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Formel 1: Nico Rosberg im Interview

— 07.09.2014

Heute ist es schiefgelaufen

Nico Rosbergs Verbremser entschied den Italien GP zu Gunsten von Lewis Hamilton. Der Deutsche stellt sich im großen Interview allen Fragen zum Rennen in Monza.

Herr Rosberg, zweimal haben Sie sich heute in der ersten Kurve verbremst. Beim zweiten Mal hat Sie das den Sieg gekostet. Was war da los?

Nico Rosberg: Naja, es ist so: Ich kann diese Kurve dann schon noch kriegen, kein Problem. Aber man kann das im Training an der Stelle ausprobieren: Wenn ich die Kurve noch nehme, obwohl ich mich verbremse, ist mein Reifen danach kaputt... vor allem wenn der Verbremser so früh ist. Wenn er später einsetzt, kein Problem. Aber zu früh und man hat noch eine viel zu hohe Last auf dem Rad. Wenn man anschließend mit dem Reifensatz noch lange fahren muss, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Reifen das nicht mitmacht, ich einen zweiten Stopp einlegen muss und noch mehr Zeit und Plätze verliere. Deswegen habe ich entschieden, dass ich geradeaus durch den Notausgang fahre.

Wie fällt man im Bruchteil einer Sekunde die Entscheidung, was jetzt das Richtige in der Situation ist?

Die entscheidende Szene in Monza anno 2014: Rosberg verbremst sich unter Druck von Hamilton

Ich musste schon im Training ein Run deswegen abbrechen und in Spa zuletzt ist mir das mit dem Bremsplatten auch passiert. Also bin ich instinktiv geradeaus weiter. Ich wusste auch zu dem Zeitpunkt nicht, ob ich meine Position dadurch überhaupt verliere. Habe ich aber leider und es war natürlich auch mein Fehler. Nur kam Lewis sehr schnell von hinten, deshalb musste ich meine Pace erhöhen, weil er schon ins DRS-Fenster kam.

Gibt es eine Erklärung, warum Hamilton das ganze Wochenende über schneller war?

Das hier ist eine Bremsstrecke und das Bremsen ist das eine Thema, womit ich mich schon das ganze Jahr über nicht wohlfühle. Die Bremsen liegen mir einfach nicht. Sie variieren während des Bremsvorgans und daher ist es sehr schwer, da ein Gefühl für zu entwickeln. Durch Lewis’ Bremsversagen in Hockenheim mussten wir jetzt noch länger auf diesen Bremsen bleiben, denn dort hatte wir neue Sachen zum Versuchen. Wegen seines Defekts mussten wir nun wieder zurückrüsten.

Ihr Motorsportchef Toto Wolff sagt mit Blick auf den heutigen Ausrutscher, dass am Auto jedenfalls kein mechanisches Problem war.

Nein. Alles war normal.

Und er sagt auch, dass es so gar nicht Nico-like war, so einen Fehler zweimal an der gleichen Stelle zu machen.

Slalom durch den Notausgang: Rosberg verlor seine Führung beim Italien GP neben der Piste

(schmunzelt) Bin ich auch der Meinung! Es ist aber Fakt, dass Lewis sehr schnell hinter mir war. Und es ist auch Fakt, dass ich dann schneller fahren muss sonst kriege ich Probleme. Das habe ich versucht. Ich musste mehr Risiko gehen und später bremsen. Das ist zwar eine simple aber auch sehr genaue und richtige Erklärung. Ich habe bewusst versucht noch bisschen etwas zu finden und das ist eben schiefgegangen.

Sie hatten ihr Team bereits zuvor am Funk gebeten, ihnen die Abstände zu Hamilton nicht mehr mitzuteilen. Warum?

Weil ich ja im Rückspiegel sehe wo er ist. Da brauche ich keine Abstände mehr.

Wir kommen langsam in die heiße Phase der WM. Wie intensiv sind solche Duelle wie das heute?

Generell gefällt mir diese Art des Kampfes in diesem Sport. Klar ist es auch mal schön, Rennen zu haben wie Hockenheim dieses Jahr, wo man ganz entspannt vorne wegfährt, noch dazu vor Heimpublikum. Aber generell liegen mir solche intensiven Duelle, auch dieser Kampf mit Lewis. Das ist eine Herausforderung und natürlich auch Nervenkitzel, wenn der Teamkollege von hinten angeflogen kommt, im Spiegel immer größer wird und es dabei um den Sieg in Monza geht!

