Formel 1: Robert Kubica exklusiv

Robert Kubica exklusiv Robert Kubica exklusiv

Formel 1: Robert Kubica exklusiv

— 14.06.2007

Das erste Interview nach dem Crash

Ein geprellter Knöchel und ein blauer Fleck am linken Arm – mehr Spuren hat der Horror-Crash in Montreal nicht hinterlassen. Im BILD- Interview schildert BMW- Pilot Robert Kubica, wie er mit 300 km/h in die Mauer raste.

Polo-Hemd, Jeans, Badelatschen – vor mir steht ein Formel-1-Wunder... Robert Kubica (22) muss humpeln. Ein geprellter Knöchel und ein blauer Fleck am linken Arm – mehr Spuren hat der Horror-Crash vom Sonntag (10. 6. 2007) nicht hinterlassen. Im BILD-Interview schildert der BMW-Pilot welt-exklusiv, wie er mit 300 km/h in die Mauer raste.

BILD: Sie sind nach einem der schwersten Unfälle fast unverletzt – ein Wunder? Robert Kubica: Ich möchte nicht zu viel drüber nachdenken. Es hat alles schlecht angefangen mit einem schrecklichen Unfall, doch ein gutes Ende genommen. Wenn ich mir die Bilder anschaue, war das schon ein heftiger Crash. Ich hatte viel Glück, dass ich die Mauer im für mich günstigen Winkel getroffen habe. Ich bin sehr happy, dass ich hier ohne große Verletzung sitze.
Schildern Sie das Drama aus Ihrer Sicht. Ich war nah an Jarno Trulli. Ich wollte ihn rechts überholen. Es war eine Linkskurve, ich dachte, Jarno würde die normale Linie halten. Wir waren sehr weit außen, da war kein Platz mehr. Dann habe ich Jarno berührt und zuerst den Flügel verloren. Er ist unters Auto geflogen, darum hatte ich keine Kontrolle mehr. Auf einmal bin ich über etwas gesprungen und war plötzlich in der Luft. So was passiert, da kann man keinem einen Vorwurf machen.

Robert Kubica überlebte die 28-fache Erdanziehungskraft

Wie war das, als Sie nichts mehr tun konnten? Alles ging sehr schnell, du kannst da nichts denken. Wir reden hier über eine halbe Sekunde. Ich habe nur das Lenkrad losgelassen und die Hände an die Brust gedrückt.

Nach dem Einschlag: Kubica hängt regungslos im Wrack des Sauber-BMW.


Wann haben Sie gemerkt, dass Sie leben? Als ich auf der Seite lag und ich die Streckenposten sah. Ich habe zuerst versucht mich zu bewegen und gemerkt, dass ich okay bin.
Sie waren regungslos, waren Sie bewusstlos? Nicht wirklich. Vielleicht ganz kurz, als ich durch die Luft wirbelte. Es ging alles so schnell. Wenn, dann kann es nicht lange gewesen sein, weil ich mich an so viel erinnere.
Warum haben Sie nicht irgendein Zeichen gemacht? Ich habe es sein lassen. Nicht, dass ich Zeichen gebe, mich dann nicht mehr bewegen kann und alle denken, es ist doch was Schlimmes.
Sie haben 28 g überlebt. Die 28-fache Erdanziehungskraft... Ich dachte, es wären viel mehr. Ich hatte Glück, dass ich in der Luft schwebte. Dadurch hatte das ganze Auto eingeschlagen und nicht nur die Front.
Ihre Beine ragten sogar aus dem Wrack... Ja. Das Unglaubliche ist, wenn ich 15 Zentimeter kleiner wäre (Kubica ist 184 cm groß, d. Red.), dann hätte ich noch nicht mal Knöchelschmerzen und hätte gar nichts abgekriegt. Aber wie gesagt, wir können glücklich sein, dass ich hier in einem Stück sitze.

FIA-Ärzte entscheiden, ob der BMW-Pilot am Sonntag startet

Wie hat Ihre Familie den Unfall in Polen erlebt? Jeder, der das gesehen hat, war geschockt. Natürlich besonders Menschen, die mir nahe stehen. Aber das ist Motorsport. Das war und ist uns immer bewusst. Wir müssen uns bedanken, dass ich lebe.

Kubica hat 28 g überlebt. Sein Dank gilt "jemandem, der da oben ist".


Bei wem? (Kubica schaut hoch): Bei jemandem, der da oben ist. Denn es gibt einfach keine vernünftige Erklärung dafür, dass ich nicht mal einen Finger gebrochen habe. Ich hätte mich beim Treppensteigen schwerer verletzen können. Ich bin aus einem Auto befreit worden, das mich einen der schlimmsten Unfälle der Formel-1-Geschichte hat überleben lassen. Das kannst du nicht erklären. Wenn ich mit einem Formel-1-Auto von vor zehn Jahren verunglückt wäre, würden wir jetzt hier nicht reden. Darum danke an alle Leute in der FIA (Internationaler Automobilsport Verband, d. Red.), die alles für mehr Sicherheit tun.
Sie wollen Sonntag starten? Wichtig ist, dass mein Kopf in Ordnung ist. Ich habe keine Schmerzen, bin klar im Kopf und kann mich konzentrieren. Nur ist mein Knöchel nicht in perfekter Verfassung. Aber das stört nicht. Jetzt müssen die FIA-Doktoren entscheiden. Übrigens ist ein Testtag oft schmerzhafter. Ich hoffe, ich kriege die Chance in Indy (17. Juni 2007). Das ist der beste Weg zurück in die Realität.
Sie reden fast wie über einen Blechschaden... Wir sagen in Polen, was dich nicht umhaut, härtet dich ab. Du musst die Erfahrung mitnehmen und verstehen, was passiert ist. Dieser Unfall hinterlässt keine Spuren in meinem Kopf. Wenn ich auf Nummer sicher gehen will, sollte ich zu Hause bleiben. Aber dann wäre ich kein Rennfahrer.

Autor: Georg Nolte

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