung damit, zu lesen was die Anderen gemacht haben und wie die verschiedenen Runs mit den Reifen aussahen", erklärt Vettel. "Das wird fürs Rennen der Schlüssel, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Großteil davon morgen wieder aufholen können."
Vettel, am Ende direkt vor Landsmann Nico Hülkenberg (Renault) als Neunter gewertet, bleibt auch deshalb cool, weil Teamkollege Kimi Räikkönen Ferraris Stärke in Singapur unter Beweis stellt: Bestzeit für den Finnen, elf Tausendstel vor Mercedes-Star Lewis Hamilton. Der Brite dreht seinerseits nur acht Runden mehr als Vettel, weil er sich bei seinem Versuch auf ultraweichen Pneus direkt hinter dem Ferrari-Star verbremst, in den Notausgang muss und den Reifensatz damit ruiniert (s. Video).
Wenn es ums Rennen geht, hat Vettel aber nicht Mercedes sondern vor allem Red Bull auf der Rechnung: "Es ist zwischen allen drei Teams sehr eng, aber mit Red Bull vielleicht noch ein bisschen mehr. Sie sehen vor allem auf dem Longrun schnell aus", sagt der Deutsche.

Red Bull ist vor allem über die Distanz stark unterwegs

Max Verstappen und Daniel Ricciardo belegen am Freitag die Plätze drei und vier, eine halbe Sekunde hinter der Spitze. "Die zweite Session war für uns nicht so gut wie die erste", erklärt Teamchef Christian Horner. Noch bei Tageslicht war Ricciardo der Schnellste. "Dann haben wir aber etwas Probleme mit der Balance auf den Hypersoft-Reifen gehabt. Die sind sehr sensibel. Wir können die Energie nicht früh genug aus ihnen ziehen, im Umkehrschluss hilft uns das dafür auf den Longruns", verrät Horner.
Verstappen glaubt deshalb: "Über eine Runde haben wir nicht die Pace, um auf Pole zu stehen." Trotz starker Rennpace könnte das für Red Bull zum Problem werden. Teamkollege Ricciardo gibt zu bedenken: "Die Pole ist hier fast so wichtig wie in Monaco. Weil man nur schwer überholen kann, ist die Startposition der Schlüssel."

So lief das Auftakttraining:

Das Auftakttraining zum Singapur GP endet mit einem Crash. Drei Minuten vor Ende der Session bleibt Charles Leclerc am Ausgang der Anderson-Bridge mit dem rechten Vorderrad seines Sauber an der Mauer hängen, zerstört sich die Aufhängung und rollt in den Notausgang. Ein klassischer Anfängerfehler - ausgerechnet von Leclerc, dessen Beförderung zu Ferrari nach nur 14 Grand Prix im Vorfeld des Rennens für Aufsehen sorgte.

Weggeklappte Vorderradaufhängung an Leclercs Auto

"Solche Fehler darf er sich nicht mehr erlauben, wenn er nächstes Jahr in Rot fährt", urteilt Ex-Pilot und TV-Experte Anthony Davidson. Erst am Donnerstag hatte der 20-jährige Leclerc, der sich nach seinem Missgeschick am Funk sofort beim Team entschuldigt, noch eine Kampfansage rausgehauen, für 2019 sogar einen möglichen WM-Titel als Ziel ausgegeben (ABMS berichtete).
Sebastian Vettels zukünftiger Teamkollege ist im Auftakttraining aber nicht der einzige Pilot, dem Fehler unterlaufen. Auch Lance Stroll, Sergio Perez und Valtteri Bottas legen auf der noch grünen Strecke Dreher hin - Bottas findet sich darüber hinaus einmal im Notausgang wieder, genauso wie Landsmann Kimi Räikkönen.
Während vor allem die Mercedes-Piloten noch straucheln, bestätigt Red Bull die starke Form des Teams auf Stadtkursen. Daniel Ricciardo erzielt in 1:39,711 Minuten die Bestzeit, zwei Zehntel vor Teamkollege Max Verstappen. "Der Red Bull verfügt auf solchen Strecken über eine sehr gute Fahrbarkeit. Er saugt die Bodenwellen auf, ist stabil auf der Bremse und verzeiht den Piloten auch mal den ein oder anderen Fehler. Die fühlen sich hier sehr wohl", analysiert Experte Davidson.
Ferrari-Star Vettel kommt den Bullen im Training noch am nächsten, wird mit 0,286 Sekunden Rückstand Dritter, vor Stallgefährte Räikkönen. Auf Platz fünf überrascht zum Start in sein Jubiläumswochenende (150 GP) Renault-Pilot Nico Hülkenberg.
WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton muss sich mit Rang sechs begnügen, Teamkollege Bottas wird sogar nur Achter - beiden fehlen über 1,5 Sekunden. Singapur gilt traditionell nicht gerade als Mercedes-Strecke. Silberpfeil-Sportchef Toto Wolff gibt mit Blick auf das Ergebnis trotzdem leichte Entwarnung: "Wir sind ein komplett anderes Programm gefahren und gar nicht mit den Hypersoft-Reifen, die eine Sekunde schneller sind. Stattdessen haben wir uns auf Longruns konzentriert."

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / F1

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