Renault

Formel 1: Renault will Motor umbauen

— 10.08.2014

Auf der Suche nach Schlupflöchern

Renault steht ein Planspiel ohne großen Spielraum ins Haus. Die Franzosen wollen ihren F1-Motor komplett umbauen, die FIA-Vorgaben sind jedoch strikt.

Trotz des Sieges von Daniel Ricciardo zuletzt in Ungarn: Die Schwachstelle von Weltmeisterteam Red Bull im Jahr 2014 ist und bleibt der Renault-Motor. Während auf dem verwinkelten Hungaroring die Power keine so große Rolle spielte, dürften die von Renault angetriebenen Autos auf den Highspeedkursen von Spa (24.08.2014) und Monza (07.09.2014) gegenüber den Mercedes-Teams gehörig ins Hintertreffen geraten. Damit wenigstens in Zukunft wieder Land in Sicht ist, wollen die Franzosen ihr Aggregat um-, und im Notfall für 2015 sogar ganz neu bauen. Doch auf Grund der Regeln ist die Motorenentwicklung eigentlich eingefroren. AUTO BILD MOTORSPORT erkundigt sich deshalb bei Renault-Cheftechniker Rob White (49) welche Möglichkeiten überhaupt bestehen.

FIA mit engen Vorgaben

Ständiger Austausch mit Red Bull & Teamchef Christian Horner (li.): Renaults Rob White (re.)

Der Brite weiß, wie schwer eine massive Modifikation eines bereits homologierten Aggregats beim Automobilweltverband FIA durchzusetzen ist. White: „Die Regeln erlauben uns mit viel Wohlwollen zwar einen neuen Motor zu bauen, aber es wäre komplizierter die Zustimmung der FIA dafür zu bekommen als es für Honda, Toyota oder Walt Disney ist, die neu in die Formel 1 einsteigen.“ Der Brite kramt Anhang 4 des technischen Regelwerks hervor: „Trotzdem bietet das Reglement einen guten Kompromiss.“ Teil eins davon: Eine Tabelle, die das schrittweise Einfrieren des Antriebs bis 2019 definiert. Sie enthält 42 Funktionsbereiche, die mit gewissen Wertigkeiten von eins bis drei - sogenannten Token (Punkten) - versehen sind. Für 2015 dürfen theoretisch 39 davon angefasst werden. Fix eingefroren sind lediglich: Teile des Kurbelgehäuses, die Kurbelwelle sowie das Belüftungsventilsystem.

Keine Zeit für Experimente

So weit, so gut. Wäre da nicht eine zweite Einschränkung: Alle 39 Bereiche ergeben zusammen eine Wertigkeit von 61 Punkten. Doch jeder Hersteller darf für die kommende Saison nur 32 Punkte verbrauchen! Übersetzt heißt das: Er muss sich für die wichtigsten Bereiche entscheiden. White: „Nächstes Jahr wird der komplette Zylinderblock eingefroren. Wenn uns also klar geworden ist, dass wir in diesem Jahr darin versagt haben und einen neuen Zylinderblock brauchen, müssen wir das jetzt machen. Jahr für Jahr wird der Entwicklungsstopp härter. Nicht nur die Teile, die wir verändern dürfen werden weniger. Auch die Anzahl der Tokens wird immer kleiner.“

Zustimmung der Konkurrenz nötig

Krisensaison 2014: Wann fahren die von Renault befeuerten Fahrzeuge wieder dauerhaft vorne mit?

Immerhin: Für 2015 dürfen 48 Prozent des Motors angefasst werden. Ohne Zustimmung der FIA. Zusätzlich kann jeder Hersteller auch noch Änderungen beantragen, die den Motor standfester oder billiger machen. Dafür muss der Weltverband die anderen Hersteller konsultieren, kann die Erlaubnis aber ohne deren Einverständnis erteilen. „Diese Regel zwingt uns, unsere Arbeit genau zu planen“, erklärt White. „Wir müssen nun also entscheiden, welche Umbauten wir mit den Token rechtfertigen und wofür wir uns zusätzlich die Genehmigung der FIA holen.“ Ergebnis soll ein rundum erneuerter Antrieb sein. Die strategische Planung für diesen muss jedoch schon jetzt absolut perfekt sein.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff, Frederik Hackbarth

Fotos: Getty Images / Picture Alliance

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