Die besten Bilder aus Suzuka

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Formel 1: Qualifying in Suzuka

— 08.10.2016

Rosbergs Reifengeheimnis

Tausendstel-Krimi an der Spitze zwischen Rosberg und Hamilton. Aber auch Ferrari und Red Bull liegen in Lauerstellung. Alle Infos vor dem Japan GP in Suzuka.

Warum ist der Abstand zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull in Suzuka kleiner als bisher?

Lewis Hamiltons Motorschaden in Malaysia spielte Red Bull und Ferrari in die Karten. Denn, so erfuhr AUTO BILD MOTORSPORT: Ganz sicher ist sich Mercedes über den wahren Ausfallgrund noch nicht. Dafür war die Zeit der Untersuchungen noch zu kurz. Um auf Nummer sicher zu gehen, ergriff Mercedes in Suzuka zwei Vorsichtsmaßnahmen.
So lief das Qualifying in Suzuka: 82 Zentimeter trennen Silberfeinde

Der Sepang-Motorschaden soll sich nicht wiederholen

Erstens: Man verwendete wieder konservativeres Motoröl als beim Rennen in Malaysia. Das Schmiermittel in Suzuka ist etwas dickflüssiger als das in Malaysia verwendete Öl. Vorteil: Der Motor ist nicht mehr am Limit, was konstante Schmierung besonders in Kurven mit viel Fliehkraft betrifft. Nachteil: Es erzeugt mehr Widerstand. Die erhöhte Reibung kostet den Motor nach Mercedes-Aussagen circa fünf bis acht PS.

Das bedeutet immerhin ein bis zwei Zehntelsekunden Zeitverlust in Sektor zwei und drei. In diesen beiden Sektoren gibt es zwei lange Geraden, auf denen die Motorleistung eine größere Rolle spielt als die Fahreigenschaften des Chassis.

Zweitens: Laut Red Bull verzichtete Mercedes in Suzuka aus Sicherheitsgründen auf die schärfste von zwei Motoreinstellungen, die man speziell für die Zeitenjagd um die Startplätze entwickelt hat. Zehn PS sollen dabei zwischen Modus 1 und 2 liegen. Macht noch mal zwei Zehntel in den Sektoren zwei und drei. Rechnet man das alles hoch, ist der etwas geringere Vorsprung der beiden Silberpfeile erklärbar.

Red Bull verliert vor allem auf den Geraden Zeit

Red Bulls kleiner Rückstand ist ebenfalls zu erklären. "Im ersten Sektor, wo es aufs Auto ankommt, waren wir die Schnellsten", analysiert Teamchef Christian Horner. "Doch dann kamen die beiden Motorensektoren. Im Gegensatz zu Mercedes und Ferrari haben wir keine spezielle Einstellung fürs Qualifying. Deshalb verloren wir dort die entscheidende Zeit."

Ferrari war in Sachen Motorleistung heute auf Mercedes-Niveau. Grund: Die Italiener haben zwar nur einen Qualifying-Modus, aber der ist mit der schwächeren der beiden Mercedes-Einstellungen ebenbürtig.

Warum ist Nico Rosberg im Qualifying in dieser Saison stärker als Teamkollege Lewis Hamilton?

Grundsätzlich ist Hamilton immer noch diese eine Zehntelsekunde schneller als der Deutsche, wenn es drauf ankommt. Allein: Um sein begnadetes Fahrtalent zu nutzen, braucht der Brite optimal aufgeheizte Reifen, die besonders auf der Vorderachse den entsprechenden Grip bieten, den Hamilton für sein aggressives Einlenken braucht. Sind die Temperaturen wie in Suzuka eher gering, hat Rosberg Vorteile. In Malaysia vor einer Woche - dort schlug Hamilton Rosberg im Qualifying deutlich - betrug die Asphalttemperatur rund 50 Grad.

Auf die richtige Reifentemperatur kommt es an...

Ergebnis: Die Hitze auf der Straße genügte schon, um die Reifen in das optimale Arbeitsfenster von 100 bis 110 Grad zu bringen. In Suzuka betrug die Temperatur des Straßenbelags in der Spitze aber nur 28 Grad. Bei diesen Bedingungen muss der Pilot aktiv die Reifen aufheizen. In diesem Bereich hat Rosberg zusammen mir den Technikern auf seiner Aufwärmrunde ein perfektes System entwickelt. Er macht sich damit eine Technik zunutze, die Mercedes speziell dafür entwickelt hat. Hintergrund: Das Weltmeisterteam heizt die Felgen durch die glühenden Bremsscheiben auf. Die wiederum geben die Wärme an die Pneus ab.

