Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Sauber mit Alfa oder Ericsson

— 19.10.2017

Wehrlein: Williams im Visier

Wie geht es weiter mit Pascal Wehrlein? Der Deutsche hofft auf ein Williams-Cockpit für 2018. Sein aktueller Rennstall Sauber hat andere Zukunftspläne.

Seinen 23. Geburtstag feierte Sauber-Pilot Pascal Wehrlein zum größten Teil in der Luft. Sein Jahrestag war gleichzeitig seine Anreise zum US-Grand-Prix in Austin. Zürich-Chicago, zwei Stunden Aufenthalt, dann weiter nach Austin. Da hat man viel Zeit zum Nachdenken. Zum Feiern jedenfalls war ihm nicht zumute. Wie auch, seine Zukunft in der Formel 1 ist immer noch nicht geklärt. "Es gibt nichts Neues", sagte der Mercedes-Junior am Donnerstag, "ich hoffe nur, dass ich vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi weiß, was ich nächstes Jahr tun werde."

Trotzdem konnte Wehrlein noch scherzen. "Ich wäre lieber 25 geworden", witzelte er als ihm Teammitglieder nachträglich gratulierten. Wehrleins Ironie hat einen ernsten Hintergrund. Williams-Sponsor Martini hätte zu Werbezwecken gerne einen Fahrer, der mindestens 25 Jahre alt ist. Keine Muss-Option, aber ein Fakt, der Wehrlein nicht hilft.

Bei Williams könnte Wehrlein mit Lance Stroll fahren

In der Tat: Williams ist die große Chance, die Wehrlein 2018 hat. Der Traditionsrennstall aus England sucht für nächstes Jahr einen Teamkollegen für Milliardärssohn Lance Stroll (19). Der junge Kanadier ist fest mit Williams liiert, seit sein Vater gut vor einem Jahr seinen Sohn mit einer Millionenmitgift (man spricht von 40 Millionen Euro) mit dem Team von Rennlegende Sir Frank Williams verheiratet hat. Vier Kandidaten gibt es für den Platz neben ihm: Stammfahrer Felipe Massa will bleiben, Reservefahrer Paul di Resta will einen festen Sitz, Robert Kubica will nach seinem schweren Rallyeunfall 2011 zurück in die Königsklasse und eben Pascal Wehrlein, der von Mercedes gefördert wird.

Williams lässt auch nach den Vergleichstestfahrten von Di Resta und Kubica in einem 2014er Auto in Ungarn nichts über die Zukunft raus. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sagt: "Williams ist zum Glück ein unabhängiges Team und entscheidet selbst. Würde ich entscheiden, wäre Pascal ganz klar erste Wahl. Er ist meiner Meinung der mit Abstand schnellste der Kandidaten und wäre der einzige richtige Maßstab für Lance Stroll."

Letztes Wochenende besuchte Wehrlein noch die DTM

Wehrlein wird auch von seiner Ex-Teamchefin Monisha Kaltenborn unterstützt. Die Österreicherin, die sich Mitte des Jahres von Sauber trennte, sagt über Wehrlein: "Wir haben Pascal verpflichtet, weil er den Unterschied ausmachen kann. Schon bei den ersten Tests in Barcelona haben wir gemerkt, dass er ein kommender Weltmeister ist. Es war unglaublich, wie viel Gefühl er für ein Auto hat. Nach seiner Genesung wegen des Unfalls beim Race of Champions hat er das Ziel voll erfüllt. Besonders das Rennen in Barcelona hat gezeigt, auf welchem hohen Niveau er fährt." Da wurde er im unterlegenen Sauber Achter.

Allein: Bei Sauber hat Wehrlein keine Chance mehr. Aus politischen Gründen. Das steht seit dem Rennen in Suzuka fest. Beim Schweizer Team gibt es zwei Varianten für 2018. Die große Ferrari-Lösung oder die kleine. Die große heißt: Saubers Motorpartner Ferrari lässt 2018 mit Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi beide Junioren bei den Schweizern fahren. Dafür gibt es neben den Motoren und anderen Teilen auch noch finanzielle Unterstützung in Form von Windkanalaufträgen für Fiat-Tochter Alfa-Romeo. Sogar der Name Alfa könnte auf dem zukünftigen Sauber stehen. AUTO BILD MOTORSPORT weiß: Fiat- und Ferrarichef Sergio Marchionne war am Dienstag vor dem Rennen in Singapur persönlich in Hinwil, um sich deshalb den Windkanal und die übrige Sauber-Fabrik anzuschauen.

Sitzt Marcus Ericsson auch 2018 noch im Sauber?

Plan A ist der Wunsch von Kaltenborn-Nachfolger Fréderic Vasseur. Der Franzose will den schwedischen Stammpiloten Marcus Ericsson, der in der bisherigen Saison Wehrlein klar unterlegen war, nicht mehr haben. Problem: Ericsson wird von der Longbow-Gruppe unterstützt, denen Sauber gehört. Chef von Longbow ist der schwedische Millardär Finn Rausing, der schon seit langer Zeit der Mentor Ericssons ist. Dazu passt: Rausing kam nach Austin. Etwa um Vasseur klarzumachen, dass er Plan A vergessen kann?

Allein: Selbst Leclercs Einstieg bei Sauber für 2018 ist nur zu 95 Prozent fix. ABMS erfuhr aus Ferrari-Kreisen: Sollte einer der beiden Ferrari-Stammpiloten (Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen) 2018 nicht fahren können oder wollen, müsste der Formel-2-Meister aus Monaco einspringen. Wehrlein kann das alles egal sein. Doch auch wenn das Kapitel Sauber schon hinter ihm liegt, verspricht er: "Ich werde in den letzten vier Rennen nochmal alles geben, um das Maximale aus dem Auto rauszuholen."

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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