Girls beim Monaco GP 2016

Formel 1: Red Bull patzt erneut

— 30.05.2016

Die Leiden des Daniel Ricciardo

Er war der große Monaco-Pechvogel: Daniel Ricciardo verlor den Sieg - zum zweiten Mal in Folge, zum zweiten Mal wegen eines Fehlers seines Red-Bull-Teams.

Sein Gesichtsausdruck nach dem Rennen sprach Bände. „Ich bin einfach massivst enttäuscht“, sagte Daniel Ricciardo mit starrem Blick im Anschluss an die Zieldurchfahrt in Monte Carlo. Immer wieder musste er sich wohl fragen, wie er den Sieg beim wichtigsten Rennen des Jahres verlieren konnte.Von der Pole-Position aus losgefahren, setzte sich Ricciardo nach der Rennfreigabe schnell von beiden Mercedes ab. Seine Pace im Nassen war zunächst deutlich besser als die der Verfolger.
So lief das Rennen in Monaco: Hamilton gewinnt vor Ricciardo

Fuhr das ganze Wochenende über phänomenal: Am Ende brachte das Team Ricciardo um den Lohn

Doch mit dem Abtrocknen der Strecke wurde Red Bull vor die knifflige Frage der Strategie- und Reifenwahl gestellt. „Ich wurde in die Box gerufen. Es war nicht mein Call und er kam sehr kurzfristig. Aber wenn das Team ihn macht, sollte es auch bereit sein“, berichtete der zu diesem Zeitpunkt Führende. Das Problem: „Als ich an die Box kam, um mir Slicks zu holen, waren die Reifen nicht fertig – stattdessen sind alle herumgelaufen wie kopflose Hühner.“ So musste sich Ricciardo hinter Lewis Hamilton einreihen. In Monaco das Ende aller Siegträume.

„Wir haben den Reifen nicht zugetraut, bis zum Ende durchzuhalten“, erklärte Teamchef Christian Horner später die Misere. Red Bull wählte die um einen Grad härtere Stufe als Mercedes – und das zu einem so späten Zeitpunkt auf Ricciardos Runde, dass das Team in der engen Monaco-Garage nur eine halbe Minute zur Vorbereitung hatte. Zu wenig, wie sich beim Stopp herausstellte. Denn die Mechaniker erwischten erst einen falschen Satz und verloren dadruch weitere wertvolle Sekunden. „Dafür können wir uns bei Daniel nur entschuldigen“, so Horner.

Girls beim Monaco GP 2016

Sein Pilot kam mit entsprechend großer Wut im Bauch zurück auf die Strecke, knapp hinter Hamilton. Diesen trieb er anschließend um den Kurs, zwang ihn sogar in einen Fehler – doch der Weltmeister kürzte die Schikane ab, blieb so in Führung. Für seinen Widersacher im Red Bull zumindest fragwürdig. „Wenn er den Fehler macht, während er alleine fährt: In Ordnung. Aber es war im Zweikampf, weil ich ihn unter Druck gesetzt habe.“ Doch Ricciardos Beschwerde am Funk blieb unerhört, die Rennstewards verhängten keine Sanktionen.

Fehler-Häufung schwer zu akzeptieren

Ricciardo tief enttäuscht: „Es ist bereits das zweite Mal hintereinander. Barcelona war schon ein Kinnhaken.“ Auch dort hatte ihn das Team mit der falschen Strategiewahl einen möglichen Sieg gekostet – statt Ricciardo gewann sein glücklicherer Teamkollege Max Verstappen. „Ich habe mich davon aber gut erholt. Nur jetzt ist es ein doppelter Schlag in die Magengrube – das tut richtig weh“, räumte der frustrierte Australier ein und erklärte: „Besonders, weil wir nicht in Mercedes' Position sind. Wir können nicht jedes Rennen gewinnen“, haderte Ricciardo mit seinem Schicksal.

Kein Weg vorbei: Ricciardo hinter Hamilton in Monaco

Dass es nicht an ihm lag, wusste der Red-Bull-Star selbst: „Ich habe das Auto auf die Pole gestellt. Am nächsten Morgen wacht man auf und sieht, dass es Gewitter gibt. Also denkt man: Okay, ein paar Hürden mehr. Aber ich fand, ich bin gut mit ihnen umgegangen. Wir hatten in allen Bedingungen die beste Pace. Aber Platz zwei zeigt das nicht. Eigentlich konnte ich alles perfekt kontrollieren.“ Nur sein Team nicht. „Die Strategie spielt eben ein große Rolle“, weiß auch Ricciardo. „Wir müssen schauen, wie wir nun damit weitermachen. Das Team wird verstehen was los war und daraus lernen. Allein: Diesen Sieg hier kriege ich dadurch auch nicht mehr zurück“, sagte der traurige Australier.

Seine Hoffnung lautet nun: „Kanada. Das nächste Rennen dort wird interessant. Zwar kommt es da mehr auf die Motorpower an. Aber wenn wir auch dort vorne mitfahren können, dann können wir es auch für den Rest der Saison.“ Immerhin: Ein gutes Omen gibt es schon. Vor zwei Jahren konnte Ricciardo in Montreal seinen ersten Grand-Prix-Sieg in der Formel 1 feiern.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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