Montezemolo

Formel 1: Montezemolo-Aus bei Ferrari

— 10.09.2014

Schwerer Tag für Alonso

Luca di Montezemolo ist nicht länger Ferrari-Präsident. Nach den schwachen Ergebnissen der Scuderia musste der Italiener seinen Hut nehmen.

Nur ein Titel in zehn Jahren, oft mehr Gespött als Maßstab der Formel 1, erst geschlagen vom einstigen Emporkömmling Red Bull, nun chancenlos gegen Mercedes: Die dauerhafte Ferrari-Krise in der Motorsport-Königsklasse hat Luca di Montezemolo den Präsidenten-Job gekostet. Nach 23 Jahren an der Spitze von Ferrari kündigte er heute seinen Rücktritt für den 13. Oktober an.

FIAT erhöht Einfluss

Ciao Luca: Di Montezemolo verlässt die große Bühne der Formel 1

Der Rücktritt, der eigentlich ein Rauswurf ist: Schon seit dem Wochenende in Monza stand Montezemolos Ferrari-Aus fest. Doch der Landgraf hatte bis zuletzt dementiert. Nun also doch. Auch das ist typisch Ferrari. Dabei waren die  Meinungsverschiedenheiten mit FIAT-Chef Sergio Marchionne über die sportliche Bilanz sowie die künftige Einbindung Ferraris in den FIAT-Konzern längst kein Geheimnis mehr. Marchionne wird den Sportwagenbauer nun selbst leiten. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wurde bereits im April durch Marco Mattiacci ersetzt – ebenfalls einen Mann mit Affinität zum Mutterunternehmen aus Turin. Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT ging es in den letzten drei Tagen nach dem Dementi beim GP Italien nur noch um die Abfindung. Montezemolo hat jährlich sieben Millionen Euro bei Ferrari verdient. Am Ende einigte man sich auf eine Abfindung in Höhe von 26,95 Millionen.

Verkaufszahlen reichen nicht

Die Formel 1 hat Montezemolo letztlich das Rückgrat gebrochen. Ausgerechnet im Jahr der größten technischen Revolution der Formel 1 versagte Ferrari aber gemessen an seinen Ansprüchen. In der Konstrukteurswertung rutschte der 16-malige Teamchampion nach dem peinlichen Auftritt beim Heimrennen in Monza mit dem vorzeitigen Aus für Fernando Alonso wegen eines technischen Defekts und dem ungenügenden neunten Rang für Kimi Räikkönen auf Platz vier ab. „Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr, wir haben die besten Piloten der Welt und es kann nicht sein, dass wir zwischen dem 7. und 13. Platz starten”, kritisierte FIAT-Chef Marchionne. Di Montezemolos wirtschaftliche Ergebnisse seien sehr gut, „aber im Fall von Ferrari muss man auch die sportlichen Ergebnisse berücksichtigen”, hatte der Italiener betont.

Brawn will nicht zurück

Ratlosigkeit am Kommandostand: Ferrari steckt immer tiefer in der Krise

Mit Montezemolo verliert die Formel 1 eine ihrer charismatischsten Persönlichkeiten. Montezemolo war ein Showman, der zwar polarisierte, aber der Königsklasse wie auch Ferrari Leben einhauchte. Seine regelmäßigen Auftritte im Fahrerlager waren legendär. Er strich sich dann meistens mit der Hand durch seine braunen Haare und hielt auf den Stufen des Ferrari-Motorhomes Hof. Er schwang Reden und winkte auch schon mal leeren Tribünen zu. Nach seinem Rücktritt in Maranello wird er mit dem Posten des Geschäftsführers von Alitalia in Zusammenhang gebracht. Inwieweit das Duo Marcionne-Mattiacci Ferrari zurück in die Erfolgsspur führen kann, ist fraglich. Beide sind Formel-1-Neulinge und haben keine Ahnung von Technik und Politik in der Königsklasse. Gerüchten zufolge will Ferrari deshalb Ex-Technilchef Ross Brawn zu einer Rückkehr bewegen. Nach ABMS-Informationen genießt der Brite aber sein Rentnerdasein mit seinen Enkelkindern und plant kein Comeback als Teamchef.

Santander-Chef verstorben

Für Ferrari-Star Fernando Alonso ist dieser Tag besonders bitter. Er verlor nicht nur Montezemolo als Ansprechpartner. Heute Nacht verstarb mit Santander-Chef Emilio Boitin (79) auch der größte Förderer des Spaniers. Über Montezemolo hatte der Ex-Weltmeister am vergangenen Wochenende noch gesagt: „Er ist einer meiner wichtigsten Ansprechpartner. Wir telefonieren nicht nur während der Grand Prix sondern auch davor und danach. Wenn er Ferrari verlässt, wird alles anders.“ Montezemolo war es auch, der mit Alonso über eine Vertragsverlängerung über 2016 hinaus verhandelt hatte. Auf die Frage, ob Alonso das Team verlassen würde, wenn Montezemolo abdankt, hatte der Spanier am Samstag mit einem klaren „Nein“ geantwortet – dann aber die Unschuldsmiene aufgesetzt und gelächelt...

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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