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Formel 1: Neues Qualifying floppt

— 19.03.2016

Wolff: „Ziemlicher Müll“

In einer Hauruck-Aktion wurde kurz vor dem Saisonauftakt noch ein neues Quali-Format eingeführt. Besonders das finale Q3 steht nun massiv in der Kritik.

In der Theorie klingt das neue Qualifying spannend: Nach einigen Minuten fliegt alle 90 Sekunden der langsamste Fahrer raus. Insgesamt sieben im ersten Abschnitt, sechs im zweiten Abschnitt und im letzten dann der Reihe nach alle Fahrer, bis nur noch einer übrig bleibt: Der Pole-Mann.
So lief das Australien-Qualifying: Hamilton holt erste Pole des Jahres

Das Positive zuerst: Besonders zu Beginn der drei Abschnitte wird viel gefahren. Nico Hülkenberg meint: „Man merkt, dass da Druck im Kessel ist, der erste Schuss muss sitzen.“ Die Fahrer müssen sofort am Limit eine Runde drehen, um nicht schon zu Beginn eines jeden Abschnitts auszuscheiden. Das führte auch zu ungewohnt vielen Fahrfehlern.

Qualifying: Stau zu Beginn, leere Strecke am Ende

Aber danach wird es jeweils zäh, besonders in Q3. Nur die beiden Mercedes-Fahrer fuhren überhaupt noch eine zweite Runde. Weil Nico Rosberg nach dem ersten Run nur auf Platz vier steht und noch vor beide Ferraris kommen muss - und weil Lewis Hamilton die Gefahr durch Rosbergs zweite Runde abwehren will. Der Rest spart Reifen. Die Uhr tickt runter, die Fahrer purzeln nach und nach raus, keiner wehrt sich.

Aber auch in Q1 und Q2 war es nicht alle 90 Sekunden spannend. Der Vorletzte rettet sich zwar über die ersten 90 Sekunden, ihm bleibt dann aber keine Zeit mehr, sich in den nächsten 90 Sekunden selbst zu verbessern. Dafür müsste er an die Box kommen, neue Reifen aufziehen und eine Aufwärmrunde fahren - all das ist in 90 Sekunden nicht machbar. Vor allem, weil nach 90 Sekunden wirklich Schluss ist und nicht noch die angefahrene Zeit zählt. Diesem Irrtum ist das neue Haas-Team genauso aufgesessen wie Sauber bei Felipe Nasr.

In Sachen neuer Quali-Modus verging Wolff das Lachen

Sebastian Vettel sagt nach dem Qualifying: „Es war ein bisschen komisch, am Schluss nicht mehr attackieren zu können.“ Überrascht ist der Heppenheimer vom Ablauf aber nicht. „Ich verstehe die plötzliche Aufregung nicht. Denn als das neue Format fürs Abschlusstraining verkündet wurde, da haben wir doch alle schon gewusst, wie das enden würde - alle stürmen zu Beginn eines Quali-Segments auf die Bahn, und am Ende fährt kaum noch einer. Am Anfang herrscht Hektik, am Ende Langeweile“, so Vettel. Der Deutsche: „Mir tun die Fans auf den Tribünen leid. Sie wollten ein spannendes Qualifying sehen, stattdessen passiert nichts auf der Strecke. Das ist der falsche Weg. So definiere ich die Action eines Abschlusstrainings nicht.“

Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff bringt es auf den Punkt: „Das ist ziemlicher Müll. Ich bin der letzte, der den Sport schlecht reden will, aber da müssen wir unbedingt nochmal ran, das ist eine Verschlimmbesserung.“ Niki Lauda, Vorstandsvorsitzender des Mercedes-F1-Teams, pflichtet ihm bei: „Wir Teammanager müssen uns unbedingt zusammensetzen und die FIA darum bitten, schon für Bahrain zum alten System zurückzukehren. Nur so kommen wir da wieder raus.“

Auch das Ziel, die Startaufstellung mit diesem Format durcheinanderzuwürfeln, ging nicht auf. Zwei Mercedes starten vor zwei Ferraris - jedes Team hat sich in etwa da qualifiziert, wo es auch zu erwarten war.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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