Mercedes

Formel 1: Paddy Lowe im Interview

— 01.07.2014

Jetzt spricht der Mercedes-Technikchef

Als Technikchef des Teams, das die F1 aktuell nach Belieben dominiert, hat Paddy Lowe derzeit einen Traumjob. AUTO BILD MOTORSPORT nahm ihn ins Kreuzverhör.

Herr Lowe, dürfen wir schon zum Titel gratulieren?

Paddy Lowe: Die Formel 1 ist ein kompliziertes Business und wir haben noch nicht mal die Hälfte der Rennen absolviert. Wir haben ein sehr gutes Auto, das auch noch ein paar Rennen dominieren wird. Aber man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Also: Nein!

Ihr Motor ist der beste im Feld. Würden die Silberpfeile auch ohne den Monster-Antrieb siegen?

Man kann die Performance von Chassis und Motor nicht trennen. Warum? Mit dem besten Motor kommst du schneller in die Kurve. Das heißt, du musst stärker verzögern und beanspruchst auch den Reifen stärker, bevor du überhaupt in der Kurvenmitte angelangt bist. Gleiches gilt fürs Beschleunigen. Das Chassis muss da mitmachen. Und dass wir bislang auf jeder Art von Kurs gewinnen konnten, zeigt, dass auch das Auto richtig gut sein muss.

Inwiefern ist das ein Resultat der engen Verzahnung zwischen Chassis- und Motorfabrik?

Der Dirigent: Paddy Lowe behält am Kommandostand immer den Überblick

Das ist unser Extra-Bonus und es hat ganz sicher dazu beigetragen, dass unser Gesamtpaket das Beste ist. Das Verpacken des Motors, der Kabel und der Nebenaggregate ist momentan das größte Thema. Wir bringen immer mehr Teile innerhalb des Autos unter und werden trotzdem kleiner und windschlüpfriger. Das haben wir durch die enge Zusammenarbeit unserer beiden Fabriken erreicht. Auch ich persönlich sehe Andy (Cowell, Motorchef; d. Red.) zum Beispiel zwei bis dreimal die Woche.

Sie sind Mitte vergangenen Jahres zum Team gestoßen. Wie viel haben Sie selbst zum Erfolg beigetragen?

Ich sehe meine Aufgabe darin, dass das Team den Fokus behält und das Auto in die richtige Richtung entwickelt. Ross Brawn hat das Team dorthin gebracht, wo es jetzt ist. Meine Aufgabe ist es jetzt – zusammen mit Toto –, dass die Mannschaft so gut aufgestellt bleibt.

Bei Williams und McLaren haben Sie auch schon mit Adrian Newey zusammengearbeitet...

In der Tat. Er war eines meiner Vorbilder, wie auch Ross Brawn, Patrick Head, Frank Dernie, Martin Whitmarsh und Ron Dennis. Von ihnen habe ich versucht mir etwas abzuschauen und zu übernehmen.

Aber auch Mercedes ist nicht neu für Sie...

Lewis Hamilton kennt Lowe schon aus der gemeinsamen Zeit bei McLaren bestens

Stimmt. In meinen Augen arbeite ich schon seit 1995 für Mercedes (seitdem beliefern die Stuttgarter McLaren; d. Red.). Ich kenne die Mercedes-Welt und fühle mich trotz meiner relativ kurzen Zeit im Team längst als vollwertiges Familienmitglied. Und auch die Zusammenarbeit mit Andy Cowell funktioniert deshalb so gut. Er war schon Technischer Direktor bei Mercedes als ich noch bei McLaren war.

Weil Ihr Auto so überlegen ist, hat sich der teaminterne Zweikampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton zum WM-Duell ausgeweitet. Vergleichen Sie die Technik der beiden!

Ihr Fahrstil ist nicht dramatisch verschieden. Beide fahren mit ähnlichen Set-Ups und haben auch dieselben Vorlieben, was die Entwicklung des Autos angeht. Allerdings haben sie ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und Herangehensweisen. Nico interessiert sich sehr für die technische und organisatorische Seite, liest Managementbücher. Außerhalb der Strecke mag Lewis Musik und Popkultur. Es ist äußerst spannend, wie zwei Fahrer so konträr an den Sport herangehen können und am Ende fast dieselben Resultate dabei herauskommen. Beide haben dieselbe Chance auf den Titel.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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