Nico Rosberg: Sein Leben in Bildern

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Formel 1: Nico Rosberg im Exklusivinterview

— 10.09.2015

Ich bin nicht langsamer geworden!

Im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT spricht Nico Rosberg über seine WM-Chancen, das Duell mit Lewis Hamilton und die Pirelli-Reifen.

Herr Rosberg, eben noch in Monza, jetzt schon wieder Sponsorenveranstaltungen und Interviewtermine. Hand auf’s Herz: Wie sehr nerven solche Verpflichtungen nach einem anstrengenden und vor allem enttäuschenden Rennwochenende?

Nico Rosberg: Ach, ich mache sowas gerne. Und so ein Interview mit euch sowieso. Das könnt ihr gerne reinschreiben: AUTO BILD war einer meiner ersten Sponsoren 2002 – also vor 13 Jahren. Das habe ich euch nicht vergessen und bin heute noch sehr dankbar dafür!

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Das freut uns natürlich zu hören! Genauso wie die Tatsache, dass Sie ihre gute Laune offenbar trotz der Motorenprobleme in Monza nicht verloren haben...

Ja, wobei man dazu sagen muss, dass das erste Problem am Samstag ja kein Motorschaden war. Das war ein Defekt am Auto. Das Team musste den Motor aber deswegen austauschen, wodurch ich dann für das Rennen den alten Motor bekommen habe. Die letzten zwei Runden vor Schluss wollte er dann leider nicht mehr packen.

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Was ist ihnen durch den Kopf gegangen als ihr Motor explodiert ist?


Zuerst einmal ist so ein Rennwochenende ja sehr intensiv und lang. Die Arbeit war dann fast getan und ich hätte so zumindest noch halbwegs ein Paar Punkte mitgenommen. Bitter war vor allem: Ich hatte den Kampf mit Sebastian (Vettel; d. Red.) schon vor Augen. Es waren nur noch zwei Runden zu fahren. Das wäre natürlich genial gewesen, die Attacke auf Sebastian da nochmal zu starten. Die Chance, ihn noch zu packen, war da. Sie war klein und ich weiß natürlich nicht, ob ich es noch hinbekommen hätte - aber zu dem Zeitpunkt war ich schneller und hatte auch noch einige Reserven auf Lager. Deshalb war ich schon sehr enttäuscht, dass dieser Kampf jetzt nicht stattfinden kann und natürlich auch darüber, dass der dritte Platz ebenfalls weg ist.

Zumal ihr Teamkollege Lewis Hamilton einmal mehr gewonnen hat...

Ja, ich habe sofort nach dem Ausfall auch an den großen Abstand zu Lewis gedacht. Der Abstand sollte am Italien-Wochenende eigentlich wieder kleiner werden. Und jetzt war es der größte Sprung in die falsche Richtung an einem Wochenende überhaupt. Das kam dann als Enttäuschung noch hinzu.

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Ihr Rückstand beträgt immerhin schon 53 Zähler. Das sind selbst bei Ausfall ihres Konkurrenten mehr als zwei Siege. Und Doppelpunkte gibt es dieses Jahr auch nicht. Wie sehen Sie nun ihre Chancen in der WM?


Ich kann nur sagen: Aufgeben gibt’s bei mir nicht im Vokabular. Es geht immer weiter. 53 Punkte sind jetzt natürlich schon ein großer Abstand. Aber nun es ist halt so. Die Saison ist noch lang, also weiter geht’s!

In die zuletzt von Sebastian Vettel geäußerte Kritik an Pirelli stimmt Rosberg nicht mit ein

Zuletzt in Spa gab es viel Kritik für Pirelli, auch Sie waren von einem Reifenplatzer bei Höchstgeschwindigkeit betroffen. Wie schätzen Sie nun nach Monza die aktuelle Lage an der Reifen-Front ein?


Man muss das nicht übertreiben. Die Pirelli-Reifen sind gut und sorgen für guten Sport. Dass Reifen mal kaputtgehen, wird es immer geben, denn sie sind aus Gummi und manchmal liegen eben Karbonstücke auf dem Boden. Da darf man auch kein zu großes Ding draus machen. Zumal man in Monza ja gesehen hat, dass alles wieder in Ordnung war. Alle Reifen haben ohne jegliche Probleme gehalten. Daher ist das Thema jetzt eigentlich wieder gegessen.
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Eigentlich?

