Pressestimmen USA GP

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Formel 1: Rosberg stinksauer auf Hamilton

— 26.10.2015

Kappen-Zoff und Start-Stress

Stress statt Party, fliegende Kappen und Eiszeit auf dem Podium in Austin: Zwischen den Mercedes-Stars Nico Rosberg & Lewis Hamilton knallt es wieder.

Es kracht und knallt bei Mercedes. Dafür sind in Austin aber nicht nur die Sektkorken verantwortlich. Nach einem spannungsgeladenen USA GP stehen die Teamverantwortlichen bei den Silberpfeilen vor der Aufgabe, einmal mehr eine entstehende Kluft zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg zu kitten. Die Feierlichkeiten über den zweiten WM-Titel des Briten in Folge, gerieten dabei fast ein wenig zur Nebensache - denn erst spielten sich auf der Strecke und anschließend daneben Szenen ab, die bei Mercedes noch für viel Zündstoff sorgten dürften. Nach der Zieldurchfahrt warteten die Fahrer gerade auf die Siegerehrung als es sich der frischgebackene Champion Hamilton nicht nehmen lassen konnte, Rosberg in der Stunde seiner Niederlage zu demütigen.

Eine Demütigung und die Reaktion

Der Auslöser: Hamilton bewirft Rosberg mit der Kappe für Platz zwei, Teamchef Paddy Lowe (l.) greift nicht ein

Er warf seinem Teamkollegen die Mütze von Sponsor Pirelli zu - in etwa so, wie man einem Hund einen Knochen zuwirft. Pikant: Die Mützen für die ersten Drei sind durchnummeriert. Eine fette '2' also für Rosberg, die Nummer zwei an diesem Tag und in dieser Saison. Entsprechend wertete auch Rosberg Hamiltons Aktion. Denn der Deutsche, der sowieso schon angefressen und mit seinem rennentscheidenden Fehler sieben Runden vor Schluss hadernd auf einem Stuhl in jenem Hinterzimmer in Austin saß, schnappte sich die Kappe und pfefferte sie unverzüglich zurück in Richtung Hamilton. Mit durchdringend bösem Blick sah er seinen Konkurrenten an, der Brite hingegen reagierte verdutzt.
Die Szene, von den Kameras der Weltregie zur Freude der Öffentlichkeit eingefangen, endete genauso abrupt wie sie angefangen hatte, denn die Fahrer mussten anschließend schnell raus aufs Podest zur Podiumszeremonie. Während Rosberg voller Frust sogar auf das obligatorische Champagner-Spritzen verzichtete, wurden keine Worte gewechselt. Umso mehr dafür aber später auf der Pressekonferenz. Und hier holte der Wiesbadender diesmal zum Gegenangriff aus. Rosberg machte vor allem seinem Unmut über das Zustandekommen des Resultats in Austin Luft, angefangen mit dem Start. „Der Start nervt mich sehr. Das war extrem aggressiv und ich habe ein Recht auf ein Stück Strecke“, sagte Rosberg mit Blick auf Kurve eins, in der er von Hamilton abgedrängt wurde - nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. „Dass mein Teamkollege mich extra verhungern lässt und sogar noch in mich reinfährt, geht meiner Meinung nach klar einen Schritt zu weit.“
Lewis Hamilton im WM-Interview: Konnte den Titel schon schmecken

Lauda hat Verständnis für Rosberg

Noch eine Szene, die Rosbergs Gemüt erhitzte: Hamilton drängt ihn am Start ab und fährt ihm rein

Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda unterstützte die Einschätzung Rosbergs. „Nico hat Recht, das war ein Schritt zu viel. Lewis hat ihm keine Möglichkeit gegeben durch die Kurve zu kommen und sie haben sich auch noch berührt“, erklärte der Österreicher. „Beim letzten Mal (in Suzuka; d. Red.) als Lewis innen war und klar die bessere Linie hatte, hatte ich nichts dagegen. Das heute war aber hart am Limit und vor allem nicht notwenig“, so Lauda. „Lewis will sich natürlich durchsetzen, aber er hätte ihm auch ein kleines bisschen mehr Luft lassen können.“ Laudas Landsmann Toto Wolff fügte hinzu: „Das Manöver in Kurve eins war natürlich hart. Lewis hat sich am Funk auch gleich dafür entschuldigt.“

Die besten Bilder vom USA GP

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Die Grenze dessen, was unter Teamkollegen erlaubt ist, sei dennoch überschritten worden: „Es war zu hart und Lewis weiß das. Erst als Nico dann wieder geführt hat, war das Ergebnis moralisch das richtige. Aber am Schluss ist es eben anders gekommen.“ Denn Rosberg schmiss den Sieg spät im Rennen selbst weg. „Dass er seine WM-Chance durch einen eigenen Fehler verloren hat, schmerzt ihn noch zehnmal mehr als das am Start, wenngleich er mit dem Thema Recht hat“, glaubte Lauda. „Wenn ich Nico wäre, würde ich mich jetzt richtig ärgern und das tut er ja auch. Das mit der ersten Kurve kann passieren. Er hat es ja wieder ausgemerzt, die anderen eingeholt und ist allen um die Ohren gefahren“, sagte der Ex-Weltmeister in Bezug auf seinen Schützling.

Sieg und WM-Chance weggeworfen

Die Kluft könnte kaum noch größer sein, die Mienen sprechen Bände: Bei der PK motzte Rosberg los

Doch Rosbergs eigentlich starkes Rennen sollte kein gutes Ende nehmen, wie auch Lauda wusste: „Der Fehler hat ihn den Sieg gekostet und das wird ihn heute richtig wurmen.“ Was genau los war, als der Deutsche seine Führung sieben Umläufe vor dem Fallen der Zielflagge in Kurve 16 an Hamilton abgeben musste, konnte sich Rosberg nach dem Rennende selbst nicht genau erklären. „Unglaublich! Ich verstehe es nicht. Das ist mir noch nie passiert, dass beim normalen Fahren an dieser Stelle die Hinterräder durchdrehen und ich mich fast wegdrehe“, schüttelte der 30-Jährige traurig den Kopf. „Ich muss schauen, was da los war und ob es meine Schuld war. Oder etwas mit dem Auto. Jedenfalls war es heftig, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich das Ding sonst heute nach Hause gefahren hätte.“ In diesem Fall wäre der Ärger über den Start wohl auch deutlich besser zu verkraften gewesen.
Alle News aus Austin: Der USA GP im Splitter

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / Sky Sports

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