Formel-1-Pilot Justin Wilson

Formel-1-Pilot Justin Wilson

— 28.05.2003

Zu verkaufen: der Schumi von morgen

Anteile an dem Formel-1-Piloten Justin Wilson sind begehrt. Manager Jonathan Palmer jubelt schon: "Er wird ein Groverdiener."

Einnahmenbeteiligung bis 2012

Justin Wilson passt so gut in die Formel 1 wie ein Supertanker in den Duisburger Binnenhafen und das liegt nicht nur an seiner stattlichen Gre von 1,91 Meter. Der Fahrerneuling lsst in der PS-Branche ungewhnlich jeden Hang zum Luxus vermissen.

Whrend sich die Kollegen David Coulthard oder Jacques Villeneuve zwischen Testfahrten und jetzt wieder vor dem Grand Prix von Monaco am Sonntag (1. Juni 2003) auf ihren prachtvollen Yachten an der Cote d'Azur amsieren, geht Wilson in seiner Heimatstadt Northampton ins Schwimmbad. Seine Freizeit verbringt er nicht mit der Highsociety von Monaco oder in einem idyllischen Schweizer Chalet, sondern in einem britischen Reihenhaus mit alten Schulfreunden. "Ich brauche kein Boot und kein tolles Appartement in Monte Carlo", beteuert Justin Wilson. "Nicht als Statussymbol und nicht zum Glcklichsein."

Natrlich zwingt den 24-jhrigen Briten auch das fehlende Kleingeld zur Bodenstndigkeit. Seinen Platz im Minardi musste er sich fr 2,5 Millionen Dollar erkaufen, der Formel-3000-Meister ist auf Gnner angewiesen. Fr "meinen groen Traum" (Wilson) klgelten Manager Jonathan Palmer und Vater Keith Wilson eine Woche vor Saisonstart eine fixe Geschftsidee aus. Sie grndeten die Gesellschaft Justin Wilson PLC: Investoren knnen Anteilsscheine erwerben, dafr werden sie an Wilsons Einnahmen bis 2012 beteiligt, zehn Prozent werden ausgeschttet.

Palmer verspricht hohe Rendite. "Justin ist ein groes Talent mit hervorragenden Erfolgsaussichten." Palmer fuhr von 1983 bis 1989 selbst Formel 1, errang 14 WM-Punkte in 84 Rennen. Mittlerweile veranstaltet der 46-Jhrige Fahrsicherheitslehrgnge fr Gutbetuchte. Er sagt, er knne Formel 1 besser verkaufen, als er jemals gefahren sei: "Das Geld in Wilson ist sicherer angelegt als auf jeder Bank."

"Er wird ein Groverdiener"

Not machte Palmer erfinderisch. Die Rennstlle chzen 2003 besonders unter dem Verlust von Sponsoren. Der Wert der Werbeflchen sank bei den kleineren und mittleren Teams um durchschnittlich 30 Prozent. Minardi-Chef Paul Stoddart musste zugeben: "Wir haben drei, vier Sponsoren weniger als noch letzte Saison." Ein Platz am Cockpit ist nun fr seinen Fahrer reserviert: Invest in Wilson. "Mit seinem smarten Auftritt eignet sich Wilson als prima Werbetrger, auerdem hat er Talent", sagt Stoddart. Neben den anderen Neulingen Antonio Pizzonia (Jaguar), Ralph Firman (Jordan) und Cristiano da Matta (Toyota) schlgt sich Wilson beachtlich. In den sechs Rennen und den Trainingsduellen erzielte er bessere Ergebnisse als Teamkollege Jos Verstappen (31).

Erst der Anfang, glaubt Wilson-Manager Palmer. "Er wird in die Liga der Groverdiener aufsteigen." Palmer nennt Hausnummern: Michael Schumacher (Ferrari/35 Millionen Dollar), Ralf Schumacher (Williams/15 Millionen) oder Villeneuve (BAR/13 Millionen). In einer Branche, in der die exakten Fahrergehlter wie Staatsgeheimnisse gehtet werden, setzt der Formel-1-Verkufer auf Offensive. Palmer geht mit Wilsons Talent genauso hausieren wie mit dessen Vertragskonditionen. Minardi hat eine Option bis 2005, mit einer entsprechenden Ablse lsst sich Wilson loseisen: Eine Million Dollar im nchsten Jahr, zwei Millionen Dollar im Jahr darauf. Noch immer wollen Privatiers und Unternehmer ihr kleines Stck Formel 1, tglich kommen Anfragen nach einer Beteiligung an Justin Wilson per Fax ein, behauptet Palmer. "Das Modell schlug ein wie eine Bombe. Wir prfen alle Angebote auf ihre Seriositt und whlen dann aus."

Mit insgesamt 500.000 Dollar soll Wilson beliehen werden eine schwere Hypothek. Wie wird man mit dem Druck lungernder Glubiger fertig und damit, dass der Vater fr die Karriere des Filius das Eigenheim beliehen hat? Wilson sagt: "Im Kart bin ich als jngster gegen ltere gefahren. Das prgt. Ich musste mich immer durchsetzen." Ein Vorbild hat er. Fernando Alonso fuhr 2001 eine Saison auf Pump bei Minardi. Jetzt ist er ein Senkrechtstarter bei Renault und verdient sein erstes Fixgehalt: zwei Millionen Dollar.

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