Formel-1-Neuling Nico Rosberg

Formel-1-Neuling Nico Rosberg Formel-1-Neuling Nico Rosberg

Formel-1-Neuling Nico Rosberg

— 14.03.2006

Debüt mit schnellster Renn-Runde

Williams-Pilot Rosberg hat beim Saison-Auftakt in Bahrain sein Potential angedeutet. Vater Keke und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sind begeistert.

Emanzipation vom Vater

Wenn Nico Rosberg (20) im Fahrerlager mit seinen Ingenieuren diskutiert, einen Imbiß einnimmt oder einen Medientermin hat, dann darf sich Keke Rosberg nicht weiter als auf Rufweite nähern. Nico hat sich den Mindestabstand von Keke Rosberg ausgebeten, und der Vater hat versprochen, diese Schutzzone nicht zu verletzen. Er versucht, ein Signal an seine Umwelt auszusenden, und die Botschaft ist offensichtlich: Er hat "keinen Bock auf dieses Vater-Sohn-Ding".

Die Emanzipation des Juniors beflügelte nicht gerade die Wahl Keke Rosbergs zum Manager. Zur Premiere in Bahrain reiste auch Nicos deutsche Mutter Sina an. Familie Rosberg wohnte zusammen in einem Appartement. "Die gewohnte Umgebung hat ihm gutgetan", glaubt Keke Rosberg. Und nach seiner so geglückten Formel-1-Premiere für Williams nahm er für Fernsehinterviews die gleiche Pose ein wie der ältere Rosberg: die Hände lässig in die Hüften gestützt, das Gewicht auf das linke Bein verlagert und das rechte davor gestellt. "Ich bin gefahren wie mein Vater in den achtziger Jahren", sagte er. Rosberg senior galt als "Rennsau", der seinen ausschweifenden Lebensstil mit seinen Markenzeichen – Marlboro-Zigarette und Cowboyhut – konsequent auf seinen Fahrstil übertragen hatte.

Ein beachtlicher siebter Platz sprang in Bahrain heraus für den Sproß. Er war nach Michael Schumacher zweitbester Deutscher, obwohl Nick Heidfeld (BMW/12.) und Ralf Schumacher (Toyota/17.) seit sechs beziehungsweise neun Jahren ihre Runden in der Formel 1 drehen. Rosberg legte bei seinem Debüt die schnellste Rennrunde aller 22 Piloten hin, und Sam Michael, der Technische Direktor bei Williams, hielt sogar eine Plazierung unter den ersten Drei für möglich, wäre Rosberg nicht der Patzer zu Beginn passiert. Er touchierte Heidfelds BMW. Die Kollision und der anschließende Boxenstopp kosteten ihn 45 Sekunden. "Es war mein Fehler", so Rosberg.

Er entsprang wohl dem Lampenfieber, gepaart mit mangelnder Fahrpraxis. Gerade mal drei Runden durfte er am Freitag im Training drehen, weil Williams den großen Teil der Testarbeit Alexander Wurz übertragen hatte. Am Samstag kamen noch einmal zehn dazu. Da schwante Keke Rosberg, daß sein Sohn "in den ersten Rennen ganz schön auf die Fresse kriegen wird".

Aggressiv und trotzdem kühl

Seine Furcht war unbegründet, übertriebene Geduld braucht er mit seinem Sohn nicht zu haben. Nico Rosbergs Fahrstil ist eine überaus erfolgreiche Kreuzung aus der Aggressivität seines Vaters und der kühlen Berechnung der Computerspiele-Generation.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat sich genau diesen Typ Fahrer gewünscht. Schnell, draufgängerisch, intelligent, mit Ecken und Kanten und viel Charisma. "Wir brauchen mehr von diesen Rosbergs und Rossis", sagte er. Ecclestone soll sich für die Verpflichtung des Weltmeistersohnes bei Frank Williams eingesetzt haben und ein Fürsprecher des italienischen Motorradchampions Valentino Rossi als Ferrari-Pilot sein.

Nico Rosberg hebt sich wohltuend ab von den abgeklärten Piloten der neuen Generation wie Kimi Räikkönen und Fernando Alonso, bei denen jedes Lachen ein Naturereignis ist. Wenn er nach seinem aufregendsten Erlebnis befragt wird, erzählt er nicht, wie er mal mit 200 Sachen auf der Autobahn von irgendwelchen Polizisten angehalten wurde – sondern berichtet von einem waghalsigen Klippensprung über 20 Meter in die Tiefe.

Der smarte Deutsche würde sich auch gut als Serienstar einer dieser täglichen Seifenopern machen, wenn er so die blonden Haarsträhnen mit zwei Fingern aus dem Gesicht streicht. Erste Erfahrungen vor der Kamera hat er bereits gesammelt: Während in der Formel BMW seine Karriere noch niedertourig verlief, moderierte er Sendungen des Musiksenders Viva. Freilich qualifizierte er sich auch sportlich für die Königsklasse des Motorsports.

Er gewann die Formel-BMW-Serie 2002 und im Vorjahr die GP-2-Klasse, das Sprungbrett zur Formel 1. Er dominierte die Rennen, weshalb er an die neue Aufgabe "sehr entspannt" herangegangen sei. "Es ist mal schön, wenn du nicht der Favorit bist und ein Rennen unbeschwert von hinten beginnen kannst."

Als Sohn eines Weltmeisters ist er dabei nie frei von Druck, von Erwartungen und Vorurteilen. Jedem Sproß großer Fahrer hängt der Vorwurf nach, nur auf Vermittlung des Vaters aufgestiegen zu sein. Doch weder Nelsinho Piquet oder Mathias Lauda haben es bis in die Formel 1 geschafft. "Mein Vater hat mir viel Türen geöffnet", sagt Nico Rosberg, "durchgegangen bin ich selbst."

Nach den vielen Jahren in der Branche ist der Vater, der 1982 Weltmeister wurde, natürlich gut vernetzt - er hat schon Mika Häkkinen während dessen Galazeit bei McLaren-Mercedes 1998 und 1999 betreut. Doch bei einem strikt erfolgsorientierten Teamchef wie Frank Williams hätte er seinen Sohn nie aus reiner Freundschaft unterbringen können. Einen Tip für seinen Filius konnte sich Keke Rosberg trotz aller Vorsätze nicht verkneifen. Er hatte sich schon öfter vor dem Saisonstart einen Sonnenbrand geholt. "Da habe ich ihm gesagt", berichtete der Vater: "Junge, creme dich bloß gut ein."

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