Formel 1: Revolution durch Verkauf

Formel 1: Revolution durch Verkauf

— 04.09.2016

Tritt Ecclestone schon diese Woche zurück?

Der Formel 1 steht der große Umbruch bevor: Die Serie wird an die Liberty Media Group verkauft. F1-Zampano Bernie Ecclestone steht damit vor dem Aus.

Bernie Ecclestones Ära steht kurz vor dem Ende. Der Verkauf der Formel 1 von der Investmentfirma CVC an den US-amerikanischen Medienkonzern Liberty Media Group soll bereits feststehen. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr: Bernie Ecclestone darf noch bis Ende der Saison in Abu Dhabi Chefvermarkter bleiben – wenn er das denn will. 

Hintergrund: Im Fahrerlager von Monza war am Sonntagabend bereits zu hören, dass der Brite schon in dieser Woche zurücktreten könnte. Er selbst soll Vertrauten bestätigt haben: Es gebe nun keinen Grund mehr nach Singapur oder anderen Rennen zu kommen. Allein: Ecclestone ist bekannt dafür Nebel zu streuen, dementierte bereits: "Dass ich nicht nach Singapur komme, war lange geplant."

Ecclestone in Monza: War es schon sein letzter Auftritt?

Fakt ist: Alle Voraussetzungen für den Verkauf der Formel 1 sind erfüllt. Wie ABMS erfuhr, hat auch der Automobilweltverband FIA dem Besitzerwechsel die nötige Zustimmung erteilt – die FIA, die selbst ein Prozent der Anteile hält, hätte ein Vetorecht gehabt. Insgesamt soll der Deal 8,5 Milliarden US-Dollar wert sein. In mehreren Tranchen will Liberty Media Anteile übernehmen, u.a. die 35,1 Prozent des jetzigen Eigentümers CVC. Die erste Rate von rund einer Milliarde Dollar würde 13 Prozent bringen. Bis der Gesamtdeal über die Bühne ist, dürfte es Insidern zufolge aber mehrere Monate dauern. Ecclestone selbst will seine Anteile von 5,3 Prozent indes nicht verkaufen.
Mehr zum F1-Verkauf: Amis zahlen 8,5 Milliarden

Für die Formel 1 bedeutet der Verkauf eine völlige Umstrukturierung des Systems. Statt eines "Alleinherrschers" soll die Rennserie in Zukunft von einem Triumvirat geführt werden. Geschäftsführer wird nach ABMS-Informationen der US-Amerikaner Chase Carey (62), bislang Vizepräsident der Filmstudios 21st Century Fox. Er soll die Formel 1 mittelfristig an die New Yorker Börse bringen.

Chase Carey: Lenkt dieser Zwirbelbart bald die F1?

Als Marketingverantwortlicher soll Zak Brown fungieren. Der 44-Jährige ist der Gründer der größten Motorsport-Marketingagentur der Welt, JMI. Er soll die Formel 1 stärker in die sozialen Medien bringen. Als COO war Alejandro Agag im Gespräch, der Promoter der Elektrorennserie Formel E, die ebenfalls zu Liberty Media gehört. Wie ABMS erfuhr, stößt diese Personalie aber bei einigen Teams auf Widerstand.

Besonders die kleinen Mannschaften dürften von der neuen Struktur profitieren. Langfristig soll Liberty Media an einer gerechteren Geldverteilung gelegen sein, die bevorzugte Behandlung der Top-Teams dürfte damit beendet werden. Auch wollen die neuen Eigentümer die Einnahmen stärker durch Bewegtbildrechte generieren. Das dürfte die einzelnen Veranstalter entlasten und auch die Ticketpreise senken.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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