Nick Heidfeld Porträt

Formel 1: Nick Heidfeld im Interview

— 23.09.2010

Heidfeld: "Potenzial des Autos nutzen"

Formel 1-Pilot Nick Heidfeld spricht im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über seine alte Jobs bei Mercedes GP und Pirelli als Testfahrer und über den neuen Job bei Sauber als Ersatz für Pedro de la Rosa.

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Heidfeld, Glückwunsch zum Comeback bei Sauber: Wann genau ist die Entscheidung endgültig gefallen?
Heidfeld: Am Wochenende des Großen Preises von Italien vor zwei Wochen. Da wusste ich dann endgültig Bescheid, dass ich die letzten fünf Saisonrennen fahren werde.
Sie ersetzen den Spanier Pedro de la Rosa, den Sie gut kennen…
Ja, es ist nie schön, einen anderen Fahrer zu ersetzen, aber bei Pedro ist das besonders bitter. Weil wir befreundet sind und beide in der Schweiz fast Nachbarn sind. Wir unternehmen viel gemeinsam, auch zusammen mit unseren Kindern.

Kollege und Freund Pedro de la Rosa zeigte Verständnis

Hatten sie Kontakt mit ihm seit der Bekanntgabe?
Ja! Er hat Verständnis für mich und nimmt mir das nicht krumm. Er kennt ja auch das Geschäft. Es war aber wichtig für mich, mit ihm darüber zu reden.
Welche Ziele haben Sie dieses Jahr?
Ganz klar, für das Rennen in Singapur heißt das: So schnell wie möglich das Auto und die neue Reifengeneration kennenlernen. Die Bridgestone-Reifen von 2010 sind nämlich anders als die, welche ich noch von der vergangenen Saison her kenne. Mit den Leuten von Sauber sollte das "Kennenlernen" kein großes Problem sein – die meisten kenne ich ja noch von 2010 und den Zeiten davor. Mein Ziel ist es für den Rest der Saison, das Maximum aus den Möglichkeiten machen. Das heißt: Das Potential des Autos zu Hundertprozent zu nutzen.
Wer oder was überraschte Sie in der bisherigen Saison am meisten?
Ehrlich gesagt Renault. Die hatte doch keiner vor der Saison so richtig auf dem Zettel, aber mein ehemaliger Teamkollege Robert Kubica fährt regelmäßig in die Punkte und ab und zu sogar kämpft er ums Podium. Das zeigt mir, wie gut und besonders effizient dieses Team bisher gearbeitet hat.

"Es ist eine faszinierende Arbeit, Reifen vom Anfangsstadium zu entwickeln"

Nick Heidfeld war vor seinem Engagement bei Sauber Reifentester bei Pirelli.

Ihre Karriere war in den letzten neun Monaten sehr kurvenreich. Sie wurden Mercedes Ersatzpilot, dann Pirelli-Testfahrer und fahren jetzt wieder Rennen. Wie kamen Sie klar damit?
Es war nicht einfach. Aber ich denke, dass der Mercedes-Job mehr als nur eine Alternative war. Es war interessant, bei den Briefings mit den Ingenieuren dabei zu sein, zu sehen, wie Michael Schumacher und Nico Rosberg arbeiten. Ich wurde auch immer aktiv um meine Meinung gefragt. Aber, klar, es hat immer gejuckt zu fahren, besonders am Anfang der Saison. Bei Pirelli hatte ich dann wieder die Möglichkeit.
Wie viel sind sie in den drei Testsession für Pirelli gefahren? Es muss doch wahnsinnig interessant sein, einem Reifenhersteller zu sagen, wie er seine Reifen Formel 1-tauglich bekommt?
Insgesamt in Mugello, Le Castellet und Jerez bin ich fast 3000 Kilometer gefahren. Das entspricht so ungefähr zehn GP-Distanzen. Und es stimmt: Es ist eine faszinierende Arbeit, Reifen vom Anfangsstadium zu entwickeln. Es war toll, alles hat aber auch gepasst: Das Auto, der Toyota von 2009, die Crew, die am Auto arbeitete, die Reifentechniker, natürlich auch die Reifen selbst.

"Vertrag für Rest der Saison"

Es war zu lesen, sie hätten "doppelten Vertragsbruch" begangen, um den Job bei Sauber am Ende machen zu können…
... diese Behauptung war nicht nur boshaft, sondern auch völlig falsch. Mercedes hat meinen Vertrag aufgelöst, damit ich bei Pirelli Testfahrer werden konnte. Pirelli wiederum löste meinen Vertrag auf, damit ich jetzt zu Sauber gehen konnte. Beide Firmen kamen mir entgegen und zeigten Verständnis für meine jeweilige Situation. Mit den beteiligten beiden Firmen besteht nach wie vor ein gutes Verhältnis. Zum Beispiel mit Norbert Haug und Ross Brawn. Das sagt ja wohl alles.
Was machen Sie 2011?
Sauber und auch ich sind beide offen und frei, was 2011 betrifft. Der Vertrag gilt nur für den Rest der Saison 2010. Ich bin allerdings guter Dinge, dass ich nächstes Jahr von Anfang an wieder dabei bin.
Können Sie  konkreter werden?
Nein, nur soviel: Es laufen Gespräche. Aber es ist noch zu früh, etwas zu sagen. Im Moment gilt meine ganze Konzentration aber dem Sauber-Team.

Autor: Ralf Bach

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