Formel-1-Politik

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— 21.07.2004

Bitte lächeln und weiter warten

Sind Heidfeld, Villeneuve und Häkkinen die Transfer-Verlierer? Im Interview redet Eddie Jordan Klartext.

Deal mit "Quick Nick" ist geplatzt

Gelb statt Blau-Weiß, 820 PS statt 900, Silverstone statt Jerez, Pannen statt Podestplätze: Diese Aussicht traf Nick Heidfeld Anfang voriger Woche, nachdem er für einige Stunden von einem sensationellen Sofortwechsel von Jordan-Ford zu BMW-Williams zum Hockenheim-GP träumen durfte. Doch die beteiligten Parteien brachten den Deal nicht zustande (siehe Interview mit Teamchef Eddie Jordan). Deshalb muss "Quick Nick" die Saison planmäßig für Jordan-Ford zu Ende fahren. Heidfeld sieht's positiv: "Immerhin weiß man jetzt, dass BMW-Williams Interesse an mir hat." Er will sich mit Topleistungen die Tür zu BMW-Williams offen halten.

Bis zur Rückkehr von Schumi II (wahrscheinlich 12. September 2004, Monza) wird Antonio Pizzonia auf Wunsch von Chef Frank Williams ins Lenkrad greifen. Schafft der bisherige Testfahrer den Durchbruch, hat Heidfeld schlechte Karten, denn auch Mark Webber (Jaguar) soll 2005 ein Williams-Cockpit bekommen. Sofern Renault-Chef Briatore seinen Jaguar-Schützling nicht ins eigene Team umleitet. Dort gilt Monaco-Sieger Jarno Trulli nach Ablehnung eines Angebots und schwankenden Leistungen als Verfügungsmasse.

Giancarlo Fisichella dürfte nehmen, was Mark Webber übrig lässt. Von Sauber hat er sich quasi schon verabschiedet. Die Vorruheständler Jacques Villeneuve (33) und Mika Häkkinen (bald 36) werden trotz brennendem Interesse kaum zurückkehren. Villeneuve verlangt vor Testfahrten Einsatzgarantien für 2005. Häkkinen hängt trotz zwölf Kilo Gewichtsverlust sein Mercedes-Vertrag (bis Ende 2004, vorher keine Tests möglich) wie Blei am Hals.

Interview mit Eddie Jordan

Seit 1991 mischt der 56-jährige Ire mit seinem Team in der Formel 1 mit. Hier redet Eddie Jordan Klartext zum Fall Heidfeld/Williams:

AUTO BILD MOTORSPORT: Stimmt es, dass Sie Nick Heidfeld nur gegen Bezahlung für BMW-Williams testen lassen wollten? In den Medien ist von 300.000 Dollar pro Tag die Rede. Eddie Jordan: Ich habe gesagt, dass ich Nick helfen will, ein Top-Cockpit zu bekommen, und dazu stehe ich. Aber ich bin auch meinem Team verpflichtet. Wenn unser Fahrer irgendwo anders testet, müssen wir Ersatz besorgen. Das verursacht Kosten. Also habe ich Williams gefragt, ob sie diese Kosten übernehmen. Ich habe nie daran gedacht, daraus Profit zu schlagen. Ich dachte, Williams wollte Heidfeld für 2005 testen. Dann sagten sie mir aber, es solle ein Stechen zwischen Heidfeld und Pizzonia geben. Der Schnellere würde die Rennen in Hockenheim, Budapest und Spa fahren. Für Monza rechne man mit dem Comeback von Ralf Schumacher. Ich habe Williams klar gemacht, dass ich nicht entscheide, bevor klar sei, ob Nick ein Cockpit für 2005 bekomme. Danach habe ich von Williams nichts mehr gehört. Das macht deutlich, dass die nicht mit Nick geplant haben. Sie wollten ihn für ein paar Rennen. Zudem hätte unser Reifenpartner Bridgestone kaum erlaubt, dass wir einen Fahrer für ein Team mit einem anderen Lieferanten ausleihen.

Warum lassen Sie Heidfeld nicht einfach gehen, wo er doch angeblich umsonst für Sie fährt? Hätte Williams Nick ein Cockpit für 2005 angeboten, hätte ich ihn für den Jerez-Test freigegeben. Ich glaube aber, dass es für Nicks Karriere nicht gut wäre, wenn er zwei oder drei Rennen ohne weitere Garantien für Williams fahren würde. Außerdem kämpft Jordan noch um den 7. Platz in der Konstrukteurswertung. Wir brauchen nur ein Regenrennen, dann können wir Toyota noch einholen – wenn Nick für uns fährt.

Kritiker werfen Ihnen vor, nach Frentzen erneut die Formel-1-Karriere eines deutschen Fahrers zu zerstören. Nicks Karriere ist nicht zerstört. Hätte ich ihm in diesem Jahr nicht die Chance gegeben, ohne Sponsorengelder bei uns zu fahren, wäre er bei Williams gar kein Thema. Und ich bin überzeugt, dass er das noch immer ist. Ich werde weiter alles tun, um Nick zu einem Cockpit für 2005 zu verhelfen.

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