Formel 1: Nico Rosberg

Formel 1: Nico Rosberg

— 28.11.2016

So wurde aus ihm ein Superstar

Nette Anekdoten und einen tiefen Einblick in die Karriere von Nico Rosberg: Sein Vater, seine Mutter, seine Famiie, seine Karriere, seine Teamkollegen.

+++ Nico Rosberg ist ein Mix aus seiner Mutter Sina, einer Deutschen aus Wiesbaden, und dem sensiblen Möchtegern-Macho Keke Rosberg. Als Sohn des Formel-1-Weltmeisters von 1982 wächst Nico Rosberg behütet in Monaco auf, geht auf eine internationale Schule in Nizza, macht sein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,1 und hätte in England auch Aeronautik studieren können.

+++ Trotz der finnischen Herkunft seines Vaters wird er deutsch erzogen. »Sogar ich sprach zu Hause nur Deutsch mit ihm«, erzählte Vater Keke einst im Interview mit ABMS. Auch Ehefrau Vivian, mit der der Mercedes-Star heute in einer Wohnung in Monaco lebt, ist Deutsche. Töchterchen Alaia kam im vergangenen Jahr zur Welt.

Nico Rosbergs große Liebe: Seine Frau Viavian

+++ Aus dem Fernsehen kennt man Rosberg als oft unterkühlt und zurückhaltend wirkenden Star. Nur selten öffnet er sich: »Von meiner Mutter habe ich gelernt, auf Menschen respektvoll und sensibel zuzugehen«, verrät er. »Von ihr habe ich außerdem die Liebe zum Fußball, besonders zum FC Bayern, und die Liebe zu Tieren. Als unser Hund vor ein paar Jahren gestorben ist, haben wir alle bitterlich geweint.«

+++ Das Wettbewerbs-Gen hat der Blondschopf dagegen von seinem Vater geerbt: »Von ihm habe ich den Ehrgeiz mit in die Wiege gelegt bekommen. «Und das Laster, nur schlecht verlieren zu können. Rosberg: »Mein Vater und ich haben früher oft Tennis gespielt. Das war wie Krieg. Ich habe immer geweint, wenn ich verloren hatte. Dann habe ich zwei Tage nicht mehr mit ihm geredet. Und dann haben wir nach zwei Tagen wieder gespielt, und alles begann von vorn.«

+++ Eine Art Eiskunstlauf-Vater war Keke Rosberg nicht. Nico: »Mein Vater hat zwar am Anfang aktiv an meiner Karriere mitgewirkt und geholfen, aber dann hat er auch dafür gesorgt, dass ich immer mehr meinen eigenen Weg gehen kann. Das zeigt mir, dass er sehr weise ist.«

Test zweiter WM-Sprösslinge: Rosberg und Piquet '02

+++ Klein Nico wurde durch die Karriere seines Vaters Keke zum Motorsport gebracht. 1995 machte es Klick. Rosberg junior erzählt: „Ich hatte einen selbst geschneiderten Overall und durfte in Hockenheim auf dem Dach seines Autos sitzen, während es durchs Motodrom in die Startaufstellung geschoben wurde. Mein Vater sagte immer: Wink doch mal! Aber das war mir zu peinlich. Durch solche Erlebnisse bin ich zum Motorsport gekommen.“

+++  Die Anfänge. Sie bestanden wie bei fast allen großen Rennfahrern aus Kartfahren. Keke spricht mittlerweile nicht mehr mit Journalisten. Als er dies noch tat, erinnerte er sich im Gespräch mit ABMS: »Mit zwei Jahren ist Nico das erste Mal mit mir in einem Zweisitzer-Kart mitgefahren. Ich hatte eine eigene Kartstrecke auf Ibiza. Er konnte zwar lenken, kam aber nicht an die Pedale ran. Mit neun wollte er dann echte Rennen fahren.« Zunächst nur zum Spaß. Keke Rosberg ironisch: »Wir waren ein echtes Dreamteam. Er hatte vom Fahren noch keine Ahnung, ich keinen Schimmer vom Schrauben.«

Formel 1: Nico Rosberg

+++ Verbessert hat sich seitdem nur der Sohn. Nico blickt mit einem Lächeln zurück: »Mein Vater war mein erster Mechaniker, aber das war eine Katastrophe. Ich hatte das Kart schon ein Jahr, und er hatte noch nicht einmal die Kette geölt.« Das Schicksal erlöste die beiden. Keke damals cool: »Als Nico in einer schnellen Kurve ein Rad verlor, das ich wohl nicht richtig festgeschraubt hatte, war meine Karriere als Mechaniker endgültig beendet.«

