Nico Rosberg

Formel 1: Nico Rosberg im Exklusivinterview

— 21.03.2014

Melbourne-Sieg war keine Kaffeefahrt

Der Mercedes-Pilot spricht mit AUTO BILD MOTORSPORT über seine Dominanz beim Auftaktsieg in Australien, sein Auto und die tolle Moral der Mechaniker.

Herr Rosberg, das war doch mal nicht schlecht heute ...

Nico Rosberg (28, grinst zufrieden): Ja, nicht wahr? (Rosberg nimmt seine Siegerschale und platziert sie neben sich auf der Couch.) Ein wirklich schönes Ding. Daran könnte ich mich gewöhnen.

Wie fühlen Sie sich als erster Sieger der neuen Formel-1-Ära mit Sechszylinder-Turbos?

Glücklich. Sie kennen mich ja schon länger, müssten das also erkennen (lacht). Das ist einfach gigantisch!

Das erste Mal seit 1982 führt ein Rosberg wieder eine Formel-1-Weltmeisterschaft an. Haben Sie schon mit Ihrem Vater gesprochen?

Nein, der ist gerade in Lappland. An solche Statistiken will ich jetzt auch noch gar nicht denken. Das war gerade erst das erste Saisonrennen. Wir müssen jetzt weiter hart arbeiten und nichts als selbstverständlich ansehen.
 
Trotzdem: Sie und Ihr Auto haben den Saisonauftakt dominiert. Sagen Sie uns nun endlich, wie stark Ihr Auto wirklich ist? Bislang haben Sie ja immer tiefgestapelt …

... weil wir bis zuletzt Probleme mit der Zuverlässigkeit hatten. Und die sind noch immer nicht ganz gelöst. Das sieht man ja an Lewis (Hamilton. Fiel mit Motorproblemen aus; d. Red.)
 
Nicht abschweifen. Ihr Auto bitte!

ABMS-Redakteurin Garloff (li.) mit dem stolzen Sieger und seiner Trophäe im Fahrerraum

Das geht ab wie eine Rakete, oder besser: wie ein Pfeil, wie ein Silberpfeil (schmunzelt). Und es ist eine echte Freude, so ein gutes Auto zu haben. Wo ich da heute drin gesessen bin, das habe ich in meiner ganzen Karriere so noch nicht erlebt. Weder in der Formel 1 noch in den Kategorien davor. Das ist so cool, mit dem Gefühl jetzt auch ins nächste Rennen zu gehen, das Ding geht ab wie sonst was.

Es sah teilweise aus, als hätten Sie das Rennen locker und leicht angeführt. Wie viel Spielraum hatten Sie noch nach oben?
Keinen! Das war keine Kaffeefahrt. Man muss auf so viele Dinge achten. Mal werden die Reifen zu kalt, dann musst du Sprit sparen. Ich war sehr wohl am Limit.
 
Ja, na klar ...

Das finde ich jetzt aber nicht besonders höflich, dass Sie mir das nicht abnehmen (ironisch). Bianca, dieser Kerl ist einfach unsympatisch, oder? (zwinkert Ralf Bach zu).
 
Bleiben wir beim Thema, Herr Rosberg (AUTO BILD MOTORSPORT schmunzelt ebenfalls). Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis nach diesem Wochenende?

Nico Rosberg fuhr in Melbourne ungefährdet zum Sieg

Dass wir als Team gewachsen sind und uns mittlerweile nicht mehr verstecken müssen vor Red Bull, die bis jetzt die Messlatte waren. Momentan, Stand heute, habe ich das schnellste Auto. Das ist schon mal der Hammer. Das macht enorm Spaß, das mit meinem Team zu teilen. Jeder in den Fabriken hat einen unglaublich guten Job gemacht über den Winter. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Am liebsten würde ich jetzt auch gleich weiterfahren. Auf die zwei Wochen Pause bis zum Rennen in Malaysia könnte ich verzichten.
 
Sie haben jetzt 25 Punkte Vorsprung auf Ihren Teamkollegen im selben Auto. Sehen Sie sich als WM-Favorit?

Nein. Daran denke ich noch gar nicht. Das wäre auch Unsinn. Ich genieße lediglich den Moment, bin auf das Jetzt voll fokussiert. Zu wissen, dass ich jetzt permanent um Poles und Rennsiege fahren kann, ist schon cool. Ich weiß jetzt in etwa, wie Sebastian sich  letztes Jahr gefühlt haben muss, als er mal mit 30 Sekunden Vorsprung gewonnen hat. So etwas ist auch ein weiterer Schritt in Sachen Freude am Sport. Das merke ich jetzt.
 
Im Vorfeld des Rennens war von Stunk zwischen Ihnen und Lewis Hamilton die Rede. Droht wirklich der große Knall auf der Rennstrecke?