Es waren halt unglückliche Umstände in Spa, dass es dort so gekommen ist. Trotzdem müssen die bei Pirelli natürlich auch immer weiterschauen und verbessern. Vielleicht kann man mit der heutigen Technologie noch ein bisschen mehr gegen solche Reifenplatzer machen? Es handelt sich dabei um einen Prozess, der unter den Punkt Formel-1-Sicherheit fällt. Da müssen alle immer weiter pushen, lernen und schauen, ob man nicht doch noch bisschen was besser machen kann. Aber das passiert ja zum Glück auch.

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Wie bewerten Sie die Aufregung um die Reifendrücke im Anschluss an den Italien GP?


Monza ist eben ein Hochgeschwindigkeitskurs. Pirelli gibt uns für jede Strecke Richtwerte vor, an die wir uns halten müssen, um die maximale Sicherheit zu garantieren. In dieser Norm müssen alle Teams drinbleiben. In Monza war das ein etwas höherer Luftdruck, einfach um es ein bisschen sicherer zu machen. Das war aber nichts Außergewöhnliches und ist auch in der Vergangenheit schon immer so gewesen. Allerdings muss man das auch machen, weil den Teams sonst alles egal ist. Wenn es mit absolut niedrigem Luftdruck, wo dann ein hohes Risiko besteht, schneller ist, dann fahren die Teams das. Das nehmen sie dann in Kauf. Deswegen muss man schon wirklich solche Richtlinien vorgeben.

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Pressestimmen zum Italien GP Pressestimmen zum Italien GP Pressestimmen zum Italien GP
Ist so ein Druckunterschied, von 0,3 PSI wie bei Hamilton oder 1,1 PSI bei ihrem Auto, denn wirklich spürbar?


Ja, man hat dann eben ein bisschen mehr oder weniger Grip.

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Etwas mehr als ein Jahr liegt es nun zurück, dass Sie mit ihrem Teamkollegen beim Belgien GP kollidiert sind. Was hat sich in ihrem teaminternen Duell in diesem Zeitraum verändert?


Ich denke ehrlich gesagt gar nicht mehr an diesen Zusammenstoß. Es war damals eine harte Phase, aus der ich auch einiges gelernt habe. Diese Sachen habe ich mit auf den Weg genommen. Aber das war’s dann auch. Heute kommt das bei mir in den Gedanken gar nicht mehr vor.

Vergangene Saison war das Qualifying ihre Domäne, 12-7 haben Sie Hamilton da geschlagen. Dieses Jahr gräbt ihr Teamkollegen ihnen in dieser Disziplin klar das Wasser ab. 11-1 steht es aktuell für ihn. Was hat sich verändert?

Wenn ich das wüsste... keine Ahnung. Ich habe dieses Jahr meinen Fokus auf jeden Fall mehr auf den Rennspeed und die Fahrzeugperformance am Sonntag gerichtet. Da läuft es auch deutlich besser. Ich habe diese Saison immer guten Rennspeed gehabt. Wenn ich vorne war, habe ich auch gewinnen können - wenn ich hinten war, habe ich das ganze Rennen über Druck machen können und war immer nah dran. Mit dieser Verbesserung bin ich also echt zufrieden. Aber es stimmt: Das Qualifying ist schlechter geworden - im Vergleich zu Lewis. Denn im Vergleich zu mir selbst würde ich das nicht unbedingt sagen. Ich bin überzeugt, dass ich jetzt nicht langsamer geworden bin. Aber ich kann nicht erklären, warum er dieses Jahr fast immer vorne war. In Monza zum Beispiel war ich echt wieder richtig gut unterwegs, konnte es wegen des Motors aber nicht zeigen, weil ich da einiges an Leistung verloren habe.

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Haben Sie mitbekommen, wie laut es auf den Tribünen in Monza wurde, als Sie am Sonntag ausgerollt sind und damit Vettels zweiter Platz quasi in trockenen Tüchern war?


Ne, da bin ich gerade aus meinem brennenden Auto ausgestiegen... Aber allgemein muss man sagen, dass die Stimmung in Monza trotzdem wieder super und wie immer das ganze Wochenende über toll war.
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Sie haben auch viele Freunde in Italien. Reizt es Sie vor dem Hintergrund dieser Emotionen, die Ferrari und die Tifosi freisetzen, eines Tages auch mal für die Scuderia zu fahren?

Da denke ich nicht drüber nach. Ich fühle mich total wohl im Silberpfeil. Es ist gigantisch diese Rennsportgeschichte weiterzuführen und somit selbst ein Teil der Silberpfeil-Legende zu werden.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / Twitter

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