Formel 1

Formel 1: Rosberg in Deutschland

— 30.11.2016

"Wusste nicht, ob Lewis durchdreht"

Nico Rosberg besucht seine Heimatstadt Wiesbaden und stellt sich dabei auch den Fragen der Journalisten. Auch zur Bummeltaktik von Lewis Hamilton.

Wiesbadens Oberbrgermeister Sven Gerlich (SPD) hielt es zunchst fr einen Fake, als er am Sonntag eine Facebookanfrage von Nico Rosberg erhielt: Der frisch gebackene Formel-1-Weltmeister wollte seine Geburtsstadt in Hessen besuchen und mit seinen Fans den WM-Titel feiern. Ich musste ihn dann persnlich anrufen, um zu verifizieren, dass es wirklich ich bin. Ich wurde von Station zu Station gereicht und hing minutenlang in der Warteschleife, schildert Rosberg auf der Presskonferenz launig. Ich habe auch noch den Herrn Bundesprsident Gauck eingeladen, aber der kann erst morgen hier sein.
 
Macht nichts. Rosberg hat den WM-Titel und lst mit seinem coolen Auftritt in Hessen eine kleine Nicomania in Deutschland aus. Auch, weil er sich so offen und sympathisch gibt. Man merkt dem gebrtigen Wiesbadener an, wie sehr er die Feierlichkeiten geniet. Er verrt sogar: Seine WM-Fahrt war  grausam: Das war das hrteste in meinem Leben, direkt nach der Geburt meiner Tochter. Rosberg zeugt sich endlich so, wie er ist. ein Weltmeister zum Anfassen. Locker und lustig, ein Partytier, ein Familienmensch. Mitten in der Pressekonferenz steht seine Mutter auf uns erzhlt, wie sie am Sonntag in Abu Dhabi erst vor verschlossenen Toren stand und dann dummes Zeug redete.

Whrend Rosberg frher nie mit seinem Vater verglichen werden wollte, findet er es nun groartig. "Pltzlich spreche ich so viel ber ihn, denn jedes halbe Interview dreht sich um ihn. Frher habe ich das gehasst, aber jetzt liebe ich es, denn es ist fr mich eines der emotionalsten Dinge, zu erreichen, was er erreicht hat. Das mit ihm zu teilen, sich zu vergleichen, ist wirklich eines der speziellsten Dinge fr mich."

Nico Rosberg hat allen Grund zum Feiern

Dabei musste Rosberg sich in Abu Dhabi zum Titel zittern. Der Grund: Hamiltons Bummeltaktik: Ich wusste auch nicht, wie weit treibt er das. Dreht er komplett durch und versucht mich noch von der Strecke zu fahren? Ich habe ja gesehen, was er mit allen Mitteln versucht hat. Das war in den letzten beiden Runden schon echt heftig. Ich sah die beiden Autos hinter mir und wusste: Wenn ich einen Fehler mache und die beiden durchschlpfen war die ganze Arbeit der ganzen Saison umsonst."

Trotzdem zeigte Rosberg die Gre eines Champions, verzichtete auf zu viel Kritik an Hamiltons schmutzigem Spiel: Ich finde es schade, dass das Thema so aufgebauscht wird. Es ist sehr einfach: Man kann die Teamseite verstehen, aber auf der anderen Seite verstehe ich auch Lewis. Denn da geht es um den WM-Titel nicht nur um einen Rennsieg. Da ist es klar, dass er alles versucht. Ob er selbst so gehandelt htte? Rosberg: Das ist viel zu hypothetisch, das bringt nichts, da weiter einzusteigen und ich will die Diskussion auch nicht weiterbefeuern.

Hamilton gab sich auch im Nachgang als schlechter Verlierer, hat den gestrigen Pirelli-Reifentest schon nach wenigen Minuten abgebrochen. Ich wei nicht genau, wie es ihm geht. Ich wei nur, wie es mir nach 2014 und 2015 ging, zeigt Rosberg Verstndnis. "So eine sportliche Niederlage ist schwer zu verdauen. Da muss er einige Zeit dran knappern, glaubt der 31-Jhrige.

Hamilton und Rosberg sind jetzt beide Weltmeister, haben beide gezeigt, was sie knnen. Verbessert sich jetzt ihr Verhltnis wieder? Rosberg: Ich schliee es nicht aus, aber es wird immer schwierig bleiben. Wir sind im gleichen Team und fahren immer um Rennsiege und Titel. Da ist es fast unmglich eine normale Beziehung zu haben, weil es so intensiv ist. Was uns hilft: Wir waren mit 13 Jahren beste Freunde. Das ist bei mir immer noch im Gedchtnis und ich denke bei ihm auch. Die Pressekonferenz von Nico Rosberg wurde live auf N24 gezeigt. Als Expertin zu Gast war unsere Redaktionsleiterin Bianca Garloff. Das weitere Feierprogramm von Rosberg ist intensiv: Am Freitag bekommt er auf der FIA-Gala in Wien den WM-Pokal. Am Samstag besucht er das Mercedes-Werk in Sindelfingen.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Getty Images / picture-alliance

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