Formel 1: Galerie - Spanien GP

Formel 1: Nico Hülkenberg im Interview

— 08.05.2015

Zwischen Formel 1 und Sportwagen

Nico Hülkenberg hat neben der Formel 1 noch einen Zweitjob: Der Rennfahrer versuchte sich vor dem Großen Preis von Spanien auch in der Langstrecken-WM.

Sie sind vor wenigen Tagen erstmals ein Rennen in der Langstrecken-WM gefahren. Wie war das?

Nico Hülkenberg: Ich war echt gespannt und aufgeregt. Das ist immer so, wenn etwas neu ist. Ich war also wirklich nervös, aber im positiven Sinne.

Wie schwer ist es, sich vom Formel-1-Boliden auf einen Langstrecken-Sportwagen umzustellen?

Es ist einfach ein anderes Auto, es sieht anders aus, es fühlt sich anders an. Man muss ein paar Runden fahren, und gewöhnt sich wieder um.

Sehen Sie sich nach dem ersten Renneinsatz in Ihrer Entscheidung bestätigt, neben der Formel 1 ein weiteres Engagement anzunehmen?

In der Formel 1 ein umjubelter Star: Doch so ganz nach vorne ging es für den 'Hulk' bisher noch nicht

Es ist noch zu früh, ein komplettes Urteil zu fällen. Aber ich glaube nicht, dass mich das in der Formel1 behindert oder mir im Weg steht. Ich habe Lust auf das Projekt, ich genieße jeden Moment und bin gespannt auf die Erfahrung Le Mans im Juni.

Mit dem Porsche können Sie mit den Besten mithalten, in der Formel 1 haben Sie mit Force India großen Rückstand auf die Spitze. Was bedeutet das für Ihre Motivation?

Mit meiner Motivation macht das nichts. Aber es ist schon ein anderes Gefühl, wenn man weiß, man hat ein Auto, das um den Sieg oder ums Podium fahren kann. Das ist eine andere Wahrnehmung als hier. Trotzdem bin ich bei beidem motiviert und will 100 Prozent geben.

Wie gehen Sie damit um, dass Force India vermutlich erst zur Jahresmitte das Auto runderneuern wird und Sie bis dahin Mühe haben werden, überhaupt in die Punkte zu fahren?

Cockpittausch im doppelten Sinne: Auf der Langstrecke fährt man nicht allein sondern teilt sich das Auto

Die Situation ist ja nicht neu. Wir wissen schon seit Mitte März, dass wir nicht schnell genug sind, nicht konkurrenzfähig genug. Es ist jetzt einfach ein Abwarten, bis hoffentlich die Besserung kommt und die Updates greifen. Bis dahin müssen wir alles optimieren, damit wir den Anschluss an unsere Hauptkonkurrenten Lotus, Sauber und Toro Rosso nicht verlieren. Und wenn das Update kommt, wollen wir richtig loslegen können und die zweite Hälfte anders aussehen lassen.

Aber ärgert Sie diese Situation nicht?

Es ist nicht schön. Es macht immer mehr Spaß, wenn man vorn mitfahren oder um Punkte mitkämpfen kann. Aber es ist mein Beruf, wir sind hier Profis. Es bringt ja nichts, wenn wir sagen, es ist eh alles scheiße. Man muss kämpfen und arbeiten, um sich da rauszuziehen.

Kann ein Team wie Force India sich denn überhaupt auf Sicht im oberen Mittelfeld etablieren?

Daran glaube ich schon. Das ist unser Anspruch, da gehören wir hin.

Wenn es mit Force India nicht funktioniert, wäre denn ein Wechsel in den Langstreckensport eine Option für Sie?

Hülkenbergs etatmäßiges Arbeitsgerät: Der Force-India in der Formel 1, Jahrgang 2015

Ich glaube irgendwann schon, definitiv. Aber im Moment ist die Zukunftsplanung da noch ganz am Anfang. Das war jetzt meine erste Berührung mit einem Profi-Motorsport außerhalb der Formel1, der wirklich bezahlt ist. Ich werde dann schauen, wenn die Zeit kommt im Jahr, was die Alternativen und Optionen sind. Aber ich hoffe schon, dass ich noch ein paar Jahre Formel 1 in mir habe.

Nach all Ihren wechselhaften Erfahrungen in der Formel 1 mit Teams, die oft die Erwartungen nicht erfüllen konnten, beginnt da nicht so etwas wie Desillusionierung?

Das ist immer noch einer der besten Jobs der Welt. Formel 1 war immer mein Traum. Sich mit den anderen Fahrern zu messen, Zweikämpfe, das will ich weiterhin machen. Natürlich will ich nicht nur in der Formel 1 sein, um mitzuschwimmen. Ich bin hier, weil ich irgendwann Weltmeister werden will. Wenn ich merke, ich komme nicht da hin, muss ich mir Gedanken machen.

Ist dafür dieses Jahr schon wegweisend?

Könnte sein. Aber vielleicht ist es ein bisschen früh, das zu sagen. (dpa)
Fotos: Getty Images / Picture-Alliance

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