Rosberg

Formel 1: Rosberg und Vettel

— 02.08.2016

Als Verlierer in die Sommerpause

Sebastian Vettel und Nico Rosberg dürften alles andere als glücklich in die Formel-1-Sommerpause gehen. Beide fuhren zuletzt den Erwartungen hinterher.

Schlimmer hätte es für das gemeine deutsche Sportvolk beim Deutschland GP nicht laufen können: Die einheimischen Superstars Nico Rosberg (Mercedes) und Sebastian Vettel (Ferrari) wurden schwer geschlagen, ein Engländer feiert und Österreicher und Holländer sorgen für die beste Show.

Am schlimmsten: Die Ereignisse beim Rennen in Hockenheim waren ein Spiegel für die Zukunft. Spiegel Nummer eins: Nico Rosberg. Viel hatte sich der Deutsche beim Heimrennen vorgenommen. Der gebürtige Wiesbadener mit Wohnsitz in Monaco wollte nicht nur sein Heimrennen gewinnen, er wollte zudem die WM-Führung von Teamkollege Lewis Hamilton zurückerobern.

Was passierte: Nach der Pole-Position am Samstag verschlief er den Start, seine Reifen bauten im Rennen zu schnell ab, eine Strafe für ein unfaires Überholmanöver gab's obendrein. Am Ende wurde Rosberg nur Vierter hinter Hamilton und den beiden Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo (Australien) und Max Verstappen (Holland). In der WM-Wertung hat der Deutsche jetzt 19 Punkte Rückstand auf den immer mehr als unbezwingbar wirkenden Hamilton. Das ist fast ein Sieg, für den es in der Königsklasse 25 Punkte gibt.

Für die deutschen Formel-1-Hoffnungen Rosberg und Vettel läuft es derzeit nicht gut

Nur ganz wenige Experten glauben noch an die Titelchancen des Deutschen, obwohl erst zwölf von 21 Rennen gefahren sind. Grund: Hamilton gewann sechs der letzten sieben Rennen. "Die WM wird jetzt sehr schwer", sagt beispielsweise Ex-Mercedes-McLaren-Pilot David Coulthard zu ABMS. Der Schotte weiter: "Mental war der 'Auswärtssieg' für Lewis wie ein Sechs-Punkte-Spiel im Fußball!"

Nur Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve hält von den Insidern noch die WM-Chancen von Rosberg hoch. "Zugegeben", so der Kanadier, "Hockenheim war nicht gut für Rosberg. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Nico wütender ist und hungriger auf den Titel als Lewis. Der will nur noch den Superstar spielen während Nico die Siege will. Ich glaube am Ende wird das trotz aller Entwicklungen den Unterschied für Rosberg ausmachen!"

Noch trostloser sieht es für Sebastian Vettel bei seiner Mission aus, Ferrari wieder wie einst Michael Schumacher zu Triumphen und Titel zu führen. Spiegel Nummer zwei: Ferrari wirkt im Moment wie ein Schiff in einer stürmischen, extrem nebeligen See. Jeder stochert herum, erkennt weder Freund noch Feind, aber alle hoffen, dass ihnen das helle Licht, das in der Ferne wie ein Leuchtturm auf einem Berg steht, den richtigen Weg weist. Der Leuchtturm ist Präsident Sergio Marchionne, nach dem sich alle orientieren. Problem: Für viele erweist sich der Leuchtturm als Irrlicht - sie zerschellen an einer Klippe wie jüngst Cheftechniker James Allison, der kurz vor Hockenheim frustriert das Handtuch warf.

Ein Grund für das Chaos beschreibt ein Insider, der mit Ferrari zu tun hat: "Bei Meetings sitzen oft bis zu acht Ferrari-Mitarbeiter aus acht Abteilungen mit am Tisch. Mit dem Ergebnis: acht Ferrari-Leute, acht Meinungen!" Vettel stellt sich dennoch immer noch demonstrativ vor sein Team. Aber glaubt er das auch? Denn die Tendenz zeigt klar nach unten. Statt Herausforderer Nummer eins von Mercedes zu sein, wurde Ferrari von Red Bull überholt. Die Tendenz geht dabei weiter nach unten. Es ist deshalb nicht arrogant, wenn Vettels Ex-Chef-Chef, Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko meint: "Wer bis 2020 Weltmeister werden will, muss in einem Mercedes oder Red Bull fahren!"

Vettel, der nach außen den Lockeren gibt, kocht innerlich, glauben Experten. Gerade der Statistikvergleich mit Hamilton müsste ihn in Rage bringen, sind sich Vettel-Insider wie Helmut Marko sicher. "Er studierte bei uns immer stundenlang, wo er in welchem Bereich gerade in der aktuellen ewigen Rangliste steht", sagt Marko.

Pannen wie der Reifenplatzer von Spielberg ziehen sich durch Vettels Saison

Allein die aktuellen Zahlen müssen Vettel deshalb zu denken geben. Ende 2014 hatte der Heppenheimer vier WM-Titel und 39 Siege auf dem Konto. Seit seinem Wechsel zu Ferrari Anfang 2015 kamen nur drei Siege dazu, aber kein Titel. Lewis Hamilton lag Ende 2013 mit einem Titel und 33 Siegen klar im Hintertreffen im für Vettel so wichtigen Zahlenvergleich. Heute steht der Brite kurz vor seinem vierten Titel und hat bereits 49 Siege auf seinem Konto. Besserung ist nicht in Sicht. "Vettel muss jetzt ehrlich sein zu sich selbst und sich die Frage stellen: Weiter Dolce Vita bei Ferrari oder das Team wechseln", redet Ex-Ferrari-Pilot und Vettel-Teamchef bei Toro Rosso Gerhard Berger Klartext.

Für die größte Unterhaltung in Hockenheim sorgten der Australier Daniel Ricciardo und sein holländischer Teamkollege Max Verstappen im österreichischen Red-Bull-Team. Beim Start trennten die beiden nur Millimeter im beinharten Erste-Kurven-Duell. "Aber", sagt Helmut Marko, "das ist der Unterschied. Die beiden respektieren sich im Gegensatz zu den Mercedes-Piloten." Berger gibt sogleich die nahe Zukunftsperspektive, die für die Deutschen Noch-Superstars Rosberg und Vettel eher düster aussieht: "Spätestens 2017 sind Ricciardo und Verstappen die stärkste Fahrerpaarung in der Formel 1."

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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