Hamilton

Formel 1: Pechvogel Hamilton?

— 05.10.2016

Ursache für Mercedes-Platzer steht fest

Hamilton musste in Malaysia einen bitteren Ausfall verkraften. Doch der Brite will schon in Japan wieder zurückschlagen. Für wen spricht die Pannenstatistik?

Fünf Tage nach dem Motorschaden von Lewis Hamilton in Malaysia hat Mercedes die Ursache des Platzers herausgefunden. Die Analyse des Antriebs daheim in der Fabrik in Brackley offenbarte einen Kurbelwellenlagerschaden. Der Defekt im Motorblock passierte nach Angaben des Teams ohne Vorwarnung nach 618 Kilometern Laufleistung und wurde begleitet von einem heftigen Öldruckverlust in Kurve 15. Die Kurbelwellenlager werden von Mercedes selbst in der Motorenschmiede in Brixworth gebaut.

Hamiltons Mercedes steht dampfend am Streckenrand

In Japan wird Mercedes an diesem Wochenende mit einer konservativeren Motorenöl-Spezifikation an den Start gehen. Hamilton greift auf sein Triebwerk aus Singapur zurück, Rosberg bleibt beim Malaysia-Motor. Die fünf neuen Motoren, die für Mercedes-Kundenteams geplant waren, werden erst einmal zurückgestellt. Die jeweiligen Fahrer starten weiter mit ihren Antriebseinheiten aus Malaysia.

Aber: Ist Hamilton wirklich der große Pechvogel der Formel 1? Fakt ist: Seine Pannenstatistik ist 2016 wirklich beachtlich: Startplatz 22 in China wegen eines defekten Elektromotors im Qualifying. Dasselbe Problem ein Rennen danach in Russland hatte Startplatz zehn zur Folge. In Belgien musste er wieder von ganz hinten losfahren, weil Mercedes die sechste Motoreinheit einbauen musste. Nur fünf sind pro Jahr und Fahrer erlaubt. In Singapur verhinderten Hydraulik- und Aufhängungsprobleme wertvolle Trainingszeit, die ihm auch im Quali und Rennen Performance kosteten. Und jetzt in Malaysia der Motorschaden.

Und bei Nico Rosberg? Der verlor in Silverstone Rang zwei durch ein Problem mit dem Getriebe, wurde aber noch Dritter. Und in Monaco bekam er im Regen die Bremsen nicht auf Temperatur, kam über Platz sieben nicht hinaus.

Pressestimmen Singapur GP

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Von einer Verschwörung gegen Hamilton kann aber nicht die Rede sein. Der 31-Jährige ist der Weltmeister mit der geringsten Ausfallquote: Nur in 12,57% seiner Rennen schied er aus. Selbstverschuldete Zwischenfälle mit eingerechnet. Auf Platz zwei und drei liegen Sebastian Vettel und Fernando Alonso, also auch zwei Champions der modernen Formel 1, in der Ausfälle selten geworden sind. Nico Rosbergs Quote liegt bei 13,93%, ist also auch nur unweigerlich schlechter.

Zum Vergleich: Nigel Mansell sah in 89 seiner Grand Prix nicht die Zielflagge. Hamiltons Chef Niki Lauda in 80, genauso wie Nelson Piquet. Jochen Rindt schied sogar in mehr als jedem zweiten Rennen aus: Mit einer Ausfallquote von 58,33% belegt er den letzten Platz unter den Weltmeistern.

Und auch das direkte Duell mit Rosberg sieht nicht so schlecht aus: Seit sie 2013 gemeinsam bei Mercedes fahren, schied der Deutsche acht Mal mit einem technischen Versagen aus (inkl. des Elektronikproblems von Abu Dhabi 2014, wo Rosberg 14. wurde), Hamilton nur vier Mal.

Lewis Hamilton hat eine schwere Aufgabe vor sich

Zwar hatte Hamilton viel öfter als Rosberg Probleme im Qualifying, aber: Mit dem bärenstarken Silberpfeil lassen sich schlechte Ausgangslagen noch immer in gute Punktplatzierungen umwandeln. Beispiel 2016: In China kam er von Rang 22 noch auf sieben, in Belgien von 22 sogar noch auf Platz drei.

Soweit die Zahlen. Wichtiger sind die Handlungen. Und da sinnt Hamilton auf Revanche: „Ich kann Negatives in Positives umwandeln, wenn es zählt. Es ist jetzt auch ein Test meines Willens, meines Geistes und meiner Persönlichkeit.“ Teamchef Paddy Lowe schilderte gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT die Szenen nach dem Ausfall: „Lewis sagte, 'jetzt schaffen wir es erst recht'. Der Kämpfer ist erwacht.“

Auch Rosberg fühlt sich trotz seiner 23 Punkte Vorsprung in der WM noch nicht sicher. „Lewis ist ein Kämpfer“, weiß der 31-Jährige. „Es ist auch nicht das erste Mal, dass er einen Rückschlag in seiner Motorsportkarriere verkraften musste. Er wird schon am Sonntag in Suzuka wieder versuchen, das Rennen zu gewinnen. Wie ich übrigens auch.“

Was für Hamilton spricht: Für Suzuka sind sowohl für Samstag, als auch für den Rennsonntag Regenfälle vorhergesagt...

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance / Getty Images

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