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Formel 1: Rosberg gewinnt in Hockenheim

— 20.07.2014

Triumph beim Heimrennen

Überschlag von Felipe Massa, Aufholjagd von Lewis Hamilton - aber der Sieger heißt Nico Rosberg: Souveräne Leistung beim Heimrennen in Deutschland.

Das deutsche Sport-Sommermärchen findet nach dem Fußball auch bei der Formel 1 seine Fortsetzung: Nico Rosberg sicherte sich heute den Sieg bei seinem Heimrennen in Hockenheim. Der Mercedes-Pilot gewann den (durchgehend trockenen) Grand Prix von Deutschland von der Pole-Position aus mit einer souveränen Leistung vor Valtteri Bottas (Williams) und Lewis Hamilton (Mercedes).

"Es ist ein sehr besonderer Tag heute. Es freut mich auf jeden Fall riesig, hier in Deutschland gewonnen zu haben", jubelt Rosberg über seinen ersten Sieg in der Heimat. "Mein Auto lief einfach gigantisch. Wir mussten ja wie alle Teams das Aufhängungssystem ausbauen, und wir wussten nicht, wie es in Hockenheim sein würde, aber es scheint, als ob uns das nicht langsamer gemacht hat - fast im Gegenteil. Das freut mich umso mehr. Es ist einfach ein klasse Tag heute!"

Rosberg gewann den Start und war von da an eigentlich nie gefährdet. Nur eine haarige Szene gab es: Als Adrian Sutil seinen Sauber wegen eines technischen Problems in der letzten Kurve ausdrehte und dort stehen blieb, drohte kurz eine Safety-Car-Phase. Die hätte wahrscheinlich Hamilton zum Sieger gemacht, denn der Brite hatte gerade auf frische Supersoft-Reifen gewechselt, mit denen er im letzten Stint gegen die viel älteren Soft-Pneus der Fahrer vor ihm im Vorteil gewesen wäre.

Bottas legt Reife(n)prüfung ab

So bezog das Rennen seine Spannung in der Schlussphase vor allem aus dem Duell zwischen Bottas und Hamilton um Platz zwei. Hamilton hatte die frischeren Reifen, sodass ihm vom Mercedes-Kommandostand "leichtes Spiel" prophezeit wurde, aber Bottas hatte im Hinblick auf die Fahrer-WM weniger zu verlieren, hatte einen guten Topspeed auf den Geraden - sodass Hamilton in den letzten beiden Runden trotz DRS nicht mehr vorbeikam.

"Diese beiden Jungs waren vom Tempo her auch diesmal wieder zu schnell für uns", sagt Bottas, "aber immerhin konnte ich einen von beiden hinter mir halten. Es war nicht einfach, aber von den Ingenieuren aus der Box bekam ich stets die richtigen Einstellungen durchgefunkt." Hamilton sah gegen den Finnen keine Chance mehr: "Es war wirklich schwierig, am Ende noch zu überholen, aber zum Glück habe ich noch ein paar Punkte holen können."

Vom 20. Platz überhaupt so weit nach vorne zu kommen, war eine tolle Leistung von Hamilton, der mit einem langen ersten Stint und der überlegenen Mercedes-Pace einen Gegner nach dem anderen überholte. Gleich zweimal wurde ihm allerdings die Tür zugeschmissen: zuerst von Sutil, der ihn übersehen haben dürfte, dann von Jenson Button (McLaren). "Ich dachte, er macht die Tür auf, damit ich vorbei kann. Das habe ich falsch eingeschätzt", so Hamilton.

Hamiltons sensationelle Aufholjagd

Trösten kann er sich mit dem Überholmanöver des Rennens: In der 13. Runde lag Hamilton hinter Kimi Räikkönen (Ferrari) und Daniel Ricciardo (Red Bull) an neunter Stelle. Vor der Haarnadel scherte Ricciardo, schon unter Druck von Hamilton, aus, um den Ferrari zu schnappen - und Hamilton zog noch weiter nach innen und überholte alle beide in einem Aufwasch! Generell wurde heute insbesondere im Verfolgerfeld munter überholt.

Der dritte Platz bedeutet, dass Hamiltons WM-Rückstand vor Budapest (dem letzten Grand Prix vor der Sommerpause) von vier auf 14 Punkte anwächst. Geholfen hat möglicherweise, dass er nur einen Williams als Gegner hatte, denn für Felipe Massa war der Arbeitstag schon nach ein paar Sekunden beendet. Der Brasilianer erwischte den etwas schlechteren Start als Kevin Magnussen (McLaren), der in der ersten Kurve innen reinstach - und dabei zu optimistisch war.

