Formel 1 Red Bull Cosworth

Formel 1: Red Bull 2010

— 16.10.2009

Wilder Stier oder lahmer Ochse?

Die nächsten drei Wochen können entscheidend für Sebastian Vettels Zukunft mit Red Bull werden. Weil der Mercedes-Motor derzeit nicht zu haben ist, flirten die Österreicher mit Cosworth. Ein Fehler?

Mit 16 Punkten Rückstand auf Jenson Button kämpft Sebastian Vettel in den letzten beiden Rennen um die Weltmeisterschaft. Ein ohnehin fast unmögliches Unterfangen. Zwei Siege sind Pflicht. Dazu muss Vettel hoffen, dass Button nicht mehr als drei Punkte kassiert. Doch ausgerechnet in der entscheidenden WM-Phase brennt es bei Red Bull. Zukunftsangst und ein störrischer Teamkollege setzen Vettel und Co. unter unnötigen Druck. Baustelle eins: der Motor. Red Bull ist unzufrieden mit dem unzuverlässeigen Renault-Aggregat (vier Motorschäden allein bei Vettel). Doch Chefdesigner Adrian Newey drängt auf eine Triebwerksentscheidung für die kommende Saison. Red Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko bestätigt gegenüber autobildmotorsport.de: "Wir haben vier Optionen: Mercedes, wo McLaren uns derzeit noch ausbremst, Toyota, Renault und Cosworth. Die prüfen wir in allen Einzelheiten und die bestmögliche Option werden wir wahrnehmen."

Red Bull sauer wegen McLaren-Blockade

Red Bulls Wunschmotor: der Mercedes FO108W.

Die ist laut Marko Mercedes. Doch die Verhandlungen stocken. "Mercedes ist ganz klar unser Wunschpartner, aber entgegen aller Zusagen, dass das McLaren-Problem längst hätte gelöst sein sollen, ist es das noch nicht", ärgert sich der Österreicher. Hintergrund: Schon seit Saisonmitte blockiert McLaren den Mercedes-Vertrag mit Red Bull. Als Exklusiv-Partner von Mercedes müssen alle McLaren-Anteilseigner zustimmen, wenn die Stuttgarter ein "fremdes" Team mit Triebwerken ausrüsten wollen. Doch Ex-Teamchef Ron Dennis (15 Prozent), TAG-Boss Mansour Ojjeh (15 Prozent) und die Teilhaber aus Bahrain (30 Prozent) schalten auf stur. Begründung: Warum sollte McLaren einen direkten Konkurrenten im Kampf um die WM stärken?

Cosworth genießt Sonderrechte

Die Zeit läuft Red Bull davon. Deshalb liebäugelt man nun sogar mit  Neueinsteiger Cosworth. Marko: "Wir würden den Motor nicht in Betracht ziehen, wenn die Daten nicht ein gutes Paket signalisieren würden." Tatsächlich genießt Cosworth 2010 Sonderrechte. Weil die FIA den Achtzylinder als neues Triebwerk einstuft, darf die 70-köpfige Mannschaft bis zum 1. März 2010 an dem Motor arbeiten. Mercedes, Ferrari, Renault und Toyota sind aufgrund des Entwicklungsstopps dagegen die Hände gebunden.

VW lehnte Cosworth-Kauf ab

Trotzdem würde laut ABMS-Informationen ein möglicher Cosworth-Deal Vettel schon jetzt alle Chancen auf den WM-Titel 2010 nehmen. Denn obwohl die englische Motorschmiede vier Mitarbeiter von Mercedes abwerben konnte ("Nicht gerade unsere Besten", sagt ein Insider von Mercedes High Performance Engines in Brixworth) gilt die Fabrik in England als marode. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr: Im Frühjahr erhielt VW von Ex-Force-India-Teamchef Colin Kolles einen Anruf. Im Auftrag von Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone sollte Kolles VW davon überzeugen, Cosworth zu übernehmen. Daraufhin prüften VW-Techniker die britische Motorenschmiede auf Herz und Nieren – und winkten frustriert ab. Mindestens 30 Millionen Euro, heißt es aus VW-Kreisen, bräuchte man, um Cosworth auf Formel-1-Mindeststandard zu hieven. Der Plan wurde als sinnloses Unterfangen zu den Akten gelegt.

Webber verweigert Hilfe für Vettel

Von wegen Traumteam: Webber stänkert gegen Vettel.

Baustelle zwei: In der entscheidenden Phase der WM outet sich Vettels Teamkollege Mark Webber als Bad (böser) Bull. Trotz klarer Ansage von Teamchef Christian Horner bei SPORT BILD ("Mark ist ein Teamplayer und wird Sebastian helfen") verweigert sich der Australier plötzlich. Gefragt, ob er Vettel im Kampf um die WM helfen kann, antwortet Webber barsch: "Ich bezweifle es. Meine Jungs sind heiß auf ein gutes Ergebnis, also werden wir selbst versuchen, eines zu holen." Eine klare Kampfansage an Sebastian Vettel, der immer noch an die Unterstützung seines Teamkollegen glaubt. Vettel: "Mark und ich arbeiten Hand in Hand und ich denke, dass er der Letzte wäre, der mir seine Hilfe verweigert, wenn sie nötig werden sollte." Webber dagegen legt noch einen drauf: "Niemand verdient den WM-Titel mehr als Jenson (Button; d. Red.). Er hat mehr Rennen gewonnen als jeder andere. Er hat viele Überholmanöver gezeigt, die anderen nicht. Er hat sich oft aus kritischen Situationen befreit und seine Chancen am Leben gehalten. Das haben die anderen nicht geschafft." Ein Affront!  Jetzt ist die harte Hand von Teamchef Christian Horner gefragt. Sonst wird aus dem wilden Stier schnell ein lahmer Ochse.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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