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Formel 1: Nach Verstappen-Manöver

— 09.10.2016

Mercedes zieht Protest zurück

Kurioses Nachspiel in Suzuka: Erst protestierten die Silberpfeile gegen Red-Bull-Pilot Max Verstappen, dann doch nicht mehr. Die Hintergründe.

Zwei Runden waren in Suzuka noch zu fahren und Lewis Hamilton wollte mit aller Macht vorbei an Max Verstappen. In der Schikane versuchte es der Weltmeister, doch Verstappen deckte die Innenseite mit einem späten Spurwechsel ab. Hamilton musste voll in die Eisen und durch den Notausgang, die Schlussattacke des Silberpfeil-Piloten war damit abgewehrt und Verstappen durfte sich auf dem Podium über Platz zwei freuen.
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Doch kaum war der Champagner nach den Siegesfeiern zur Konstrukteurs-WM getrocknet, legte Mercedes bei der Rennleitung Protest gegen den Red-Bull-Piloten ein! Begründung: Verstappen sei unberechenbar und gefährlich gefahren. Das stelle einen Verstoß gegen die Sportregeln dar.

Hamilton fand keinen Weg vorbei am Red-Bull-Piloten

Anschließend wurde es kurios: Denn eigentlich hätten die Rennkommissare in Suzuka das Manöver nun überprüfen müssen. Allein: Sie konnten nicht! Der Grund: Die Beteiligten hatten die Strecke schon verlassen, waren längst auf dem Heimflug vom weit entfernten Überseerennen. Doch die Fahrer müssen vor einer Entscheidung erst von den Regelhütern befragt werden.

Deshalb kündigte die Rennleitung an, dass erst in zwei Wochen beim USA GP mit einer Entscheidung zu rechnen sei! Der Formel 1 drohte eine Kaugummi-Verhandlung am grünen Tisch.

Wenig später aber zog Mercedes seinen Protest zurück. Wie AUTO BILD MOTORSPORT exklusiv aufdeckte, hatte es nach dem Abflug der Chefetage Uneinigkeit unter den Verantwortlichen gegeben.

Aufatmen: Max Verstappen darf Rang zwei behalten

Im Sinne des Sports erspart der Protest-Verzicht der Formel 1 nun zwei Wochen voller Ungewissheit über den WM-Stand. Hätte Verstappen nachträglich eine Strafe erhalten, wäre Hamilton im Rennergebnis wohl nachgerückt. Im Titelkampf mit Teamkollege Nico Rosberg hätten das drei verlorene Zähler weniger für den Briten bedeutet, der dann 30 statt 33 Punkte Rückstand in der WM gehabt hätte.

Allerdings: Die Experten im Fahrerlager zweifelten von Beginn an daran, dass Mercedes' Beschwerde Erfolg haben könnte. Selbst die Briten sprachen sich nach dem Rennen eher pro Verstappen und contra Landsmann Hamilton aus. „Das ist Racing. Max hat die Spur gewechselt, aber nur einmal. Das darf er“, fand Ex-Pilot Johnny Herbert. Sky-Experte Martin Brundle ging sogar noch einen Schritt weiter. „Lewis wusste genau, was passiert. Er war darauf vorbereitet.“ Hätte Verstappen also vielleicht sogar sein eigener schlechter Ruf gerettet?

Bereits in Ungarn und Belgien war der junge Holländer mit seiner harten Fahrweise und späten Spurwechseln beim Verteidigen aufgefallen - damals gegen Kimi Räikkönen. In beiden Fällen wurde Verstappen zwar scharf kritisiert, jedoch nie bestraft.

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Bei Red Bull verstand man die neuerliche Aufregung nach dem Rennen in Suzuka sowieso nicht. „Ich habe nichts Schlimmes gesehen“, winkte Berater Helmut Marko mit Blick auf die Verstappen-Aktion ab und auch Teamchef Christian Horner stellte klar: „Das war okay. Es war immer klar, dass Max innen abdecken wird. Das macht der Führende nunmal so.“ Der Brite konnte sich sogar einen kleinen Seitenhieb gegen Hamilton nicht verkneifen: „Hätte er mal lieber noch eine Kurve abgewartet. So nah, wie er dran war, hätte er Max auf der Geraden packen können.“

Und was sagt Verstappen selbst zu dem Vorfall? Der konnte nur müde lächeln. „Ich werde sicher nicht die Tür aufmachen und ihn vorbeiwinken“, erklärte der Holländer. „Ich habe im Rückspiegel gesehen, dass er sich bewegt und es probiert. Also habe ich die Lücke zugemacht. Ich denke das war fair.“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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