Formel-1-Pilotentest

Formel-1-Pilotentest

— 10.06.2009

Button so gut wie Schumi

Formel-1-Experte und Ex-Weltmeister Niki Lauda hält viel auf Jenson Button. AUTO BILD MOTORSPORT hat die besten Formel-1-Fahrer der Gegenwart deshalb miteinander verglichen.

Jenson Button noch lange kein Michael Schumacher? Niki Lauda (60) fällt der ABMS-Reporterin ins Wort: "Natürlich hinkt der Vergleich mit einem siebenmaligen Weltmeister", gibt der RTL-Formel-1-Experte zu, "aber Button bringt im Moment wirklich Schumacher-artige Höchstleistungen. Er fährt absolut fehlerfrei und kontrolliert, so wie Michael in seinen besten Ferrari-Jahren." Lauda gerät förmlich ins Schwärmen. "Wenn Sie mich fragen, würde ich dem Jungen derzeit in jedem Fach eine eins geben. Besser kann man seine Leistung nicht abrufen. Und das hat auch nichts damit zu tun, dass er im derzeit besten Auto sitzt. Das macht er allein! Für mich ist er der absolut beste Fahrer in diesem Jahr – und der verdiente neue Weltmeister." Punkt. Aus. Ende der Diskussion.

Hoffnungsvoll: Sebastian Vettel ist mit 21 Jahren schon sehr weit.

Niki Lauda ist von dem britischen Stehaufmännchen überzeugt. Dennoch stellt sich die Frage: Ist Jenson Button, der bis 2009 in acht Jahren Formel 1 nur einen Sieg errungen hat, wirklich der stärkste Fahrer der Gegenwart? AUTO BILD MOTORSPORT vergleicht die fünf vermeintlich besten Formel-1-Stars der Neuzeit in den fünf wichtigsten Erfolgskategorien. Jenson Button (29) also, weil er unangefochtener WM-Führender ist. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel (21) als seinen stärksten Widersacher. McLaren-Pilot Lewis Hamilton (24) als amtierenden Weltmeister. Renault-Mann Fernando Alonso (27) als einzigen aktiven Doppelchampion. Und Schumi (40) als Messlatte. Denn der Kerpener glänzt in fast allen Kategorien mit der Höchstpunktzahl zehn.

1. Fahrerisches Können

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Die Messlatte: Sieben Mal gewann Michael Schumacher die Formel-1-WM.

Jenson Button:
"Wenn man Rubens (Barrichello, Buttons Teamkollege; d. Red.) als Referenz sieht", lobt Buttons Teamchef Ross Brawn, "dann ist Jenson sehr, sehr schnell. Denn immerhin war Rubens bei Ferrari ab und zu sogar besser als Michael." Tatsächlich zaubert der Brite derzeit eine Traumrunde nach der anderen aus dem Ärmel. Erntet von den Brawn-Ingenieuren das Lob, er habe im Cockpit noch genug Spielraum, um über Rennstrategien nachzudenken. Und schont mit seinem extrem weichen und runden Fahrstil das Material. Aber: Er musste sich bisher kaum in Zweikämpfen beweisen und machte Vettel bei dessen Regensieg in China fast schon zu brav Platz. • 9 Punkte
Sebastian Vettel: Fährt ähnlich locker wie Button, kommuniziert während eines Rennens ständig mit seinem Ingenieur und behält stets die Übersicht. Teamchef Horner vergleicht Vettels Fahrweise sogar mit "einer gemütlichen Spritztour an einem schönen Sonntagnachmittag." Extrem stark und ohne Angst in Zweikämpfen. Dadurch aber hohe Crashgefahr. Und: Der Deutsche driftet gern um die Kurven. Das strapaziert die Reifen. • 8 Punkte
Lewis Hamilton:
Keine Frage, dass Hamilton superschnell ist. Keiner überholt besser als er. Und in Regenrennen zeigt er wie Vettel seine Klasse. Doch sein auf Übersteuern ausgelegter Fahrstil killt Reifen und Bremsen. Fährt er nicht vorne mit, bleibt er Durchschnitt. 8 Punkte
Fernando Alonso: Das Rundum-Sorglos-Paket. Alonso fährt kontrolliert, materialschonend und bringt seine Leistung dann, wenn es nötig ist. Nutzt eiskalt jede Chance, die sich ihm bietet. Einzige Schwäche: Fährt oft zu defensiv. 9 Punkte
Michael Schumacher: Kultivierte den perfekten Fahrstil. Sein Spiel mit Gas und Bremse machte den Rekordchampion in Kurvenein- und -ausgang gleichermaßen schnell. Steckte in keinem Zweikampf zurück und konnte Rennen besser lesen als andere. 10 Punkte

