Formel-1-Saison 2009, Lewis Hamilton McLaren-Mercedes

Formel-1-Saison 2009

— 07.04.2009

Mercedes hält Hamilton bei McLaren

Der Lügenskandal von Australien zeigt Wirkung: Die Vertrauensbasis zwischen Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und McLaren ist zerstört. Hamilton würde am liebsten das Team wechseln.

Das Verhältnis zwischen Weltmeister Lewis Hamilton (24) und seinem Team McLaren droht nach der Lügen-Affäre vom F1-Saisonauftakt zu zerbrechen. Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT spielte der Brite noch vor dem Monsunrennen in Malaysia mit dem Gedanken, sich von seiner Mannschaft zu trennen. Vater und Manager Anthony Hamilton erkundigte sich im Fahrerlager von Sepang sogar schon nach Wechselmöglichkeiten und brachte gegenüber Vertrauten seine Sorge zum Ausdruck, sein Sohn stünde wegen seines nach der Lügenaffäre angekratzen Images vermutlich bei nur wenigen Teams ganz oben auf der Wunschliste. Hintergrund: Nach dem ersten Rennen in Melbourne hatte McLaren-Teammanager Dave Ryan Hamilton zur Falschaussage vor den Rennkommissaren angestiftet. Ziel: Platz drei zurückerobern, den das Silberteam nach einem Strategiefehler verloren hatte. Konkret sollte Hamilton leugnen, dass er Toyota-Pilot Jarno Trulli  in einer Safetycar-Phase (Überholverbot) freiwillig passieren ließ.

Nicht nur die Temperaturen in Malaysia brachten Hamilton ins Schwitzen. Am liebsten würde er McLaren verlassen.

Doch nach der Analyse des Boxenfunks flog in Malaysia der Schwindel auf. Hamilton stand als Lügner da und wurde wegen irreführender Aussagen gegenüber den Rennkommissaren nachträglich disqualifiziert. Noch schlimmer aber für den Weltmeister: McLaren-Chef Ron Dennis wollte angeblich nichts tun, um den Ruf seines Ziehsohnes zu retten. Im Alleingang organisierten Manager Anthony Hamilton und McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh deshalb eine Pressekonferenz, auf der Lewis Hamilton seine Hände in Unschuld wusch. O-Ton: McLaren habe dem 24-Jährigen befohlen zu lügen. Zudem wurde Teammanager Dave Ryan von Whitmarsh suspendiert. 80 Anrufversuche von Ron Dennis, der nach dem Australien-GP zurück nach England geflogen war, haben Whitmarsh und Vater Hamilton dabei einfach ignoriert. Doch ein fader Nachgeschmack blieb: Denn in Hamiltons Augen schaden die ständigen McLaren-Affären (zuletzt der Streit mit Alonso und der Spionage-Fall mit Ferrari) seinem Image. In seinem Vertrag sei sogar eine Klausel fixiert, nach der der Champion das Team im Fall eines Rufmord-Szenarios verlassen kann.

Anthony Hamilton: "Das können wir Mercedes nicht antun"

Dass der Weltmeister nicht gleich die Reißleine zog, hat McLaren derzeit wohl auch 40-Prozent-Teilhaber Mercedes zu verdanken. Einem Freund steckte Anthony Hamilton: "Mercedes stand immer hinter uns, hat Lewis Karriere stets vorangetrieben und ihn in harten Zeiten unterstützt. Ohne Norbert Haug wären wir heute nicht, wo wir sind. Einen vorzeitigen Wechsel können wir Mercedes deshalb nicht antun." Doch die Schwaben überprüfen nach dem Image-Desaster selbst ihr McLaren-Engagement. "Diese Situation ist ganz sicher nicht positiv für Mercedes", sagt Motorsportchef Norbert Haug. "Sollte die Situation untragbar werden, müssen wir uns in Stuttgart zusammensetzen und eine Entscheidung treffen." Im Fall einer kompletten Abwanderung zum Beispiel zu Motor-Kunde und WM-Spitzenreiter Brawn GP würde der Weltmeister liebend gern folgen. Die Zusammenarbeit zwischen Hamilton und McLaren stand übrigens schon einmal auf der Kippe. Als der Brite 2005 nach seiner ersten, erfolglosen Formel-3-Saison direkt in die GP2 wechseln wollte, war Ron Dennis dagegen. Manager Anthony Hamilton löste den Fördervertrag. Erst nach einer Aussprache rauften sich beide Parteien wieder zusammen. Hamilton gab nach und fuhr eine weitere Saison in der Formel 3.

Autor: Bianca Garloff

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