Hülkenberg

Formel 1: Nico Hülkenberg im Interview

— 13.07.2016

"Wir brauchen unser Heimrennen"

Auch Nico Hülkenberg fährt bei Force India mit einem Mercedes-Motor im Heck. Im Interview mit ABMS fordert er die Fans auf, nach Hockenheim zu kommen.

Herr Hülkenberg, Sie durften die Formel-1-Historie von Mercedes-Benz am eigenen Leib erfahren. Wie war es, den Mercedes-Benz W25 aus 1934 zu pilotieren, mit dem Rudolf Caracciola 1935 Europameister wurde?

Nico Hülkenberg: Wahnsinn! Du hast gar nicht das Gefühl, dass du ein Auto um dich herum hast. Du sitzt extrem aufrecht, ungeschützt, mit dem Lenkrad fast vor der Brust. Das Besondere an dem Auto: Gas und Bremse sind vertauscht. Es war eine coole Erfahrung und schon faszinierend, wie weit die damals schon mit der Entwicklung von Motoren waren. Was dieser Achtzylinder schon für Dampf hatte! So viel Leistung mit so wenig Sicherheit ...

War der Grand-Prix-Sport damals zuschauerfreundlicher weil spektakulärer?

Damals hat man die Unterschiede zwischen den Fahrern deutlicher gesehen. Das Arbeiten am Lenkrad, die Gewichtsverlagerung mit dem Oberkörper. Heutzutage erkennen selbst Experten bei den Tests kaum noch die Unterschiede zwischen den Fahrern und Autos. Nichtsdestotrotz ist der Motorsport und speziell die Formel 1 auch heute noch ein spektakuläres, beeindruckendes Produkt, bei dem sich die schnellsten Autos mit den besten Fahrern der Welt messen.
Rückkehr nach Hockenheim: Der Promo-Tag

Brauchen wir mehr Strecken wie Baku, wo Sie im Millimeterabstand an Mauern vorbeirasen?

Ich bin ein Fan der Traditionsstrecken. Aufgabe der FIA ist es, die richtige Balance zwischen modernen Kursen wie Baku, Singapur und den Klassikern wie Silverstone, Hockenheim oder Monza zu finden.

Ihre ersten Erinnerungen an die Formel 1?

In Hockenheim durfte Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg zuletzt einen Vorkriegs-Mercedes fahren

Meine Erinnerung beginnt Mitte der 90er-Jahre, wo ich selbst den Motorsport für mich entdeckt habe. Natürlich auch wegen Michael Schumacher. Sein Heim-Grand-Prix war von Hype und TV-Quote nur mit Spielen der Fußballnationalmannschaft zu vergleichen.

Was hat Sie so am Motorsport fasziniert?

Alles. Vor allem der Sound des V10. Ich war mit meinem Vater öfter in Spa. Und ich weiß noch genau, wie ich als Kind über das Gesicht gestrahlt habe, wenn der nächste Bolide mit lautem Kreischen um die Ecke bog.

Heutzutage ist der Sound weniger infernalisch. Wie können Sie den Fans klarmachen, dass die Technik immer noch das Nonplusultra und extrem faszinierend ist?

Das ultimative Erlebnis ist nach wie vor ein Besuch vor Ort. Live statt auf First oder Second Screen. Die Autos sind superschnell, haben enorme Power und Drehmoment auf der Hinterachse. Mehr als die damaligen Zehnzylinder. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Vorreiterrolle die F1 nach wie vor bei der technologischen Entwicklung einnimmt.

Das Interesse der Zuschauer war vor zwei Jahren zu gering, um den GP langfristig in Deutschland zu halten. Warum ist es für Sie trotzdem wichtig, dass Deutschland einen Grand Prix behält?

Deutschland ist eine Autonation. Wir bauen die besten Autos der Welt. Hier sind Mercedes, BMW, Porsche, VW und Audi zu Hause. Es ist ein Unding, dass es 2015 keinen GP in Deutschland gab. Fahrer, Fans und die deutsche Motorsportfamilie brauchen dieses Heimrennen, ohne dass eine F1-Saison unvollkommen wirkt. Gemeinsam muss es uns gelingen, den Motorsport wieder in Deutschland auf die Ideallinie zu bringen. Mit mutigen Ideen, mit Kreativität und mit geilen Rennen und guten Typen. Es gibt nichts Schöneres, als am Hockenheim- oder Nürburgring vor vollen Rängen am Motodrom vorbeizufahren und Hunderte deutsche Flaggen zu sehen.

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Situation in der Formel 1? Zuletzt war es Ihr Teamkollege, der öfter auf dem Podest stand.

Meine Saison lief bislang wie verhext. Wir hatten Probleme in Rennen und Qualifyings, was teilweise falsch wiedergegeben wurde, da wir einige Themen nur teamintern kommuniziert haben. Klar ist, dass wir seit Barcelona einen großen Satz nach vorne gemacht haben und aktuell gut aufgestellt sind. Nicht dass wir jetzt Mercedes angreifen können. Aber wir können aus eigener Kraft in die Punkte fahren. Das ist wichtig für das Team und mich als Fahrer.

Bleibt der WM-Titel Ihr Fernziel?

Mein derzeitiges Ziel ist es, gemeinsam mit dem Team den größtmöglichen Erfolg zu erringen. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass wir den Traum von vielen Millionen Autofahrern in Deutschland täglich leben. Formel-1-Fahren ist Beruf und Berufung. Ich möchte beidem gerecht werden.

Weitere Geschichten zum Großen Preis von Deutschland gibt es in AUTO BILD MOTORSPORT, als Heft in AUTO BILD am Kiosk.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Mercedes

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