Umso größer ist dann natürlich auch die Enttäuschung, wenn es schiefgeht. Was war ihr Gedanke, als Sie merkten, Sie verbremsen sich erneut?

Kalte Dusche nach der kalten Dusche: Die Mercedes-Stars Rosberg & Hamilton feiern auf dem Monza-Podest

Scheiße! Aber ich war mir da noch nicht sicher, ob ich den Platz verliere. Dafür hat dieser Slalomkurs dann allerdings gesorgt und somit ist es heute natürlich schrecklich gelaufen und sehr enttäuschend. Es ist nie einfach, sich zu verbremsen und so die Führung zu verlieren. Ich hätte auch gerne noch weiter auf der Strecke gekämpft und geguckt, ob ich vorne bleiben kann. Nichts desto trotz gibt es aber auch positive Sachen am heutigen Tag und ich habe mich gleich im Anschluss an das Rennen dazu gezwungen, auch daran zu denken. Sich jetzt in ein dunkles Loch zu verkriechen bringt nichts. Das Ergebnis ist auch kein Desaster, denn es hätte viel schlimmer kommen können. Jetzt habe ich halt sieben Punkte verloren. Für das Team ist es aber ein toller Tag, denn mit dem Auto, das wir haben, muss man eigentlich immer Doppelsiege einfahren. Trotzdem ist uns das zuletzt im Juni (in Österreich; d. Red.) gelungen. Und für das Team war das nach diesen ungünstigen Komplikationen zuletzt in Spa einfach wichtig und es hilft sicher auch, da nun einen Strich drunter zu ziehen.

Wie ist denn das Verhältnis zu Hamilton im Moment? Haben Sie ihm nach dem Rennen gratuliert... anders als er beispielsweise ihnen in Monaco?

Natürlich habe ich gratuliert. Das ist doch ganz normal und wichtig. Heute und gestern nach dem Quali auch schon, denn das gehört sich so und es gibt auch keinen Grund, es nicht zu machen. Die Stärke, die wir immer haben, ist diese Basis noch von damals im Go-Kart. Das hört sich immer doof an, aber es ist mit ihm eben schon anders. Damals waren wir noch Kinder, haben das aber auch alles schon durchlebt. Es ist einfach eine Basis, die einen immer wieder bisschen zusammenbringt. Man redet dann und danach geht es weiter. Das war ja schon das ganze Jahr so: Wir haben so viele Diskussionen gehabt und es geht immer wieder weiter.

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Wie wirkt sich das auf die Arbeit mit dem Team aus?


Was das betrifft, genieße ich die aktuelle Zeit mehr denn je seitdem ich in diesem Sport bin, weil ich jedes Wochenende wenn ich zur Strecke komme weiß, dass ich ein Auto habe, mit dem ich auf Pole fahren und gewinnen kann. Das ist so eine besondere Erfahrung. Eine Menge Zuversicht kommt auch daher, dass wir überall so dominant sind. Das ist immer noch sehr beeindruckend und Gott sei Dank seit Jahresbeginn so geblieben.

Fahren Sie jetzt denn anders als am Anfang der Saison, weil es um die WM geht?

Trotz Platz zwei: Beim offiziellen Siegerfoto des Teams hatte Rosberg sein Lachen schon wiedergefunden

Nicht wirklich. Die Herangehensweise hat sich nicht geändert. Ich konzentriere mich nur auf mich und momentan fahre ich nicht auf sicher sondern auf Sieg. Ich war hier, um zu gewinnen und habe nur aktuell an Monza gedacht. Auch wenn hier nicht alles ideal lief, aber das ist das Herangehen. Und jetzt ist Monza abgehakt und ich freue mich wieder auf Singapur. Da fahre ich genauso hin, um zu gewinnen und nicht nur für ein paar Punkte. Außerdem freue ich mich auf die Strecke. Die ist toll und wir fahren bei Nacht, das ist auch ziemlich cool. Letztes Jahr war ich dort gut. Im Qualifying war ich Zweiter und nur Sebastian (Vettel; d. Red.) vor mir. Deshalb reise ich da mit gutem Gefühl an und wenn es nach mir geht, könnte das Rennen gerne schon morgen sein.

Autoren: Frederik Hackbarth, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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