Nico Rosberg

Formel 1: Nico Rosberg im Interview

— 16.03.2016

„Als hätte es Klick gemacht“

Nico Rosberg spricht vor dem Formel-1-Saisonstart im Interview über seine jüngste Siegesserie, Lewis Hamilton und die eigene Familie als Kraftquelle.

Die Deutschen vor dem Saisonauftakt - Teil 3: Nico Rosberg im Interview mit dem SPORT-BILD-Sonderheft Motorsport:

Herr Rosberg, wie wichtig ist es für Ihr Selbstwertgefühl, die letzten drei Rennen 2015 so souverän gewonnen zu haben?

Nico Rosberg (30): Sehr wichtig. Weil ich besonders mir selbst zeigen konnte, dass ich alle schlagen kann. Deshalb ist mein Ziel klar: Diese Saison soll genauso anfangen, wie die letzte aufgehört hat.

Mit einem Unterschied: Ihr Teamkollege Lewis Hamilton dürfte wieder motivierter sein. Kritische Stimmen behaupten nämlich, Sie hätten ihn nur geschlagen, weil er nach dem vorzeitigen Titelgewinn nicht mehr so angriffslustig war.

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Das sehe ich anders. Alle von uns wollen gewinnen, jedes Rennen. Egal, was vorher war. Ich habe gewonnen, weil ich stark war und nicht der andere schwach.

Das heißt für 2016?

Dass ich wieder gewinnen kann.

Wie würden Sie Ihr Erfolgsgeheimnis beschreiben?

2014 war ich im Qualifying stark, konnte im Rennen aber nicht immer das Maximum geben. 2015 war ich stärker im Rennen, verlor aber in der ersten Hälfte der Saison die meisten Qualifying-Duelle. Dadurch war ich nach dem Start meist schon hinten. Und dann war es fast unmöglich, noch zu gewinnen. Ab Mexiko brachte ich eben alles zusammen. Ich gewann die Trainings, die Starts und kontrollierte die Rennen von vorn.

Hört sich einfach an.

Keine One-Man-Show: Rosberg schwört auf Teamwork

Wenn du das beste Auto hast und das Maximum herausholen kannst, ist es tatsächlich so einfach. Ich weiß jetzt, wie es geht.

Müssen Sie egoistischer werden innerhalb des Teams? So wie Hamilton?

Um in unserem Sport auf dieses Level zu kommen, brauchst du den Biss. Wir werden dafür bezahlt, um zu gewinnen. Ich gehe weiter meinen Weg. Formel-1-Piloten sind aber auch ein Teil eines großen Teams. Du kannst nur mit einem sehr guten Auto gewinnen. Das Ziel muss es deshalb sein, zusammen dafür zu sorgen, dass man das beste Auto hat.

Es gibt Leute, die sagen, Sie würden zu sehr Familienmensch sein, um auf der Strecke das letzte Quäntchen aus sich herausholen zu können.

Privat ist Rosberg ruhiger - vor allem als Hamilton

Das sehe ich anders. Roter Teppich, eine Party hier, dort eine Gala, das alles brauche ich nicht immer. Ich mag es auch hin und wieder. Aber das Wichtigste ist für mich: Um Erfolg zu haben, muss man wissen, welches Leben für einen das Beste ist. Und da hat das Private natürlich einen enormen Einfluss. Ich bin so glücklich wie nie im privaten Bereich. Deshalb bin ich an der Strecke immer in der Balance und habe einen freien Kopf. Meine Frau Vivian, meine Tochter Alaïa und diese Kontinuität in meinem Leben, die damit einhergeht, sind für mich eine große Kraftquelle.

Stehen Sie lieber hinter dem Herd als auf der Tanzfläche?

Ich kann es natürlich auch mal richtig krachen lassen. Aber nur zu besonderen Anlässen. Zum Beispiel, um große Siege gebührend zu würdigen wie in Monaco oder Mexiko vergangenes Jahr. Oder große Enttäuschungen schnell zu verdrängen. Wie in Austin. Dort habe ich die WM verloren und war am Boden zerstört. Aber nur kurz.

Wie kurz?

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Noch in der gleichen Nacht habe ich mit dem Team in einer Piano-Bar Karaoke gesungen. Ich habe viele tiefe Bindungen in diesem Team, ich bin von Tag eins an dabei. Es ist nicht immer alles Glanz und Gloria, aber mit dieser tollen Truppe ist schnell auch wieder ein Thema zum Lachen gefunden. Und danach geht es mir wieder besser. Da sieht man, wie extrem vergänglich Sieg und Niederlage sind. In der Woche mit Austin und Mexiko habe ich alle Extreme mitgemacht. Da passt der Vergleich mit Rocky wieder gut: Ich war am Boden, dachte mir, so geht es nicht weiter, habe mich mit harter Arbeit zurückgekämpft und war bis zum Jahresende unschlagbar – auch für meinen Kollegen Lewis.

Nach Austin kamen Sie in der Tat wie verändert zurück...

...in harten Momenten lerne und wachse ich natürlich am meisten.

Wie das?

Als hätte es irgendwie Klick gemacht. Das kann man nur schwer erklären. Danach lief alles wie am Schnürchen.

Versuchen Sie es, bitte!

Spaß vor dem Interview: Rosberg & die ABMS-Reporter

Es sind die entscheidenden Nuancen, die sich ändern. Das ganze Jahr lief bis dahin oft gegen mich. Gegen Lewis ist es immer verdammt eng. Da reicht es, wenn das Pendel nur ein wenig in seine Richtung ausschlägt in Sachen Haltbarkeit des Autos, mir ein paar Hundert­stelsekunden im Qualifying fehlen oder auch im Renngeschehen wie in Budapest. Ich habe seit Russland konstant meine Leistung gebracht und auch die nötigen guten Momente auf meiner Seite gehabt, ausgenommen Austin. Das war nicht mehr Glück, sondern harte, konzentrierte Arbeit. Grundsätzlich bin ich nur zufrieden, wenn ich auf allen Ebenen hundert Prozent bringe. Wenn es nicht reicht, kann ich abends trotzdem in den Spiegel schauen und zufrieden sein. Dann hat mein Maximum eben nicht gereicht.

Das ganze Interview mit Nico Rosberg lesen Sie im SPORT-BILD-Sonderheft zur Formel 1 - jetzt am Kiosk erhältlich!

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Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance / ABMS

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