Rosberg steht bei seiner Outlap konstant mit dem linken Fuß auf der Bremse. Ständig geben ihm die Ingenieure die jeweilige Reifentemperatur durch. So kann er quasi bis zu Beginn der Zeitrunde die Reifentemperatur in das optimale Arbeitsfenster bringen.

Kennt Hamilton diesen Trick nicht?

Doch. Bei Mercedes herrscht völlige Gleichheit bei beiden Autos. Bloß: Hamilton ist mehr Instinktpilot als der analytische Deutsche. Er will sich nicht ganz auf die reinen Zahlen verlassen. Deshalb sieht man bei Hamilton immer noch die extrem schnellen Lenkradbewegungen bei seiner Outlap-Runde. Er fühlt sich wohler, wenn er Reifen aufwärmt, wie er es zu seiner Kartzeit gelernt hat.

Die verschiedene Herangehensweise fiel beispielsweise Ex-Formel-1-Pilot und Sky-Experte Marc Surer auf. Er sprach Rosberg darauf an. Der gab mit seiner Antwort den entscheidenden Hinweis: "Ich brauche die Schlangenlinien nicht. Die Reifen heizen sich auch so auf!"

Haben die anderen Teams dieses System nicht?

Mercedes-Kunde Force India fliegt in Suzuka

Red Bull und Ferrari arbeiten ähnlich, aber ihre Systeme sind längst nicht perfektioniert. Force India hat das System nur an der Hinterachse. Grund: Die Briten bekommen quasi die ganze Mercedes-Heckpartie inklusive Getriebe in die Fabrik nach Silverstone geliefert. Die Frontpartie entwickeln sie aber selbst. Deshalb war es kein Wunder, dass in Suzuka beispielsweise die Piloten über genügend Haftung auf der Hinterachse berichteten, aber mangelnden Grip der Vorderreifen beklagen. Dadurch rutschte das Auto ständig beim Einlenken über die Vorderachse. Dieses so genannte Untersteuern kostete wertvolle Rundenzeit.

Manor bezieht die Hinterachse vom vierten Mercedes-Kundenteam Williams. Die Traditionsmannschaft wiederum entwickelt im Gegensatz zu Force India das Heck selbst und bekommt nur den reinen Hybridantrieb von Mercedes. Deshalb haben Williams und Manor Nachteile gegenüber Force India. Beide haben bei fast jedem Rennen Probleme mit dem Aufheizen der Hinterreifen.

Was ist vom Rennen am Sonntag zu erwarten?

Der Start wird entscheidend sein. Die Startgerade hängt ein wenig nach unten. "Das macht es zusätzlich schwierig, den richtigen Schlupf zu finden", mahnt Nico Rosberg. Läuft der Start normal und mischt kein Regenschauer das Rennen auf, werden Rosberg und Hamilton den Grand Prix unter sich ausmachen. Rosberg ist gewarnt: In den letzten beiden Jahren gewann Hamilton beide Rennen, obwohl er hinter Rosberg starten musste.

Am Suzuka-Start 2015 drängte Hamilton Rosberg ab

Regnet es, muss man Hamilton favorisieren. Da kommt sein begnadetes Naturtalent zum Tragen. Im Nassen kommt die größere Gefahr für den Briten von Red Bull als von Rosberg. Deren Chassis ist auf nasser Piste das beste. Im Trockenen spricht für Mercedes, dass Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in der Startaufstellung zwischen den Silberpfeilen und den beiden Bullen steht. Denn Ricciardo und Verstappen waren bei den Longruns mindestens auf Augenhöhe mit Mercedes und schneller als Ferrari.

Räikkönen könnte für Mercedes als Puffer dienen, wenn er vor den beiden Verstappen und Ricciardo in die erste Kurve sticht. Folge: Red Bull muss wieder eine aggressivere Strategie (u.U. mit einem Stopp mehr) als Mercedes wählen, um eine Siegchance zu haben.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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