Die besten Bilder aus Spanien

Die besten Bilder aus Spanien Die besten Bilder aus Spanien Die besten Bilder aus Spanien

Formel 1: Sainz-Doppelinterview

— 13.05.2016

„Mein Sohn ist talentierter als ich“

Carlos Sainz Jr. geht für Toro Rosso in der F1 auf Punktejagd - sein Vater gilt seit Jahren als Rallye-Ikone. AUTO BILD MOTORSPORT traf beide zum Interview.

Herr Sainz junior und Herr Sainz senior, wer ist der bessere Fahrer?

Sainz sr.: Das ist in unserem Fall schwierig zu beurteilen. Ich war Rallyefahrer, er fährt in der Formel 1. Ich glaube aber, dass er das größere Naturtalent ist. Vom Fahrgefühl her. Er ist noch sehr jung und muss es sich vor allen Dingen sich selbst beweisen. Sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Sainz sr.:  Teils, teils. Am Ende ist er eine eigene Persönlichkeit, der die Dinge manchmal genauso angeht wie ich und manchmal völlig anders.

Wie beurteilen Sie ihn als Formel-1-Fahrer?

Sainz sr.: Er ist sehr schnell und sehr intelligent?

Was haben Sie von Ihrem Vater gelernt?

Sainz jr.: Die Einstellung, die Champions brauchen. Und den ewigen Hunger aufs Gewinnen.

Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Ihr Vater nicht ein normaler Daddy ist, sondern ein Superstar und Volksheld in Spanien?

Ein starkes Duo: Carlos Sainz jr. und Carlos Sainz sr.

Sainz jr:. Mit  zehn Jahren wusste ich schon, dass mein Vater ein extrem erfolgreicher Rallyepilot war. Ich schaute mir damals eine Menge Videos an. Doch ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde, war sein Showrun durch Madrid um allen „Auf Wiedersehen" zu sagen. Die ganze City war abgesperrt und überall waren Menschen. Für mich war das ein extremes Gefühl damals. Da wusste ich erst, wie groß mein Dad wirklich war.

Waren Sie nur stolz oder auch ein wenig erschrocken?

Sainz jr.: Am Anfang war ich richtig geschockt. Aber dann nur noch stolz auf ihn.

Sind Sie ebenso stolz auf Ihren Sohn?

Sainz sr.: Natürlich bin ich das. Obwohl er erst am Anfang seiner Karriere steht. Er lernt extrem schnell und er wird in der Zukunft noch viel mehr zeigen, welche großen Fähigkeiten er hat.

Förderten sie von Anfang an, dass Ihr Sohn ein Rallye- oder Rennfahrer wird? Oder passierte es einfach?

Sainz jr. bestreitet sein zweites F1-Jahr mit Toro Rosso

Sainz sr.: Nein. Am Anfang fuhr er nur aus Spaß. Ich hatte in Madrid eine Indoor-Kart-Bahn, da fuhr er mit fünf Jahren schon rum. Auch die ersten Indoor-Rennen waren just for fun. Aber man konnte sein Naturtalent schon erkennen. Ich erklärte ihm einmal was und schon hatte er es drauf. Als er später anfing draußen Rennen zu fahren, wurde das Ganze immer ernsthafter.

Warum wurde er kein Rallyepilot?

Sainz sr:. Gute Frage, vielleicht wäre das für mich einfacher gewesen. Aber mit 15 war er schon in einsitzigen Rennautos unterwegs, deshalb hat sich die Frage nie gestellt. Dann kam noch was dazu: Fernando Alonso wurde Weltmeister in der Formel 1. An ihm orientierte sich Carlos.

Sainz jr:. Absolut. Ich verfolgte alle Rennen Fernandos, er war mein Held. Ich wollte Formel-1-Fahrer werden wie er. Dann kam noch dazu, dass ich früh von Red Bull gefördert wurde. Schon in der Formel BMW sind sie auf mich aufmerksam geworden.

Ist ein Vorteil oder wegen des enormen Drucks ein Nachteil, einen solch berühmten Vater zu haben?

ABMS-Reporter Ralf Bach mit Vater und Sohn Sainz

Sainz jr.: Beides. Der Druck war am Anfang für mich größer. Bei den ersten Kartrennen achteten sie besonders auf mich. Die Eltern der anderen Kids wollten unbedingt wissen, wie sich der Sohn des berühmten Carlos so anstellt. Klar, dass ihre Kinder besonders mich schlagen wollten. Das war der Nachteil. Die Vorteile aber sind größer: Es ist total wichtig, einen Weltmeister neben dir zu wissen. Du kannst von ihm lernen. Da ist es egal, ob er Weltmeister in der Rallye war oder beim Badminton. Es geht um die besondere Attitüde, die du von ihm lernen kannst.