Surer sieht Schuld eher bei Massa

Strafe gab's für den Dänen keine, außer eine Schelte von Massa: "So ein Überschlag ist wirklich gefährlich. Du kannst das Rennen nicht gleich in der ersten Runde gewinnen wollen." Formel-1-Experte Marc Surer sieht das ganz anders: "Wenn ich einen Schuldigen suchen müsste, dann eher Massa." Weil ein Routinier wissen muss, dass man am Start weiter außen bleiben sollte. Die FIA-Rennkommissare sprachen jedenfalls keine Strafe aus.

Nico Rosberg freut sich über den ersten deutschen Hockenheim-Sieg seit 2006

Sebastian Vettel (Red Bull) holte heute mit Dreistoppstrategie einen vierten Platz. "Das war das Optimum", meint er. Unmittelbar nach dem Start war er hinter Rosberg und Bottas schon Dritter, später zeigte er in der Haarnadel ein sehenswertes Überholmanöver gegen Kimi Räikkönen (Ferrari). Der Finne wurde im Sandwich zwischen Vettel und Teamkollege Fernando Alonso eingeklemmt, verlor ein Teil seines Frontflügels - und fiel auf die letzte Position in der Dreiergruppe zurück.

"Ich war mir nicht sicher, ob mich Kimi gesehen hatte, aber es war gerade genug Platz", schildert Vettel das Manöver. Im Rennverlauf wurde er auch einmal aufgefordert, Benzin zu sparen. Darauf reagierte der Lokalmatador einigermaßen sauer: "Ihr müsst mir schon sagen, was ihr wollt, ob ich überholen soll oder Benzin sparen!" Am Ende hatte er 8,4 Sekunden Vorsprung auf Alonso, der wegen eines späten dritten Boxenstopps noch zurückfiel.

Ricciardo wehrt sich gegen Alonso

Richtig spannend war es im Finish auch noch zwischen Ricciardo und Alonso, als die beiden um den fünften Platz fighteten. Mehr als zwei Runden lang ging es zwischen den beiden hin und her, bis Alonso mit den um sechs Runden frischeren und weicheren Reifen endlich vorbei war. Doch bei der Zieldurchfahrt kam Ricciardo noch einmal denkbar knapp an den Spanier heran und hätte beinahe noch einen Überraschungsangriff gestartet.

11,6 Sekunden hinter diesem Duell kam Nico Hülkenberg als Siebter ins Ziel. Der Force-India-Pilot kämpfte zwischenzeitlich mit technischen Problemen: "Wir hatten ein Problem mit dem Motor, der auf einmal Aussetzer hatte. Das Auto lief nicht mehr rund. Wir haben dann versucht, über sogenannte Defaults gewisse Sensoren lahmzulegen, um das Problem zu lösen. Das hat geklappt, aber es hat auch fünf Runden gedauert, bis ich es hingekriegt habe."

Räikkönen erneut mit stinkigem Funkspruch

Button und Magnussen brachten für McLaren die letztendlich enttäuschenden Positionen acht und neun nach Hause; der letzte WM-Punkt ging an Sergio Perez (Force India). Räikkönen schrammte um 8,3 Sekunden an einem Zähler vorbei - und lieferte wieder einmal einen "classic Kimi", als er aufgefordert wurde, noch vier Runden draußen zu bleiben. Seine stinkige Reaktion: "Der linke Vorderreifen ist total hinüber, wir MÜSSEN reinkommen!"

Für Spektakel sorgte auch Toro-Rosso-Junior Daniil Kwjat: zuerst mit einem missglückten Überholversuch gegen Perez, das nach Berührung in einem Dreher endete, dann mit einem lodernden Feuer, das seinen Ausfall bedeutete. Ein weiterer Ausfall betraf Romain Grosjean (Lotus), bei dem plötzlich der Vortrieb weg war. Lust hat der Franzose nun scheinbar keine mehr: "Was ist denn jetzt schon wieder?", raunzte er am Funk.

Sieger Rosberg hingegen hat nach dem unglücklichen Ausfall in Silverstone sein Momentum wieder gefunden und nach Siegen gegen Hamilton auf 4:5 verkürzt. Nach Punkten führt er mit 190:176. Dritter der Fahrerwertung ist Ricciardo mit 106 Punkten. Die einzigen Fahrer, die immer gepunktet haben, bleiben Alonso und Hülkenberg. Und Sutil hat nun auch einen Rekord: Kein anderer Fahrer in der Formel-1-Geschichte hat mehr Starts (119), aber keinen Podestplatz!

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