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Formel 1: Nächste Mercedes-Kollision

— 13.06.2016

Hamilton drängt Rosberg raus

Beim vorletzten Rennen in Bracelona crashten die Mercedes, auch in Kanada kam es zur Berührung: Mit weitreichenden Folgen für WM-Leader Nico Rosberg.

„Ich guck mal, wie mein Rennen so läuft: Wenn es ganz gut läuft, bleib ich dran. Wenn nicht, komm ich rein und schaue Fußball“, hatte Nico Rosberg noch vor dem Kanada GP gesagt, der am Samstag zeitgleich zum Abendspiel der Fußball-EM in Frankreich stattfand. 

Im Nachhinein hätte sich der WM-Führende wohl lieber den 2:0-Sieg der deutschen Mannschaft ansehen sollen, denn für Rosberg wurde es ein rundum frustrierender Arbeitstag. Dabei ging es am Start eigentlich gut los für den Deutschen – doch genau das wurde in Kurve eins zum Problem.
So lief der Kanada GP: Hamilton siegt vor Vettel

Kollision in Kurve eins: Rosberg musste ausweichen

„Sebastians (Vettel; d. Red.) Start war top, meiner gut, der von Lewis schlecht“, erklärte Rosberg mit Blick auf die erste Linkskurve, in der sich die Top 3 zusammenschoben und es vor allem zwischen den Silberpfeilen eng wurde. „In Barcelona hat es am Start außenherum in Kurve eins gut geklappt, also habe ich es wieder probiert. Wir kennen die Situation ja schon, ich muss es versuchen. Lewis hat aber mit einem harten Rennmanöver reagiert. Also ist es in die Hose gegangen, denn wir haben uns berührt und ich war leider außen.“

Die Folge: Rosberg musste durchs Gras, verlor viele Plätze und fiel zwischenzeitlich sogar auf Rang zehn zurück. „Natürlich war ich zuerst angepisst, aber es ist mein Job, sicherzustellen, dass ich nächstes Mal vorne bin nach so einem Manöver“, meinte Rosberg später versöhnlich. 

Auch im Team war man bemüht, das Feuer aus der brisanten Szene rauszunehmen. „Es war wirklich eine knackige Situation, aber man kann niemandem die Schuld geben“, fand Mercedes-F1-Aufsichtsrat Niki Lauda. Sportchef Toto Wolff sagte zu ABMS: „Ein wenig hart war es schon, so gegen den Teamkollege zu fahren. Wenn da eine Mauer statt der Wiese gewesen wäre, wäre es nicht gut gegangen. Das wäre dann nicht akzeptabel gewesen, aber in diesem Fall muss man es wohl so hinnehmen.“

Wahrlich kein Kind von Traurigkeit: Lewis Hamilton

Weniger überrascht von der Härte, die Hamilton an den Tag legte, waren indes die Experten im Fahrerlager. „Wenn man glaubt, dass Lewis eines Tages mal ein Priester wird, dann kann man das vergessen“, kommentierte Gerhard Berger im Gespräch mit ABMS, der für Rosberg derzeit die Vertragsverhandlungen um einen neuen Mercedes-Vertrag führt. 

Ex-Pilot Paul di Resta erklärte mit Blick auf die Berührung der Silberpfeile: „Wenn man auf den WM-Stand schaut, hat Lewis derzeit nicht so viel zu verlieren wie Nico. Er kann knallhart reinhalten und das hat er gemacht.“ Sky-Experte Johnny Herbert fühlte sich derweil an den USA GP 2015 erinnert. „Es war wie damals in Austin. Nico muss es so machen, er kann Lewis ja nicht einfach fahren lassen.“ Der Brite: „Mit etwas mehr Glück hätte es klappen können, aber außenherum ist das halt schwer.“

Und was sagt Lewis Hamilton selbst zur heiklen Startszene? „Ich hatte in Kurve eins einfach massives Untersteuern und dadurch leider eine Kollision mit Nico. Ich bin nur froh, dass dabei nichts kaputtgegangen ist“, so der Rennsieger. 

Für Hamilton war der Grund für den Vorfall jedoch bereits davor auf den ersten Metern des Grand Prix zu suchen. „Ich hatte heute wieder einen schlechten Start und weiß wirklich nicht, wie es dazu kommen konnte. Mein Start in die Aufwärmrunde war nämlich hervorragend, ich dachte: 'Heute wird es super!' Dann fahre ich los und nichts passiert“, erklärte Hamilton. „Vielleicht lag es wieder an der Kupplung, die überhitzt hat. Das müssen wir uns definitiv anschauen.“

Knallhart zum Kanada-Sieg: Hamilton am Sonntag

Anschließend gab es für Hamilton jedoch keine weiteren Probleme im Rennen. Hauptgegner Vettel wurde durch Ferraris falsche Strategie eingebremst, danach war dem Mercedes-Star der Sieg nicht mehr zu nehmen. „Immer wenn Seb hinter mir eine gute Runde gefahren hat, konnte ich antworten. Das war sicher schmerzhaft für ihn“, lachte Hamilton und fügte an: „Ich kann gar nicht glauben, dass es heute so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Es war ein toller Tag, mit einem fantastischen Auto. Ich hatte keine Reifenprobleme, kaum Graining und konnte immer gut attackieren.“
Arrivabene räumt Fehler ein: Ferrari verzockt sich bei der Strategie

Komplett gegensätzlich hörte sich die Beschreibung des Rennens vom großen Kanada-Verlierer Rosberg an. Nach der verpatzten Startrunde hing er im Verkehr fest, vor allem der auf den Geraden schnelle Williams von Valtteri Bottas bereitete ihm Probleme. Dann musste Rosberg mit einem schleichenden Plattfuß in Runde 51 auch noch einen zusätzlichen Reifenstopp einlegen. Kimi Räikkönen und Daniel Ricciardo konnte er anschließend schnell wieder überholen, am zweiten Red Bull von Max Verstappen biss Rosberg sich aber die Zähne aus.

Rosbergs Weg zurück nach vorne war nicht einfach

„Am Ende wurde es sehr schwer“, erklärte der Deutsche, dem fast das Benzin ausging: „Deswegen konnte ich Max auch nicht richtig angreifen. Er hat zwar einen guten Job gemacht, aber ich musste mich immer wieder zurückfallen lassen, Sprit sparen und dann wieder angreifen.“

Bei seinem letzten Versuch war er in der vorletzten Runde schon fast vorbei am Holländer, drehte sich eingangs der Zielschikane aber weg. „Das ist dann auch noch schiefgegangen. Zum Glück habe ich das Auto wenigstens ins Ziel gebracht“, fand der schlussendlich Fünftplatzierte wenigstens etwas Positives an einem Sonntag zum Vergessen für Nico Rosberg.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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