Nico Rosberg: Sein Leben in Bildern

Nico Rosberg Nico Rosberg Nico Rosberg

Formel 1: Rosberg im Interview

— 08.11.2014

Rosberg tippt WM-Endstand

Nico Rosberg spricht im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT über den WM-Kampf, zu hartes Training und warum er das Titelduell so genießt.

Hamilton, Rosberg, Ricciardo. Das war der WM-Tipp von Lewis Hamilton beim ABMS-Interview vor fünf Wochen. Jetzt durfte Nico Rosberg nachlegen. Das Ergebnis? Keine Überraschung. Auch Rosberg ist von sich überzeugt. Doch der Deutsche ist penibler. Erst mit dem dritten Entwurf war er zufrieden. Aus „Rosberg“ auf Position eins wurde „Nico“ und schließlich „Ich“...

ABMS: Herr Rosberg, Sie haben nach Lewis Hamiltons Sieg in Austin 24 Punkte Rückstand. Warum glauben Sie immer noch an den Titel?

Nico Rosberg (29): Weil weiterhin alles möglich ist. Natürlich bin ich total enttäuscht über Austin. Es sind aber immer noch 75 Punkte zu holen. Die Doppelpunkte in Abu Dhabi liebe ich jetzt schon. Obwohl sich in Brasilien schon alles ändern kann. Jedenfalls gebe ich niemals auf. Ich fahre weiter volle Attacke und Aus. Das ist recht simpel.

Wir sehen, der Wille ist da. Dennoch: Was läuft seit Spa schief?

Am meisten geschadet hat mir mein Ausfall in Singapur. Und natürlich hat mein Teamkollege bessere Rennen abgeliefert.

Falsch. Sie haben schlechtere Rennen abgeliefert...

Das weiß ich nicht. Wenn er besser fährt, muss ich auch wieder eine Schippe drauflegen. Da kommt man dann schnell in Bereiche, in denen die Luft sehr, sehr dünn ist und man schnell über dem Limit ist. Das war bei mir in Monza und nach dem Start in Sotschi der Fall.

Stimmt. Sie galten als Pilot, der so gut wie keine Fehler macht. Und dort haben Sie sich gleich dreimal verbremst.

Für mich sind das aber keine unnötigen Fehler. Ich sehe das optimistisch. Ich analysiere meine Fehler ohne Hektik und lerne draus. Ich bin jetzt hier und bin voller Energie.

Aber es geht um den WM-Titel.

Rosberg (l.) beim Interview-Selfie mit den ABMS-Reportern Bach (M.) und Garloff (r.)

Genau deshalb genieße ich meine Situation. Weil ich das erste Mal in meiner F1-Karriere ein Auto habe, mit dem ich immer und überall aus eigener Kraft gewinnen kann. Es gibt mit Lewis nur einen richtigen Gegner und nicht sieben oder acht. Zwei Rennen vor Schluss bin ich immer noch drin im WM-Kampf. Ich fange jetzt nicht an negativ zu denken.

Trotzdem hat man ab und zu den Eindruck, dass Ihr Teamkollege mehr unterstützt wird als Sie. Ist das so?

Nein. Umgekehrt gibt es ja auch Engländer, die behaupten: Mercedes ist eine deutsche Firma, also werde ich bevorzugt behandelt. Das kann ich alles sehr schnell aus der Welt räumen. Beide Fahrer werden gleichwertig behandelt. Unsere Führung lässt uns in den meisten Dingen einfach machen. Natürlich, man ist nicht immer einer Meinung. Das ist ganz normal. Aber im Großen und Ganzen haben alle auch die schwierigsten Situationen gut gemanagt. Außerdem: Ich spüre so viel Unterstützung, sogar vom Vorstand, dass solche Gedanken bei mir gar nicht aufkommen.

Aber nach der Kollision in Spa mussten Sie die Schuld auf sich nehmen und sich entschuldigen. Das ist ungewöhnlich.

Das war meine Entscheidung. Niemand hat mich dazu gezwungen. Ich fühlte, dass ich diese Verantwortung übernehmen muss. Solche Momente mögen hart sein, aber gerade in schwierigen Situationen entwickelt man sich auch menschlich am meisten weiter.

Haben Sie nach der Kollision in Spa und den Folgen Ihre Aggressivität im Zweikampf verloren?

Definitiv nicht. Ich dachte auch in Austin, ich hätte Lewis klar genug gemacht, dass ich ihn nicht vorbeilassen will. Ich hätte einfach besser fahren müssen.

Ihr Teamkollege hatte schon öfter den Luxus in seiner Karriere, ein Topauto zu fahren. Ist diese Erfahrung ein Vorteil für ihn?

Wie geht die WM am Ende wirklich aus? Rosbergs Tipp ist eine Ansage - er setzt sich selbst an die Spitze

Nein. Ich bin in der GP2 auch schon um den Titel gefahren. Da ging es auch um alles oder nichts, um meine ganze Karriere sogar. Den größten Druck mache ich mir selber. Ich habe halt diesen unbändigen Willen, dass ich Erfolg habe.

Damit wären wir wieder beim Druck. Wie gehen Sie jetzt damit um?

Ich versuche negative Energie in positive umzuwandeln. Nennen wir meinen Druck also besser positive Anspannung.

Haben Sie jemanden, der Ihnen hilft so zu denken?

Nein, das habe ich mir mit der Zeit selber beigebracht.

Sprechen  Sie mit Ihrem Vater darüber?

Weniger. Er steht mir natürlich bei, wenn ich mal eine Frage habe. Aber ich frage nicht sehr oft. Er hat mal versucht mir zu erklären: Wenn die Strecke abtrocknet musst du da hinfahren, wo es hellgrau ist. Weil da die trockenen Stellen sind. Da habe ich nur die Augen verdreht.

So ein WM-Kampf kostet viel Energie. Was machen Sie anders als im vergangenen Jahr?

Ich denke noch präziser in Richtung Rennsport. Ich bemühe mich also, noch fokussierter zu sein, weniger Ablenkung zu haben.

Welche Ablenkung?

Zu hartes Training zum Beispiel. Trainieren wurde bei mir richtig zur Sucht. Dieses Jahr trainiere ich weniger als letztes Jahr. Aber viel zielorientierter. So halte ich mein Energielevel hoch.

Wenn Sie sich einen Teamkollegen aussuchen könnten, wen würden Sie nehmen?

Auf jeden Fall Lewis. Warum einfach, wenn es auch schwer geht? Für genau diese Herausforderung bin ich ja im Sport. Es geht um Kampf. Dieses selbst noch mal über sich selbst hinauswachsen, weil der Teamkollege so stark ist.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: ABMS

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