Formel-1-Saison 2006

Formel-1-Saison 2006

— 21.03.2006

Überstunden bei BMW

Nach zwei verendeten V8-Aggregaten in Bahrain und Malaysia kommt BMW-Motorsportchef Theissen nicht zur Ruhe, die Sauber-Fusion schlaucht zusätzlich.

Mario Theissen stiefelte geschwind zum Ausgang des Fahrerlagers, er mußte sofort nach Ende des Rennens weg zum Flughafen von Kuala Lumpur. Kurze Zeit später saß der BMW-Motorsportdirektor schon wieder am Schreibtisch seines Büros in der Münchner Nordstadt. Die Motorenchefs der elf Formel-1-Rennställe huschen derzeit nur schemenhaft durchs Fahrerlager, und wenn sie einmal stehen bleiben, ist ihre Blässe unübersehbar, obwohl sie sonnige Einsatzgebiete haben.

Die gehetzten Ingenieure machen reichlich Überstunden in den Garagen an den Rennstrecken und in den Fabriken der Stammsitze. Es geht um akute Pannenhilfe. Bei den ersten zwei Rennen mußten insgesamt zehn Triebwerke ausgetauscht werden, so viele wie noch nie an zwei Grand-Prix-Wochenenden. Sie hatten entweder Totalschaden oder andere Mängel, die zum außerplanmäßigen Wechsel führten. "Die Entwicklungszeit war einfach zu kurz", sagt Theissen. Er flog wie fast alle seine Kollegen selbst zwischen der nur einwöchigen Rennpause zwischen Bahrain und Sepang zurück an den Teamsitz.

In Bahrain fackelte der Motor im Wagen von Jacques Villeneuve nach einem Kurbelwellenschaden ab, in Sepang blieb Nick Heidfeld mit Triebwerksschaden liegen. Theissen hat sich viel Arbeit aufgehalst. Neben der Entwicklung des BMW-Achtzylinders überwacht der promovierte Ingenieur als De-facto-Teamchef die Zusammenführung des bayerischen Automobilherstellers mit den Schweizer Sauber-Privatiers. Seit acht Monaten arbeiten die Abteilungen in München (Getriebe, Motor, Elektronik) und Hinwil/Schweiz (Karosse) eng zusammen. Bis 2007 soll die Konsolidierung abgeschlossen sein. Das letzte ehrgeizige Projekt war die Bildung eines eigenständigen Testteams.

Nach dem enttäuschenden Saisonauftakt in Bahrain war die Ankunft in Malaysia eine Wohltat. "Das ist unglaublich. Wir haben hier mehr Fans als Ferrari", wunderte sich Nick Heidfeld. "Man hatte den Eindruck, die ganze Stadt steht hinter dem Team. Das war ein tolles Gefühl", befand Theissen. BMW-Hauptsponsor Petronas ist einer der größten Arbeitgeber Malaysias. Die BMW-Piloten eröffneten zum Dank eine Tankstelle, schrieben Autogramme, kegelten mit Kokosnüssen und bastelten Styroporflugzeuge. Die Partystimmung wurde bis vor dem Rennen aufrechterhalten. Für Nick Heidfeld gab es eine Torte für den 100. Grand Prix.

Im Rennen dann fuhr Villeneuve auf Platz sieben immerhin die ersten zwei WM-Punkte für BMW ein, die Peter Sauber "sehr glücklich" machten. Der ehemalige Teambesitzer, der noch als Berater für BMW tätig ist, war zum ersten Mal für den neuen Rennstall an der Strecke. "Hauptsache, daß die Leistung gestimmt hat." Unabhängigere Experten waren weniger euphorisch: "Sie sind solide unterwegs, aber nicht berauschend", bilanzierte der frühere Weltmeister Niki Lauda.

Noch hapert es etwas an der Verständigung im Team. "Wir müssen uns alle noch genau kennenlernen", sagt Heidfeld, der so etwas wie ein Bindeglied zwischen Sauber und BMW ist, weil er schon vor der Fusion für die Schweizer fuhr. In Sepang gab es Ingenieure, die Kisten für den nächsten Grand Prix in Melbourne zusammenpackten und schwyzerdütsch sprachen. Neben ihnen palaverten Kollegen bayerisch. Am Ende diskutierten sie englisch, der Einfachheit halber.

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