Nico Hülkenberg

Formel 1: Porträt Nico Hülkenberg

— 09.11.2010

Wer ist dieser "Hülki"?

Beim Großen Preis von Brasilien holte Williams-Pilot Nico Hülkenberg überraschend die Poleposition. Autobild.de stellt den Emmericher vor. Zehn Dinge, die Sie noch nicht über Nico Hülkenberg wussten.

Am Mittwoch vor dem Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo hat sich Nico Hülkenberg noch Sorgen um seine Zukunft gemacht. Mit Brille – der Emmericher ist kurzsichtig und trägt im Auto Kontaktlinsen – wartete er zusammen mit AUTO BILD MOTORSPORT am Gepäckband auf seine Koffer und stellte fest: "Williams lässt mich immer noch zappeln und ich glaube auch nicht, dass mein Vertrag vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi verlängert wird. Das ist echt nervenaufreibend!" Vier Tage später sah die Welt schon ganz anders aus. Völlig überraschend holte der 23-Jährige in seinem erst 18. Rennen seine erste Poleposition und beendete damit eine 100 Rennwochenenden andauernde Durststrecke des britischen Traditionsteams.

"Stehe für immer in den Geschichtsbüchern"

Für den Weg an die Spitze der Formel 1 tut Hülkenberg alles.

Im anschließenden Gespräch mit ABMS atmete Hülkenberg durch. "Das allein verschafft mir zwar auch noch keinen neuen Vertrag, aber nehmen kann es mir auch keiner mehr. Das steht für immer in den Formel-1-Geschichtsbüchern." Zwei Stunden nach der Qualifikation hatte der Deutsche langsam verstanden, was er geleistet hat. Hülkenberg: "Als mir mein Renningenieur am Funk sagte, ich hätte Pole, dachte ich, der will mich verarschen. Und in der internationalen Pressekonferenz wusste ich erst gar nicht, ob ich auf deutsch oder englisch anfangen sollte." Den vollen Durchblick hatte der Rheinländer dagegen im dritten Qualifikations-Abschnitt. Als Einziger brachte er seine Slicks auf feuchter Piste so gut auf Temperatur, dass er am Ende 1,1 Sekunden schneller war als der Zweite Sebastian Vettel. Im trockenen Rennen hielt er im unterlegenen Williams lange Fernando Alonso und Lewis Hamilton hinter sich, wurde nach einem verpatzten Boxenstopp aber nur Achter.

Auch für Hülki fing alles auf einer Kartbahn an

Hülkenberg arbeitete 2009 als Praktikant in der Williams-Fabrik in Grove (GB), zog dafür ins Studentenstädtchen Oxford.

Doch wer ist dieser deutsche Pilot, der in Brasilien aus dem Nichts auf die Pole fuhr? AUTO BILD MOTORSPORT hat Hülkenberg seit dessen Wechsel vom Kart in die Formel BMW im Jahr 2005 begleitet und kennt fast alle Geheimnisse des Rheinländers. Wir verraten Ihnen zehn Dinge, die Sie noch nicht über ihn wussten. Seine Motorsportkarriere begann Hülkenberg im Alter von neun Jahren. Mit sieben saß er zum ersten Mal im Kart. "Eines Sonntags sind wir nicht weit entfernt von uns auf eine holländische Kartbahn gefahren", erinnert er sich. "Danach war ich total begeistert. Und weil mein Vater und mein Opa auch Motorsportfans sind, habe ich ein paar Tage später selbst im Kart von Bekannten gesessen. Ich hatte Spaß wie Harry und dann ist der Ball ins Rollen gekommen." 2000 wird er Deutscher Kartmeister bei den Junioren, ein Jahr später auch bei den Senioren. 2005 wechselt er vom Kart in die Formel BMW und wird auf Anhieb Meister. 2007 gewinnt er mit dem Team Deutschland den Weltmeistertitel in der ehemaligen Nationenserie A1GP, 2008 holt er den Titel in der Formel-3-Euroserie, 2009 siegt er in der GP2. Seinen damaligen Teamkollegen Pastor Maldonado, der dank einer 10-Millionen-Euro-Mitgift derzeit sein größter Konkurrent um das Williams-Cockpit ist, schlug er im teaminternen Qualifikationsduell mit 10:0.

