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Formel 1: Portrait Nelson Piquet

— 08.11.2017

In Monaco erbrach er sich in den Helm

Nelson Piquet ist als dreimaliger Formel-1-Weltmeister einer der erfolgreichsten Fahrer des Feldes. Aber er war nicht immer beliebt – und hatte seine Schwächen.

68 Jahre Formel 1, 759 Fahrer, aber nur zehn schafften es dreimal oder öfter Weltmeister zu werden. Nelson Piquet ist ein Mitglied dieses elitären Clubs. „Aber er hat nur 23 Siege und ist drei Mal Weltmeister, ich aber 31 Erfolge und bin nur einmal Champion“, seufzt Nigel Mansell. Piquet und Mansell waren 1986 und 1987 erbitterte Rivalen im Williams-Stallduell. 1986 verschenkten sie im Teamkrieg den Titel, 1987 setzte sich Piquet durch.

Piquet beschimpfte Mansells Frau Roseanne als hässlich, er versteckte auf der Teamtoilette Klopapier vor Mansell um ihn psychisch zu destabilisieren. Es war nur eine von zahlreichen Rivalitäten, die Piquet pflegte. Eine andere war die gegen seinen brasilianischen Landsmann Ayrton Senna. Dass Senna in Brasilien immer viel weitaus beliebter war als er selbst, hat Piquet nie überwunden.

Doch der heute 65-Jährige hat auch Freunde im Fahrerlager. Einer ist Niki Lauda. Nachdem Piquet 1978 die ersten Formel-1-Rennen für Ensign und das McLaren-Kundenteam BS Fabrications bestritt, wurde er 1979 Laudas Teamkollege bei Brabham. Und vom Österreicher, damals schon zweifacher Weltmeister (1975, 1977), schaute er sich viel ab: „Es ist nicht so, dass er mir das Rennfahren beibringt. Aber wenn wir zusammen testen, hör ich ihm pausenlos zu, saug alles, was er sagt, in mich auf – über Bodenhaftung, Reifen und so weiter. Zuhören ist das Beste um zu lernen.“ Teamchef Bernie Ecclestone schon damals: „Es ist unmöglich für Piquet, nicht Weltmeister zu werden.“

Obwohl Piquet durchaus seine Schwächen hatte: Die Stadtkurse. Piquet erinnert sich: „Ich bekam dort immer Platzangst, weil ich mich zu beengt fühlte.“ In Monaco 1979 wurde ihm von der Kurvenorgie im Leitplankenkanal so schlecht, dass er sich in den Helm hinein übergab. Die Rettung brachte ihm ein Deutscher: Hans-Joachim Stuck. Er schenkte ihm ein Kaugummi, das beruhigend auf die Magennerven wirkte. Prompt holte Piquet in Monaco 1981 die Pole-Position. Es war sein erstes Weltmeisterjahr.

Piquet musste hart für den Erfolg arbeiten. Sein Vater war Arzt und Gesundheitsminister in Brasilien, konnte gut Tennis spielen und drillte Piquet zum Tennisprofi. Doch der interessierte sich nur für Autos, nahm wegen der Verärgerung der Eltern sogar den Mädchennamen seiner Mutter an. Aus Nelson Soutomaior wurde Nelson Piquet. Als solcher schrieb er Geschichte: „Heute wäre ich froh, wenn mein Vater das noch miterlebt hätte“, sagte er 1987.

Und trotzdem: Weltmeister zu sein – für Piquet nichts Besonderes: „Ich habe geglaubt: Weltmeister zu sein, muss ein wunderschönes Gefühl sein. Dann wachst du am nächsten Morgen auf und alles ist gleich: kein sechster Finger, nichts hat sich verändert.“

1987 holte er sich im Williams-Honda seinen letzten Titel

Er wiederholte den Erfolg noch zwei Mal: 1983 als erster Champion mit Turbo-Motor (von BMW) und 1987 im angesprochenen Stallkrieg mit Mansell. Doch 1987 wurde für Piquet auch zum Karriereknick. In der Tamburello-Kurve in Imola, in der 1994 Senna tödlich verunglückte, überlebte Piquet in seinem Williams-Honda im Training zum GP von Imola einen Horrorunfall. Danach plagten ihn Schlafstörungen, ohne Schlafpulver konnte er nie länger als drei Stunden die Augen zu machen.

Danach fuhr er je zwei Jahre für Lotus und Benetton. Dort wurde ihm Ende 1991 Michael Schumacher an die Seite gesetzt. Schumi schickte Piquet in Rente: Nachdem Piquet 1:4 im Quali-Duell gegen Schumi verlor, interessierten sich nur noch Mittelfeldteams wie Ligier für seine Dienste. Piquet wechselte in die IndyCar, verletzte sich aber bei einem Crash im Training zu den Indy 500 schwer an den Beinen. Ein Jahr Pause folgten, 1993 der nächste Versuch beim Indy 500 – wieder Ausfall. Danach fuhr er nur noch sporadisch Sportwagen-Rennen, unter anderem zwei Mal in Le Mans.

Über seinen Sohn Nelson Piquet junior sagte er einmal: „Momentan habe ich wenig Zeit, aber ich freu mich schon, wenn er größer wird – was man dann alles mit ihm anfangen kann. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn ich zehn Söhne hätte.“ Zehn wurden es nicht, aber sieben – von vier verschiedenen Frauen. Und Piquet junior schaffte es 2008 und 2009 selbst in die Formel 1, wurde im Renault in Hockenheim 2008 Zweiter. Aktuell startet er für Jaguar in der Formel E. Pedro Piquet, ein weiterer Sprössling von Nelson, fährt aktuell in der Formel 3.

Weitere Fahrerportraits Im Video zu sehen ist die spektakuläre Piquet-Attacke auf den Chilenen Eliseo Salazar in Hockenheim 1982 nachdem beide im Rennen kollidiert sind.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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