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Formel 1: Interessante Zahlen zur Formel-1-TV-Produktion

Formel 1: Ross Brawn exklusiv

— 27.09.2017

Brawns neuer Kommandostand

Formel-1-Sportchef Ross Brawn schaut die Rennen der Königsklasse in der TV-Kommandozentrale. ABMS traf den Briten in seinem Revier. 

Das Regiezentrum der Formel 1. Zu Zeiten von Bernie Ecclestone war das absolute Tabuzone. Unter dem neuen Sportchef Ross Brawn (62) ist alles anders. Er schaut im TV-Center nicht nur Qualifyings und Rennen. Und er hat AUTO BILD MOTORSPORT und SPORT BILD sogar eingeladen, mit ihm Zeittraining und Start zum GP Singapur zu schauen. Wir sind die ersten Reporter in der Mega-Regie der Formel 1! Alle Infos zum TV-Center finden Sie in der Bildergalerie.

Formel 1: Interessante Zahlen zur Formel-1-TV-Produktion



Herr Brawn, wir sitzen hier im Regiezen­trum der Formel 1, Ihrem neuen Kommandostand. Was ist komplizierter: die gesamte F1-Welt im Blick zu behalten oder am Kommandostand einen GP zu dirigieren?
Ross Brawn:
Am Kommandostand war es für mich mit mehr Stress verbunden. Aber auch das hier ist ein ziemlich komplizierter Job. Unsere Regisseure müssen immer auf der Höhe des Geschehens sein.

Unsere ABMS Reporter Ralf Bach und Bianca Garloff mit F1 Sportchef Ross Brawn

Sind Sie an Ihrem neuen Kommandostand relaxter als an Ihrem alten?
Natürlich. Ich sitze hier ja auch als Formel-1-Enthusiast. Aber ich versuche mich auch einzubringen. Wenn mir zum Beispiel auffällt, dass sich eine bestimmte Rennstrategie entwickelt, weise ich den Regisseur darauf hin.

Nicht einfach bei insgesamt 415 Monitoren den Überblick zu bewahren

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem ersten Jahr als Formel-1-Sportchef?
Sehr zufrieden. An der Spitze kämpfen drei Teams um den Sieg. Natürlich erinnere ich mich gern an meine Ferrari-Zeit mit Schumi zurück. Aber Dominanzen sind immer schlecht für den Sport. Wir haben jetzt echten Wettbewerb. Lewis gegen Sebastian, das lockt die Fans wieder an. Wir hatten bei einigen Rennen schon eine Rekordkulisse. Und wenn unsere Webseite im nächsten Jahr noch mehr Inhalte bereitstellt, werden wir das Ganze noch einmal auf ein höheres Level heben. Wichtig bleibt aber, dass der Sport gut ist. Zu viel Sahne auf einem guten Kuchen schadet nur.

Kann Ferrari Mercedes ernsthaft fordern?
Ja! Hut ab, Ferrari macht einen tollen Job. Und es ist unausweichlich, dass es mich an meine Zeit in Rot mit einem anderen deutschen Fahrer erinnert. Sebastian ähnelt Michael in seiner Art sich hinter das Team zu stellen und als Teil des Ganzen zu sehen. Ich erkenne dieselbe Disziplin und denselben Fokus.

Kann Vettel erster Weltmeister in Rot seit Kimi Räikkönen werden?
Ja! Mercedes hat gerade einen Lauf und macht einen super Job, aber die WM ist noch nicht entschieden. Singapur war ein typischer Startunfall. So etwas kann passieren. Ferrari kann weiter aus eigener Kraft Weltmeister werden. Und Vettel ist ein Kämpfer, der nie aufgibt. Wenn er es noch schafft, dann mehr als verdient.
Vettel mit Kampfansage gegen Mercedes: "Ich glaube, dass ich es schaffe"

Wie schaffen Sie es objektiv zu bleiben?
Ich habe das Glück, für verschiedene Teams gearbeitet zu haben. Ferrari, Mercedes, Benetton (heute Renault; d. Red.). Interessant ist auch: James Allison (heute Mercedes-Technikchef; d. Red.) war bei Ferrari mein Aerodynamikspezialist an der Strecke, Mattia (Binotto, Ferrari-Technikchef; d. Red.) schon damals ein entscheidender Motoreningenieur. Bei beiden konnte man damals schon sehen, dass sie fachlich und mental stark sind.

Sie haben Lewis Hamilton zu Mercedes gebracht …
… deshalb stimmen mich seine Leistungen im Silberpfeil auch zufrieden. Sie zeigen, dass die Entscheidung damals die richtige war. Ich glaube im Übrigen auch, dass er gut mit dem Team zusammenarbeitet.

Bildergalerie: Top 100 Grid Girls der letzten Jahre



Und sein Rockstar-Image?
Das ist natürlich auch gut für die Formel 1. Wir wollen Fahrer wie ihn auch dabei unterstützen, ihr Profil noch weiter zu schärfen. Andere Fahrer wie Sebastian bevorzugen ein ruhiges Leben. Auch das ist ok für uns. Sebastian ist eben unser Rockstar auf der Rennstrecke.

Trotz all der Euphorie, was müssen Sie noch ändern, um die Formel 1 weiterhin attraktiver zu machen?
Wir brauchen definitiv mehr Autos, die siegfähig sind, ein noch engeres Feld, mehr unterschiedliche Strecken. Der Motor macht immer noch einen zu großen Unterschied. Kurzfristig können wir da nicht viel machen. Langfristig werden wir den Antrieb vereinfachen und damit seinen Einfluss auf die Performance des Gesamtpakets verringern.  Eine Budgetobergrenze würde ebenfalls helfen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Hersteller / Picture-Alliance / Jerry Andre / B. Garloff

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