Mit 13 geblitzt

Seine Eltern besitzen in Emmerich eine Speditionsfirma, in der Hülkenberg junior eine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht hat. Nur über ein privates Erlebnis spricht er nicht gerne: Dass er schon mit 13 geblitzt wurde – mit seinem schlafenden Vater auf dem Beifahrersitz… AUTO BILD deckte die Story damals auf. Parallel zu seiner GP2-Meistersaison 2009 arbeitete Hülkenberg als Praktikant in der Williams-Fabrik in Grove (GB), zog dafür extra ins Studentenstädtchen Oxford und machte Station in jeder Abteilung des britischen Formel-1-Werks. Eine Sache hat seinen Chef Frank Williams dabei am meisten beeindruckt: "Er hat mich nach Ende seines Praktikums gebeten, eine Rede vor meinen 530 Angestellten halten zu dürfen. Damit hat er sich sehr viel Respekt verschafft. Überhaupt hatte ich noch nie einen Fahrer, der sich in der Fabrik freiwillig so sehr engagiert hat wie Nico." Anfang dieses Jahres ist Hülkenberg wieder zurück nach Emmerich gezogen. Er liebt Freundin Laura, eine angehende Polizistin. Williams verliert Ende dieser Saison vier große Sponsoren, pokert mit Hülkenberg deshalb ums Geld und hat eine Option auf den Deutschen bisher immer wieder nach hinten geschoben. Hintergrund: Sein Gehalt von rund einer Million Euro würde sich bei Vertragsverlängerung verdoppeln. Indem Williams einen neuen Kontrakt aushandelt, können Sie diese Gehaltserhöhung umgehen. Dazu kommt: Geschäftsführer Adam Parr will das Supertalent für fünf Jahre an das Team binden und eine Ablöse von 15 Millionen Euro fordern, wenn der Emmericher Williams innerhalb dieser Zeit verlassen will. Dass die Briten ihn grundsätzlich behalten wollen, zeigt eine Aussage von Frank Williams gegenüber ABMS zu Saisonbeginn: "Hülkenberg wird bei uns ein großer Star", sagte der Teamchef da. "Er hat jede Nachwuchsserie gewonnen. Das hat sonst nur Lewis Hamilton geschafft. Willi Weber (sein Manager; d. Red.) hätte ihn am liebsten gleich zu Ferrari oder McLaren geschickt, aber ich habe ihn mir nicht wegschnappen lassen." Und weiter: "Ja, ich plane mit Nico für die Zukunft und fand es höchst unprofessionell, dass Willi Weber ihn für 2013 schon bei Ferrari angepriesen hat. Ich hoffe jedenfalls, Nico bleibt sehr lange bei uns."

Vergleiche mit Schumacher lassen Hülkenberg kalt

Ob Hülkenberg im nächsten Jahr weiter für Williams fahren wird, ist derzeit noch unklar.

Hülkenberg wird von Ex-Schumacher-Manager Willi Weber beraten. Und der vergleicht seinen neuen Klienten schon jetzt mit seinem alten. Weber zu ABMS: "Am Anfang war er ziemlich ungestüm. Er wollte immer mit dem Kopf durch die Wand. Aber: Er hört zu und analysiert seine Fehler. Heute sehen wir einen Nico Hülkenberg, der überlegen Rennen fährt. Der eine sensationelle Fahrzeugbeherrschung im Grenzbereich hat und ein unwahrscheinlich guter Regenfahrer ist. Ich habe nicht erwartet, dass es jemanden gibt, der auf dem gleichen Niveau im Regen fahren kann wie Michael früher. Nico kann es. Eine unglaubliche Parallele." Hülkenberg verrät, woher die kommt: "Vielleicht wurde mein Gefühl auch dadurch geschult, dass ich meine Bambini-Kartrennen in Holland gefahren bin. Dort gab’s für diese Klasse aber keine Regenreifen. Wenn’s geregnet hat, mussten wir immer alle mit Slicks fahren, was natürlich sehr viel rutschiger ist." Dass er aufgrund seiner Willi-Weber-Kontakte manchmal mit seinem alten Vorbild Schumacher verglichen wird, lässt ihn kalt. "Da wird mir nicht wärmer und nicht kälter, wenn man mich Schumi III nennt." Müsste er sich zwischen einem Mercedes- und einem Ferrari-Cockpit entscheiden, würde Hülkenberg Ferrari wählen. "Wegen des Mythos", gibt er zu. "Ich glaube, beide Teams haben Zukunft. Aber Ferrari ist wie ein Fels in der Motorsport-Brandung. Man hat in der Wirtschaftskrise gesehen, dass Toyota, Honda und BMW einfach aussteigen. Ich glaube, dass ein Team wie Ferrari niemals so leicht aus dem Motorsport gehen würde. Und ich will da fahren, wo der Sport gesichert ist und wo ich erfolgreich sein kann."

Autor: Bianca Garloff

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