Red Bull

Formel 1: Red Bull bleibt bei Renault

— 01.07.2014

Vettel bekommt mehr Einfluss

Trotz allem Ärger über den bisherigen Saisonverlauf: Red Bull bleibt Renault treu - zur Belohnung bekommt das Team mehr Einfluss auf die Motorentwicklung.

Er hat die Motor-Seuche an den Hacken... drei Ausfälle in acht Rennen: Am vergangenen Mittwoch hatte Sebastian Vettel (26) in SPORT BILD deshalb von einem eigenen Red Bull-Motor geträumt. Wie seine Bosse hat er die Abhängigkeit von Renault satt. Die Franzosen haben zuletzt zu wenig in ihre Fabrik nahe Paris und in das neue Triebwerk investiert. Folge: Der aktuelle Antrieb ist dem Mercedes weit unterlegen. Die Red Bull-Chefetage sucht deshalb schon seit Saisonbeginn intensiv nach Wegen aus der PS-Krise. Im Raum standen mehrere Varianten. Erstens: Im neuen Red-Bull-Technologiezentrum in Milton Keynes (GB) einen eigenen Motor konstruieren und mit Hilfe des Grazer Antriebsspezialisten AVL bauen. Zweitens: Den Volkswagen-Konzern mit ins Boot holen. Drittens: Die Renault-Schmiede übernehmen und aufmöbeln.

Auf Mercedes' Spuren

Caterhams Abiteboul (li.) pflegt bekanntlich beste Kontakte zu Renault...

In der vergangenen Woche fiel die Entscheidung. Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT steht der Weg zum eigenen Motor mit mehr Mitspracherecht jetzt fest: Red Bull bleibt bei Renault und wird die Kooperation mit den Franzosen intensivieren. Dafür wird der Getränkehersteller eine ordentliche Finanzspritze zur Verfügung stellen, damit das Motorwerk in Viry-Chatillon modernisiert und schon für die Saison 2015 ein fast komplett neues Triebwerk gebaut werden kann. Die Oberaufsicht hat dabei Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey, dessen Vertrag gerade bis 2018 verlängerte wurde. Red Bull geht mit dieser Entscheidung den Mercedes-Weg: Das neue Auto wird zusammen mit dem Motor entwickelt, so dass am Ende eine kompakte Einheit entsteht. Diese Bauphilosophie hat den Silberpfeil in dieser Saison bisher nahezu unschlagbar gemacht. Auf Nachfrage will Red Bull noch keinen Kommentar zu den Plänen abgeben, dementiert sie aber auch nicht.

Abiteboul neuer starker Mann

Die Rolle des trojanisches Red-Bull-Pferdes übernimmt Caterham-Teamchef Cyril Abiteboul, dessen Team in der kommenden Woche verkauft wird. Schon in den letzten Wochen wurde er häufig zusammen mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner gesehen. Er kehrt zu Renault zurück und soll die Umstrukturierung der Fabrik leiten. Dabei ist es auch nicht ausgeschlossen, dass man mit Ex-Mercedes-Motorchef Mario Illien einen hochkarätigen Motorspezialisten als Berater anheuert. Der Schweizer saß in der Arbeitsgruppe, die die neuen Antriebsregeln für die Formel 1 definiert hat und ist eng mit Red Bull-Technikchef Adrian Newey befreundet.

Mit Toro Rosso & Caterham

Eine Komplett-Übernahme ist am Nationalstolz der Franzosen und der großen Macht der Gewerkschaften gescheitert, die beim Wort Verkauf gleich in Abwehrhaltung gegangen sind. Deshalb ist der Franzose Abiteboul die Lösung dieses Problems. Der Bau eines eigenen Motors hätte zudem zu lange gedauert. Selbst ein Einsatz im Jahr 2016 war fraglich. Eine noch engere Verzahnung zwischen Red Bull und Renault macht auch deshalb Sinn, weil Lotus – das ehemalige Werksteam der Franzosen – wohl zu Mercedes wechselt und dort McLaren ersetzt. Konsequenz: Renault müsste nur noch Red-Bull-nahe Teams mit Motoren ausstatten. Toro Rosso gehört den Österreichern zu 100 Prozent. Caterham kooperiert schon jetzt eng mit Red Bull Technology, bezieht unter anderem das Getriebe vom Vettel-Team. Das soll auch nach dem Verkauf so bleiben.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images / Picture-Alliance

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