Stunk? Welcher Stunk. Wir hatten ein Meeting mit unseren Chefs und haben die Bedingungen für dieses Jahr gemeinsam definiert. Das ist doch das Gegenteil von stunk, das sehe ich als konstruktiv an. Wir sind hier um Rennen zu fahren, aber wir müssen auch an Mercedes denken. Deshalb werde ich Lewis nie mit der gleichen Art und Weise überholen wie einen Red Bull. Bei meinem Teamkollegen werde ich mit viel weniger Risiko vorgehen. Aber natürlich wird es dieses Jahr einige Zweikämpfe zwischen uns geben, das ist Racing und das wollen die Zuschauer doch sehen.
 
Aber inwiefern wird das mögliche WM-Duell den Umgang mit Lewis abseits der Strecke verändern?

Da war die Freude groß: Rosberg mit seinen Mechanikern beim Jubel

Wir sind keine besten Freunde, kommen aber ganz gut klar. Ich bin mir allerdings auch darüber im Klaren: Je mehr Erfolg wir haben, desto komplizierter wird unsere Beziehung. Wir beide waren schon immer echte Wettbewerbstiere, auch früher, als wir zusammen im Alter von 14 Jahren Mercedes Benz McLaren Kartteam fuhren: Egal, ob es beimWrestling im Hotelzimmer war oder darum ging, wer mehr Pizzen verdrücken kann; jeder wollte der Bessere sein.
 
2013 mussten Sie aufgrund einer Stallorder in Malaysia hinter Lewis zurückstecken. Würden Sie das auch 2014 wieder tun, im Kampf um den WM-Titel?

Ja. Für mich ist das ganze ein Kompromiss. Ich fahre nicht nur für mich, sondern für ein ganzes Team. Deshalb darf ich kein gutes Teamergebnis riskieren. Für die Mechaniker ist das ein großer Motivationsschub, weil sie dafür einen Bonus bekommen. Das wiederum steigert ihre Moral und macht mein Auto besser.
 
Noch besser? Kann Ihr deutscher Konkurrent Vettel also schon einpacken?

Nein. Red Bull darf man nie abschreiben. Sie sind in Australien zwar disqualifiziert worden, waren aber trotzdem stärker als erwartet. Nach den Tests hätte ich aber fast mein Haus verwettet, dass die weiter Probleme haben. Red Bull ist die letzten fünf Jahre die Messlatte gewesen in der Formel 1 und die muss man auch weiter auf dem Zettel haben. Die werden sich schnell verbessern. Da dürfen wir nicht schlafen.
 
Wir mussten Ihre Freundin wegen Platzmangel gerade aus dem Fahrerraum schicken. Im Juli wollen Sie heiraten. Ist sie Ihr Glücksbringer?

Irgendwie schon. Sie war in Monaco, Silverstone und hier dabei. Wenn sie da ist, gewinne ich. Malaysia war bislang nicht eingeplant. Aber mal schauen. Grundsätzlich finde ich es sehr schön Familie dabei zu haben.
 
Wollen Sie bald auch eine eigene haben?

Freude Pur auf dem Podium: Rosberg gewann in Australien seinen vierten Grand Prix

Darüber will ich nicht zu viel in der Öffentlichkeit sprechen. Aber grundsätzlich: Familienleben und Stabilität sind mir wichtig, weil sie für mein Wohlbefinden von großer Bedeutung sind. Mein Leben ist geprägt von viel Disziplin. Wenn ich die nicht an den Tag lege, läuft alles aus dem Ruder. Ich lebe deshalb sehr gesund mit Vivian. Wir haben einen eigenen Gemüsegarten und meine Freundin kocht wirklich toll.
 
Gemüsegarten? Klingt gar nicht wie ein Luxusleben in Monaco.

Ich bin so erzogen worden, dass ich mein Geld nicht zum Fenster rauswerfe. Für den Sport gebe ich allerdings viel aus, z.B. für Rennräder Und, um teilweiseprivat zu fliegen. Das mache ich nicht, weil es ein Luxus ist, sondern weil es Zeit und Energie spart. Zeit, in der ich mich anderweitig auf die Rennen vorbereiten kann. Wir fliegen so viel durch die Gegend. Da ist jede Sekunde, die man nicht im Flieger verbringt, Gold wert.
 
Was machen Sie jetzt bis Malaysia?

Ich bleibe hier unten und mache mit Vivian ein bisschen Urlaub auf Bali. Ich versuche einfach die Zeit zu genießen. So ein Erfolg natürlich die perfekte Vorlage für ein paar freie Tage. Das heißt aber nicht, dass ich komplett abschalte. Ich bin jetzt voll drin im Erfolgsmodus. Ich habe fast jeden Tag Telefonkonferenzen mit dem Team via Skype und am Wochenende stehen schon wieder jede Menge PR-Termine für unseren Partner Petronas in Malaysia auf dem Programm. Die haben in Kuala Lumpur ja ihren Hauptsitz.
 
Die Strecke dort sollte Ihnen noch besser liegen ...

Da will ich jetzt keine Prognose wagen. Wir müssen mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Wir haben einen guten Motor, und auch ein gutes Auto. Die Voraussetzungen sind also nicht so schlecht. Aber wir müssen die Technik 100 % im Griff haben. Und das haben wir noch nicht ganz.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images / xpbimages

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.