Waren Sie ein strenger Vater?

Sainz sr.: Es war immer schwer, die richtige Balance zu finden. Einerseits bist du der liebende Vater. Andererseits auch eine Art Lehrer, der seinem Sohn weiterhelfen will. Ich entschied mich, immer ehrlich zu ihm zu sein. Das heißt ihm von Anfang an zu sagen, was nicht gut war und warum. Kann schon sein, dass es manchmal hart für ihn war, so direkt zu sein. Obwohl ich innerlich sehr stolz auf ihn war, konnte ich ihn nie richtig loben, sondern hielt den Ball immer flach. Aber so bin nun mal.

Wie ging Ihre Mutter damit um, dass jetzt auch der Sohn Autorennen fahren will?

Sainz jr:. Tja, erst mal wollte sie, dass ich glücklich bin. Und da ich das mit meiner Rennerei war, akzeptierte sie es. Aber ich glaube, es war nicht einfach für sie. Sie begleitete jahrelang meinen Vater bei seiner Karriere, hatte bestimmt oft Angst, weil Rennen immer noch gefährlich sein können. Und jetzt erlebt sie das gleiche noch mal mit ihrem Sohn.

Haben Sie Ihrem Vater immer zugehört?

Sainz jr. wird eine erfolgreiche Zukunft bescheinigt

Sainz jr.: Ja, immer. Nur manchmal war es schwierig, weil ich einen anderen Blickwinkel hatte als er von außen. Dann gab es halt Diskussionen. Ich würde aber sagen, dass er 99,9 Prozent immer Recht hatte.

Ist das heute noch so?

Sainz jr.: Nein. Er weiß, dass ich heute im Job erwachsen bin. Über hundert Leute bei Toro Rosso müssen mir vertrauen. Er weiß, dass er mir heute nicht mehr sagen muss, wie ich ein Auto fahren muss. Seine Unterstützung ist trotzdem noch groß. Indem er mir sagt, wie gewisse Dinge von außen betrachtet aussehen.

Was haben Sie ihm nach dem Konflikt mit Teamkollegen Max Verstappen beim Rennen in Melbourne gesagt?

Sainz sr.: Er soll sich zunächst mal auf sich selbst konzentrieren. Er soll seine Energien einzig alleine auf seine Arbeit konzentrieren und sie nicht durch unnötige Dinge verschwenden.

Haben Sie Angst um Ihren Sohn?

Sainz sr.: Jeder, der in Motorsport involviert ist, kennt die Gefahren. Aber wenn du musst das ausblenden, sonst...

Sainz jr.: ... sonst bist du nicht mehr schnell genug.

Die Gefahr fährt immer mit: Sainz' Sotschi-Crash 2015

Sainz sr.: ... eben. Als Rallyefahrer musste ich die Gefahren auch immer ausblenden. Rallye ist immer noch gefährlicher als Formel 1. Alleine, weil du da mitten durch den Wald fährst und immer einen Baum treffen kannst. Aber Formel-1-Autos sind extrem schnell, da kann immer was passieren. Zum Glück sind die Sicherheitsstandards extrem hoch. Als Carlos den schweren Unfall letztes Jahr in Sotschi hatte, wurde das zum Glück wieder deutlich bewiesen.

Sainz jr:. Ich habe eine Menge Respekt vor Formel-1-Piloten. Aber was Rallyepiloten wie mein Vater leisten, das ist nochmal eine Stufe höher.

Sainz sr: Wobei ich glaube, dass Carlos ein ebenso guter Rallyefahrer sein könnte. Weil er eine extrem gute Fahrzeugkontrolle hat.

Was kann ihr Sohn in der Formel 1 noch erreichen?

Sainz sr.: Ich bin total zuversichtlich, dass er Weltmeister werden kann. Er ist erst 21 und hält alles in seinen Händen.

Was wäre der beste nächste Schritt in der Karriere?

Sainz sr.: Ich bin der Meinung, dass er nächstes Jahr darauf vorbereitet ist, in ein  stärkeres Team zu wechseln. Im Moment ist Toro Rosso genau das richtige Team, aber ich rede von 2017. Nach 15 Jahren in der Red-Bull-Familie sollte Red Bull ihm dann die Chance geben.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: J. Andre / motorsportpics.de / Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.