Formel 1: Monaco 2007

Formel 1: Monaco 2007 Formel 1: Monaco 2007

Formel 1: Monaco 2007

— 25.05.2007

Gefährliche Faszination

Das F1-Publikum liebt Stadtkurse wie in Monaco. Bei den Fahrern sieht das anders aus – Spyker-Pilot Sutil krachte beim Training in die Leitplanke.

Stadtkurse holen die meisten Zuschauer vor die Bildschirme, weshalb demnächst drei weitere in den Formel-1-Kalender aufgenommen werden. Sie üben vor allem auf die jungen Fahrer eine große Faszination aus, und die Youngster unterstützen den Trend zum City-Racing. Doch dabei überschätzen diese sich oft.

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Manche nennen Adrian Sutil (24) einen Heißsporn, manche finden ihn erfrischend unbekümmert. "Ich finde die Strecke gut, weil sie einen Fahrer auch fordert", sagte der Neuling aus Gräfelfing bei München. Am Donnerstag dann krachte der Spyker-Pilot prompt mit Tempo 80 in die Leitplanke. Er blieb unverletzt, musste aber den Weg zurück an die Box schmachvoll zu Fuß antreten. Ginge es um die Sicherheit, das Rennen in den Straßenschluchten von Monaco müsste sofort verboten werden.

Das Racing in den engen Straßen bringt die besten Einschalt-Quoten.

Die Zuschauer stehen eine Wagenbreite von der Piste entfernt, und an der berühmten Rascasse-Kehre können sie die Boliden berühren, wenn sie ihre Hand durch den Maschendrahtzaun stecken. Auslaufzonen fehlen, es gibt nur drei Fluchtwege aus dem Kurvenlabyrinth, die tatsächlich Notausgänge heißen. Die Leitplanken sind dreifach verstärkt, aber einen mit 150 Stundenkilometern außer Kontrolle geratenen Rennwagen können sie nicht zurückhalten. Michael Schumacher gab vor seinem letzten Auftritt in Monaco als Formel-1-Pilot eine Warnung aus. "Besorgniserregend" hielt er die Hatz durchs Fürstentum und kam zum Schluss: "Es ist das gefährlichste Rennen des Jahres." Aber der Rekordweltmeister kann nicht mal im Ruhestand der Anziehungskraft des Stadtkurses widerstehen. Am Donnerstag schaute er zum zweiten Mal in dieser Saison bei seinen Ex-Kollegen vorbei, obwohl er noch in Barcelona versichert hatte, dass Auftritte im Fahrerlager eher die Ausnahme bleiben. Der Trainingsschnellste, Fernando Alonso, hat ähnliche Sicherheitsbedenken wie Schumacher, aber der Vorjahressieger sagt auch: "Monaco ist die einzige Strecke, wo du dir am Saisonanfang überlegst, dass du da unbedingt gewinnen willst."

Stadtrennen gehört die Zukunft

Den Zuschauern gefallen die Kolonnenfahrt und das glamouröse Drumherum. RTL verzeichnet seit Jahren in Monte Carlo die höchsten Einschaltquoten, und Stadtrennen gehört die Zukunft. Auf Betreiben des Chefpromoters Bernie Ecclestone werden demnächst die Rennwagen durch Valencia, Singapur und Abu Dhabi sausen.

Adrian Sutil findet die Strecke gut, demolierte aber seinen Spyker.

Großzügige Auslaufzonen werden aus Platzgründen fehlen. Vor diesem Hintergrund ist in Monte Carlo eine neue Sicherheitsdebatte entbrannt. Toyota-Pilot Ralf Schumacher führt die Fraktion der Bedenkenträger an. Er wiederholte sein Credo, dass die Monaco "nicht mehr zeitgemäß" sei: "Der kleinste Fehler kann hier hart bestraft werden. Es ist gefährlich. Ich hoffe, es passiert hier nichts." Vielleicht fuhr der Familienvater deswegen im Training so vorsichtig. Er wurde Drittletzter und prallte in der Schwimmbadpassage in einen Reifenstapel. In Monaco beweisen die PS-Helden gern, wie hart sie sind. Als Heinz-Harald Frentzen 2001 schwer verunglückte, hatte er eine Gehirnerschütterung und tagelang Blut im Urin. "Trotzdem wollte ich unbedingt testen", erzählte er. "Aber ich musste die Tests abbrechen, weil die Kopfschmerzen unerträglich wurden. Man kann in solchen Momenten fragen, ob Rennfahrer noch sauber ticken."

Keiner will als Weichei gelten

Kaum ein Fahrer will sich die Blöße geben, am Ende als Weichling dazustehen. Deshalb unterstreichen große Piloten wie Schumacher und Alonso unisono die "einmalige Herausforderung".

Trost nach dem Crash: Der schönste Rückweg zur Box den es in der F1 gibt.

Der Schotte und Wahl-Monegasse David Coulthard schwärmt: "Wenn du hier ins Ziel kommst, ist das eine größere Belohnung, als das WM-Punkte ausdrücken können." Debütant Sutil nennt seine größte Herausforderung in Monaco die Bewältigung der Schwimmbadpassage. "Die Formel 1 ist manchmal fast langweilig, da fehlt fast der Reiz. Es gibt Strecken wie in Bahrain, da bist du nur zehn Runden unterwegs." Dann sei das Rennen so gut wie entschieden. Kollegen wie Ralf Schumacher? Allenfalls Sonntagsfahrer. Wer denke, dass Monaco nicht mehr zeitgemäß sei, habe laut Sutil "in der Formel 1 nichts verloren". Manchmal dauert es nur Augenblicke, um junge Piloten zu erden. Lewis Hamilton etwa schwärmte erst vom "hohen Adrenalinausstoß" in Monte Carlo und krachte dann in der Sainte-Devote-Kurve in einen Reifenstapel.

Autor: Robert Dunker

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