Formel 1: Rosberg-Ehrenrunden in Monaco

Formel 1: Nico Rosberg im Interview

„Als Teamchef würde ich Lewis verpflichten“

Nico Rosberg spricht im großen Interview über die Saison 2018, die beste Fahrerpaarung und was er sich von der Zukunft der Formel 1 erhofft.
Herr Rosberg, wie gefällt ihnen die Saison 2018 bisher?
Nico Rosberg: Großartig! Wir kommen hier nach Monaco und niemand weiß, wer gewinnen wird. Es gibt drei Teams, die um den Sieg kämpfen. Das ist wirklich cool und genau das, was der Sport braucht. 
Sind Sie überrascht, dass Ferrari so nah dran ist an Mercedes?

Rosberg posiert vor dem Auto von Nachfolger Bottas

Sehr überrascht - weil ich weiß, wie unglaublich Mercedes ist. Ich dachte, Ferrari hat letztes Jahr mit den neuen Regeln einfach einige Dinge richtig gemacht. Mercedes hatte letztes Jahr ein paar offensichtliche Probleme. Ich dachte aber auch, die sortieren sie aus und mit der Zeit und der Weiterentwicklung fahren sie den Gegnern wieder komplett davon. Deswegen bin ich sehr überrascht, dass Ferrari im Moment generell das bessere Auto hat.
Wer hat denn aktuell die beste Fahrerpaarung?
Das ist keine einfache Frage. Kimi (Räikkönen; d. Red.) erlebt zum Beispiel gerade ein Comeback. Deswegen setze ich hier am Monaco-Wochenende auch mein Geld auf ihn - er war hier letztes Jahr immerhin auf Pole. 
Wenn Sie Teamchef wären, welche zwei Fahrer würden Sie verpflichten?

Ricciardo empfiehlt Rosberg die Räikkönen-Nachfolge

Wenn ich Teamchef wäre, würde ich Lewis wählen. Daneben vielleicht Valtteri. Mit ihm klappt es doch gut bei Mercedes. Wenn man beispielsweise Daniel (Ricciardo; d. Red) neben Lewis setzt; wer weiß, ob das so glatt läuft? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es da Komplikationen geben kann (schmunzelt). Ich finde, Daniel sollte zu Ferrari gehen. Mit ihm und Seb (Vettel; d. Red.) hat es bei Red Bull ein Jahr (2014; d. Red.) gut geklappt. Ich bin nur nicht sicher, ob Seb so happy wäre, wenn Daniel kommt. Weil er damals schneller war. 
Hat ihr Mercedes-Nachfolger Valtteri Bottas Sie jemals nach Rat gefragt, wie er Lewis schlagen kann?
Nein, nie. Aber das braucht er auch nicht. Lewis zu bezwingen, ist immer eine gewaltige Aufgabe. Aber Valtteri macht es gut. Im letzten Qualifying war der Unterschied zwischen beiden vier Hundertstel - er ist also dran.

Formel 1: Die besten Bilder vom Monaco GP

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Bernie Ecclestone hat zuletzt Lewis Hamiltons Motivation in Frage gestellt. Wie sehen Sie das?
Also wenn ich mir das Wochenende in Barcelona anschaue, dann habe ich Lewis so gut wie immer gesehen.
Kann es nicht sein, dass Lewis sieht, wie sie ihr Leben nach dem Rücktritt aus der Formel 1 zurückbekommen haben - und er seines vielleicht auch wiederhaben möchte?

Das Verhältnis zu Hamilton war nicht immer einfach

So kann man das nicht wirklich sagen: Ich hatte mein Leben ja immer, aber nun ist es eben ein anderer Ansatz: mehr Freiheit, mehr Kontrolle über meine Zeit. Ich bin sehr glücklich, aber jeder Mensch ist anders. Deswegen kann mich nicht in Lewis' Kopf versetzen. Wenn er jetzt noch fährt, heißt das, dass er happy mit dem ist, was er tut. 
Sie fördern neuerdings auch den Nachwuchs, haben kürzlich ihr eigenes Nachwuchsprogramm im Kartsport vorgestellt. Warum?
Ich liebe Racing. Ich bin immer von Talenten fasziniert und habe großen Respekt davor, wenn sich jemand den Weg nach oben bahnt.
Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der Formel 1 aus? Dieses Wochenende feiert zum Beispiel Charles Leclerc seine Monaco-Premiere...

Mehr Zeit für Hobbies: Rosberg beim Fußballspielen

Er ist ein toller Fahrer. Für Monaco ist das großartig. Ich bin überzeugt, er hat das Potenzial eines Tages Weltmeister zu werden. Spezielle Fahrer schaffen es, die Magie auch rüberzubringen, selbst wenn sie kein gutes Auto haben. Das hat man bei ihm in den letzten zwei Rennen (Punkte in Baku und Barcelona; d. Red.) auch sehen können.
Stichwort Fahrer: Sind Sie noch als Manager von Robert Kubica tätig?
Unsere Übereinkunft bestand darin, Ende letzten Jahres einen Platz für dieses Jahr zu finden und den Schritt zurück in die F1 zu schaffen. Das war ein Teilerfolg, denn er ist jetzt hier (als Testfahrer bei Williams, d. Red.). Im Moment gibt es keine weiteren Neuigkeiten. Wir werden sehen, ob es den nächsten Schritt gibt. Aber wir sind Freunde und werden das weiterhin diskutieren.
Wie beurteilen Sie die Arbeit der neuen F1-Besitzer von Liberty Media?
Liberty macht einen guten Job. Sie wissen, wie Entertainment geht und versuchen das mit reinzubringen. Sie sprechen junge Leute an, mit Musik zum Beispiel. Das sind alles gute Ansätze. Aber es ändert noch nichts am Kernproblem, an dem sie zwar auch arbeiten, das aber viel schwerer zu lösen ist...
Und das ist?

Genießt die neue Freiheit: Rosberg mit Frau Vivian

Die Kosten und das Überholen. Die Kosten müssen runter. Und die Aerodynamik spielt im Moment eine viel zu große Rolle. Es ist für den Hinterherfahrenden schwerer zu folgen denn je. Das ist der Schlüssel, denn das wollen die Fans doch sehen. Wir brauchen die Zweikämpfe und tolle Rad-an-Rad-Duelle. Ich habe mir bei den Demo-Runden in Monaco das Auto meines Vaters (von 1982; d. Red.) angeschaut. Damals hat man komplett auf Ground-Effect gesetzt, die ganze Aero spielte sich unter dem Auto ab. Und die Fahrer konnten dem Vordermann damit bis ins Getriebe folgen! In diese Richtung müssen wir auch wieder gehen. Ich hoffe, dass das spätestens 2021 so ist.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach, Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / Nico Rosberg

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