2.Teamleader

­Button: Fürs Team sind seine Siege derzeit Motivation genug. Konnte bisher aber nie beweisen, dass er eine Mannschaft auch aus der Defensive zum Erfolg peitschen kann. • 8 Punkte
Vettel: Machte aus zwei Durchschnittsteams Siegermannschaften. Teamkollege Mark Webber lobt: "Dank seiner lockeren, aber fordernden Art arbeiten die Jungs extrem gerne und hart für ihn." 9 Punkte
Hamilton: Nur in Siegphasen ein guter Motivator. Brachte seine Mechaniker zuletzt sogar gegen sich auf, als er in der Lügenaffäre gegen McLaren wetterte. • 6 Punkte
Alonso: Ein Kumpeltyp, der stets den Nummer-1-Status fordert. Gibt auch in Tiefphasen nicht auf. 9 Punkte
Schumacher: War stets der uneingeschränkte Mittelpunkt seiner Mannschaften. Geliebt und respektiert zugleich. • 10 Punkte

3. Autoentwicklung

Der amtierende Formel-1-Meister: Lewis Hamilton schneidet im Vergleich am schlechtesten ab.

Button:
"Er spricht viel mit seinen Ingenieuren und verbessert so das Auto", lobt Teamchef Brawn. Aber: Button machte bisher aus keinem schlechten Auto ein gutes. Und er beklagt sich zu oft übers Setup. • 8 Punkte
­Vettel: Extrem technikinteressiert. Nimmt Daten sogar mit ins Hotel. Design-Guru Adrian Newey lobt: "Seine Aussagen sind sehr präzise." Nur die Erfahrung fehlt noch. 8 Punkte
Hamilton: Technikverständnis und Testen sind seine Schwäche. Hamilton ist einfach kein Entwicklungsfahrer. • 8 Punkte
Alonso: Macht aus Gurken Flitzer. Trug zur McLaren-Entwicklung 2007 in fünf Monaten mehr bei als Räikkönen in fünf Jahren. 9 Punkte
Schumacher: Glänzte nicht nur mit detaillierten Aussagen zum Fahrverhalten sondern machte auch konkrete Verbesserungsvorschläge. 10 Punkte

4. Fitness und Kondition

Doppel-Weltmeister: Der lahme Renault verdeckt das Potenzial des Fernando Alonso.

Button:
Bestimmte Muskelpartien kann man nur beim Fahren trainieren. Doch dazu kam Button im Winter kaum. Hat deshalb noch immer ein Muskel-, kein Fitnessdefizit. 8 Punkte
Vettel: Ist trotz seiner schmächtigen Figur topfit. Vettel läuft sogar morgens vorm Rennen noch. 9 Punkte
Hamilton: Muskelbepackter Sportfreak. Ist damit für die moderne Formel 1 aber eigentlich zu schwer. 8 Punkte
Alonso: Nahm über Winter so viel ab, dass er nach dem Hitzerennen in Bahrain fast umkippte. 6 Punkte
Schumacher: Prototyp des topfitten F1-Piloten. Kultivierte Fitness-
programme in der F1. 10 Punkte

5. Mentale Stärke

Button: Der Brite fährt absolut fehlerfrei, haut selbst in letzter Sekunde immer wieder Top-Zeiten raus. Lässt sich – jedenfalls solange es perfekt läuft – durch nichts beirren. 9 Punkte
Vettel: Ebenfalls sehr nervenstark. Wollte zuletzt in Monaco und Australien (Kubica-Crash) aber fast schon zu viel und patzte. 7 Punkte
Hamilton: Sein Überehrgeiz steht dem Weltmeister oft im Weg. Kann nicht nachgeben und macht deshalb schwere Fehler. Schwächelt zudem unter Druck: Witterte im Monaco-Zeittraining seine Chance, schmiss aber das Auto weg. 8 Punkte
Alonso:
Der heißblütige Spanier ist im Auto extrem cool und fehlerfrei. Flippt nur aus, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. 9 Punkte
Schumacher: Stark und fehlerfrei unter Druck. Nur sein Überehrgeiz verhinderte noch mehr Siege. 8 Punkte
Autor:

Bianca Garloff

Fazit

Button und Alonso liegen mit 42 Punkten zwar gleichauf - aber immer noch sechs Punkte hinter Schumi. Doch der WM-Favorit kann aufholen. "Jenson und Michael sind unterschiedliche Charaktere", bestätigt Ross Brawn. "Aber durch diese Chance, die Jenson jetzt hat, konzentriert er sich sehr stark darauf, warum welche Dinge passieren und was er besser machen kann. Darin ist er Michael sehr ähnlich."

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