Bianchi

Formel 1: Neue Erkenntnisse zum Bianchi-Unfall

— 13.10.2014

Sollte Bianchi Gas geben?

Zum schweren Unfall von Jules Bianchi sind neue Erkenntnisse aufgetaucht: Forderte sein Marussia-Team den Franzosen zum Schnellfahren auf?

AUTO BILD MOTORSPORT liegen neue Informationen zum schweren Unfall des französischen Marussia-Fahrers Jules Bianchi beim Großen Preis von Japan vor. In einer Nachricht aus Kreisen der Automobilbehörde FIA, die ABMS vorliegt, heißt es auf englisch: „Bianchi did not slow down under yellow. On intercom marussia did push him to go fast for recovering on ericsson. On the records.“ Übersetzt heißt das: „Bianchi hat trotz gelber Flaggen nicht verlangsamt. Über Funk hat ihn Marussia dazu aufgefordert, schnell zu fahren, um Ericsson hinter sich zu halten. Den Funkspruch gibt es auf Tonband.“ Bei der Pressekonferenz, welche die FIA vergangenen Freitag anlässlich des Bianchi-Unfalls beim GP von Russland in Sotchi gegeben hatte, wurde dieser angebliche Funkspruch nicht erwähnt.

Im Duell mit Caterham

Versuchte mit allen Mitteln seinen Marussia vor den Caterhams zu halten: Jules Bianchi (vorne)

Fakt ist: Der Große Preis von Japan fand unter extrem schwierigen äußeren Bedingungen statt. Der Start erfolgte wegen zu nasser Fahrbahn hinter dem Safety-Car. Erst als die Fahrbahn abtrocknete, wurde das Rennen in Runde zehn freigegeben. In Runde 24 wechselte Bianchi auf frische Intermedite-Reifen für feuchte, aber nicht extrem nasse Bedingungen. Eine Runde später ging auch der direkte Konkurrent von Bianchi, Caterham-Pilot Marcus Ericsson an die Box, um frische Intermediates aufzuziehen. In Runde 27 überholte Ericsson den Franzosen, die beiden lagen jetzt auf den Plätzen 18 und 19. Ab der 37. Runde wurde der Regen wieder stärker. Caterham entschloss sich daraufhin – anders als Marussia – den sicheren Weg zu gehen. Als man in Runde 38 deshalb irrtümlich seinem zweiten Fahrer Kamui Kobayashi die Intermediate-Reifen montiert hatte, korrigierte man diese Entscheidung sofort. Der Japaner verlangsamte extrem, als er feststellte, dass das Auto mit diesen Reifen unfahrbar war. Man holte ihn eine Runde später wieder rein und montierte ihm die richtigen Regenreifen. Die hatte man vorher auch Kobayashis Teamkollegen Marcus Ericsson schon aufs Auto geschraubt.

Genaue Zeitenvergleiche

Der Schwede verlor durch den Stopp zwei Plätze und fuhr als 19. hinter Bianchi und Sauber-Pilot Adrian Sutil wieder auf die Strecke zurück. Marussia ließ Bianchi indes weiterhin mit 15 Runden alten Intermediatereifen draußen. In Runde 41 verlor Sutil in Kurve sieben die Kontrolle über das Auto. Sofort schwenkten die Streckenposten an dieser Stelle doppelt gelb. Das heißt: langsamer fahren und bereit sein anzuhalten. Ericsson fuhr in dieser 41. Runde mit seinen Regenreifen eine Rundenzeit von 1.55.839 min und war damit um über eine Sekunde schneller als der vor ihm fahrende Bianchi mit seinen abgefahrenen Intermediate-Reifen (1.57.090). Genau jetzt soll der verhängnisvolle Funkspruch gekommen sein, der Bianchi zum Gasgeben animiert haben soll. Marussia befürchtete, den Platz wieder an Ericsson zu verlieren. Ein Indiz dafür sind die Sektorenzeiten Bianchis in Runde 40 und 41. In Runde 40 brauchte der Franzose für den ersten Sektor 43,346 Sekunden für den zweiten 51,395 und für den dritten 22,395.

Grob fahrlässig gehandelt?

Der Unglücksmoment: Bianchi rast vor Streckenpostenturm Nummer 12 in den Bergungskran

In Runde 41, als Sutil direkt hinter ihm den Unfall hatte, fuhr er im ersten Sektor 43,621 s und war damit um gut drei Zehntel langsamer als im gleichen Sektor eine Runde zuvor. Dieser Zeitenunterschied ist erklärbar, weil mittlerweile mehr Wasser auf der Straße stand und Bianchis Reifen eine Runde älter waren. Merkwürdig und zum angeblichen Funkspruch passend ist aber, dass er die beiden nächsten Sektoren schneller als in der Runde zuvor zurücklegte. Im Mittelsektor fuhr er in Runde 41 plötzlich 51.160 Sekunden, 22,309 Sekunden im dritten Segment. Damit war er in diesen beiden Streckenabschnitten trotz schlechterer Bedingungen über drei Zehntel schneller als in der Runde zuvor.
In Runde 42 kollidierte Bianchi in Kurve sieben mit dem Bergungsfahrzeug und zog sich die schweren Kopfverletzungen zu. Die Unfallstelle befindet sich inmitten des ersten Sektors. Die FIA muss jetzt dringend klären, ob Marussia grob fahrlässig gehandelt hat.
Alle Neuigkeiten zu Jules Bianchi gibt es hier: In Gedanken bei Bianchi

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

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