+++ Das Talent hat Keke Rosberg bei seinem Sohn aber schnell entdeckt: »Wichtig ist, dass man beim Fahren am Limit noch Kapazitäten für andere Dinge hat. Der Kopf muss frei sein, wenn der Körper fährt. Diese Fähigkeit hat sich bei Nico früh gezeigt.«

+++ Wie jeder andere Kartfahrer auch, musste Rosberg Rennfahren und Schule unter einen Hut bringen. »Es war eine sehr intensive Zeit«, erinnerte sich Vater Keke. »Wir fuhren in der italienischen Meisterschaft und sind regelmäßig Sonntagnacht um zwei Uhr nach Hause gekommen. Am nächsten Morgen um sechs wurde Nico wieder für die Schule geweckt.«

Rosberg mit seinen Eltern Keke (l.) und Sina (r.)

+++ Nach fünf Jahren im Kart stieg er in die Formel BMW auf, wo er gleich in seinem ersten Jahr Meister wurde. Zur Belohnung ließ ihn der damalige BMW-Motorsport Direktor Gerhard Berger Ende 2002 den aktuellen BMW-Williams- Formel-1-Wagen testen. Berger zu ABMS: »Er war mit 17 Jahren der jüngste Pilot aller Zeiten, der in einem offiziellen Test ein Formel-1-Auto fuhr. Und er machte seine Sache richtig gut. Vater Keke saß die ganze Zeit brav auf der Tribüne und wollte nicht stören. Das ist übrigens ein wichtiges Merkmal in der Vater-Sohn-Beziehung. Keke hat immer versucht, seinen Sohn alleine bestehen zu lassen.«

+++ Vor allem bei den jüngeren Kollegen sorgte der Test für viel Interesse. Rosberg erzählt, wie ein 15-jähriger Kerl mit Zahnspange und dem Namen Sebastian Vettel auf einer BMW-Party vehement nach dem Formel-1-Erlebnis fragte. Nico muss heute noch darüber lachen: »Ich dachte erst, Sebastian hätte zu viel getrunken. Er ließ aber nicht locker und wollte alles wissen über das Gefühl, in einem Formel-1-Auto zu fahren.«

+++ Es folgten zwei Lehrjahre in der internationalen deutschen Formel 3. Anschließend der Wechsel in die neu geschaffene Formel-1-Nachwuchsserie GP2, die er 2005 auf Anhieb vor Heikki Kovalainen gewann. Der Aufstieg zum Formel-1-Piloten bei Williams war nicht mehr aufzuhalten. Und gleich beim Grand-Prix-Debüt in Bahrain 2006 sorgte Rosberg für Furore, als er die schnellste Rennrunde fuhr.

Geschafft: Nico Rosberg ist F1-Weltmeister 2016

+++ Vier Jahre lang quälte er sich bei Williams mit mittelmäßigem Material. Doch die Insider bemerkten sein außerordentliches Talent. ABMS verrät deshalb exklusiv ein bisher gut gehütetes Geheimnis: BMW-Sauber wollte Rosberg für 2010 verpflichten. 2009 traf sich der Wiesbadener mit dem damaligen Teamchef Mario Theissen in dessen Münchner Wohnung. Dass es dabei schon um mehr als nur Vorgeplänkel ging, zeigt die Tatsache, dass auch die heutige Sauber-Geschäftsfuhrerin Monisha Kaltenborn, damals verantwortlich fur Vertragsangelegenheiten, anwesend war. Doch bevor es zur Einigung kam, zog der BMW-Vorstand das Team aus der Formel 1 zurück.

+++ Jetzt war der Weg frei für das Mercedes-Team, für das Rosberg Historisches leistete. In seinem 111. Formel-1-Rennen holte er den ersten Sieg eines Silberpfeils seit Monza 1955. Damals gewann Juan Manuel Fangio für den Automobilhersteller aus Stuttgart. »Allein dieser Bezug vermittelt mir Gänsehaut.«
Rosbergs Karriere auf einem Blick

+++ Am 27. November 2016, in seinem siebten Jahr bei Mercedes, holte Rosberg endlich den verdienten WM-Titel.

Das Duell: Rosberg vs. Hamilton

Das Duell: Rosberg vs. Hamilton Das Duell: Rosberg vs. Hamilton Das Duell: Rosberg vs. Hamilton

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance / Dppi / BMW

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