Mercedes

Formel 1: Rosberg oder Hamilton

— 21.09.2016

Wer wird Weltmeister?

Unsere Reporter Ralf Bach und Bianca Garloff tippen auf den Formel-1-Champion. Wessen Argumente sind besser?

Ralf Bach: Der Tiger macht es wieder

Nico Rosberg gewann die letzten drei Rennen in Serie. Er gewann diese Saison acht Rennen. Das ist jedes zweite  –  zwei mehr als sein Teamkollege Lewis Hamilton. Er drehte nach der Sommerpause einen Punkte-Rückstand, führt jetzt bei noch sechs ausstehenden Rennen mit acht Zählern vor seinem Teamkollegen die WM an.

Lewis Hamilton

Er wirkt souverän, mit sich und seinem Mercedes-Team im Reinen und es scheint, als würde er auch den Rest der Saison immer wissen, was zu tun ist. Kurz: Alles spricht dafür, dass Nico Rosberg (31) in diesem Jahr seinen ersten WM-Titel einfahren wird. Bloß: Die Argumente, die ihn zum WM-Favoriten machen, kommen alle von der Logik, von Zahlen, von Statistiken. Trotzdem glaube ich, dass am Ende wieder Lewis Hamilton den Titel einfahren wird. Es ist ein Bauchgefühl, schwer zu erklären, aber es ist wie Gewissheit. Das Gefühl wird geprägt von der Verschiedenheit der beiden Titelaspiranten.

Da ist auf der einen Seite Nico Rosberg, der Familienmensch. Der im Privaten mit Ehefrau Vivian kuschelt und zärtlich seine kleine Tochter küsst. Dessen Freunde alle aussehen wie reiche Harvard-Absolventen mit gepflegten Frauen, die ins Heile-Welt-Schema passen. Rosberg legt ebenso viel Wert auf sein Image wie auf seine Erfolge.

Da ist Rosberg, der Analytiker auf der Rennstrecke. Der Kopfmensch, der sich sein Auto superschnell macht, weil er wie ein Mathematiker jede Zelle des Silberpfeils zerlegt, jeden gefahrenen Zentimeter anhand von Daten analysiert, sich danach das Fahrzeug-Set-up für Qualifying und Rennen  bastelt und schließlich wie nach einem Fahrplan Gas gibt und bremst.

Auf der anderen Seite haben wir Lewis Hamilton (31). Der Vollgas-Tiger, der Gefühlspilot, der eher auf sein Gefühl im Hintern hört als auf Computer und die Ingenieure, welche diese bedienen. Der im Privaten den Wilden gibt, furchtlos bei seinen Aktionen und noch furchtloser, wenn es darum geht, was die Leute über ihn denken.

Das ist ihm völlig schnuppe, er lebt für sich und nicht für den Nachbarn. Er spielt mit echten Tigern im Käfig, mit braunen zweibeinigen Kätzchen beim Karneval, er wildert mit Models bei Parties.

Im entscheidenden Moment wird er aber immer der Stärkere sein. Weil er kompromissloser lebt und am Ende auch fährt. Im entscheidenden Moment beißt er wie die Tiger, die er so liebt. In diesen kleinen Momenten der Entscheidung wird Analytiker Rosberg keine Antwort gegen Hamilton haben. Weil die ihm kein Computer oder Ingenieur vorher geben kann.

Bianca Garloff: Rosberg ist einfach WM-reif

Hamilton der kompromisslose Lenkradkünstler und Rosberg der rennfahrende Analytiker, der dem Naturtalent am Ende doch wieder unterliegt? Dieses Klischee ist längst Vergangenheit bei der Bewertung des Teamduells von Mercedes. Der Grund ist Nico Rosberg. Der längst auf einem anderen Level angekommen in der Formel 1. Er denkt nicht mehr nur. Mittlerweile fährt er genauso aggressiv wie Hamilton, lässt freiwillig keine Tür mehr offen, signalisiert auch nach außen: Dieses Jahr wird keiner Weltmeister außer ich!

Nico Rosberg

Sieben Rennen in Serie gewinnt man nicht als Vize-Rosberg. Mehr noch: Nach einer Schwächephase vor der Sommerpause hat sich der Mercedes-Star eindrucksvoll zurückgekämpft auf die Siegerstraße. Das haben ihm viele nicht zugetraut. Drei weitere Triumphe in Folge haben selbst Hamilton zum Nachdenken gebracht. Wie ein Häufchen Elend saß der Brite nach dem GP in Singapur in der Team-Hospitality und musste sich für seine Parties während der Sommerpause rechtfertigen. Er wirkte lustlos, demotiviert, alles andere als kämpferisch.

Währenddessen ging Rosberg noch einmal zurück an die Stätte seines Erfolgs, ließ sich mit Pokal auf der Start-Ziel-Geraden ablichten. Das waren zwei unterschiedliche Welten. Die des strahlenden Siegers, der die Saison erneut zu seinen Gunsten gedreht hat. Und die des Verlierers, der langsam nicht mehr weiß, wie er Rosberg noch kriegen soll. Dem der letzte Biss fehlt und auch das Quäntchen Glück. Der Technikteufel schlägt dieses Jahr nur bei Hamilton zu – wie 2014 bei Rosberg. Selbst Mercedes-Techniker schüttelten nach dem Singapur-Rennen mit dem Kopf: „Lewis“, sagten sie, „der wird dieses Jahr wirklich kein Weltmeister.“ Weil Rosberg das Momentum zurück auf seine Seite gebracht hat.

Es stimmt: Auch 2014 lag der Deutsche nach Halbzeit in der WM vorne – und verlor den Titel trotzdem. Doch die Saison ist mit der aktuellen nicht vergleichbar. Damals wurde er durch die Ereignisse nach der Kollision von Spa aus der Bahn geworfen. Weil er sich öffentlich entschuldigen musste, fuhr er anschließend wie ein Schatten seiner selbst.

Heute passiert ihm das nicht mehr. Weil Mercedes aus der Situation gelernt hat und er selbst auch. Der Rosberg des Jahres 2016 ist mental stärker als je zuvor, macht keine Fehler, hält im Zweikampf dagegen und überholt seinen Teamkollegen wie am Start in Spanien auch mal auf der Außenbahn. Er riskiert den Crash, wenn Hamilton nicht nach seinen Regeln spielt. Das Weichei-Image sollte dieser Nico R. längst los sein, denn er fährt wie ein echter Mann.

Und wem all diese Argumente immer noch nicht reichen, dem sei gesagt: Rosberg hat acht Saisonsiege  – und es gab noch niemanden, der mit acht Siegen KEIN Weltmeister wurde!
Mega-Ding mit Mega-Emotionen: Das Siegerinterview mit Rosberg

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: picture-alliance; Hersteller

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