Formel 1: Schumi-Comeback

Formel 1: Schumi-Comeback

— 26.01.2010

Schumi glaubt an Siege

Im Rahmen der Präsentation des neuen Mercedes-Werksteams in Stuttgart stand Michael Schumacher Rede und Antwort. Schumi über sein Comeback, das Team, Fehler und die jungen Heißsporne.

Bei der offiziellen Team-Präsentation in Stuttgart hatten die internationalen Journalisten die Gelegenheit, Fragen zu stellen. AUTO BILD MOTORSPORT-Mitarbeiterin Bianca Garloff hat mitgeschrieben.
Herr Schumacher, was wollen Sie mit Ihrem Comeback beweisen?
Ich muss niemandem etwas beweisen, schon gar nicht wegen meines Alters. Wenn, dann will ich nur mir selbst beweisen, dass ich es noch drauf habe. Aber die Hauptsache, warum ich zurückkomme: Ich bin einfach heiß aufs Fahren und darauf, mich dem Wettbewerb in der höchsten Motorsportkategorie zu stellen. Dazu kommt: Das Comeback mit Mercedes ist eine einzigartige Konstellation, in der Ross Brawn (Teamchef; d. Red.) ein ganz entscheidender Faktor für mich war. Ohne Ross hätte ich den zündenden Funken nicht noch einmal erlebt. Nach dem Sommer (und Schumachers Comebackversuch mit Ferrari; d. Red.) brannte zwar noch ein kleines Feuer, aber Ross hat es letztlich erst richtig zum Brennen gebracht und mein Verlangen geweckt.
Viele Leute erwarten, dass Sie zum achten Mal Weltmeister werden. Ist das realistisch?
Lassen Sie es mich so formulieren. Ich denke, wir haben alles, was wir brauchen, um den Titel zu holen. Aber es ist eine Sache, alle Zutaten beisammen zu haben. Eine andere ist es, am Ende auch das entsprechende Ergebnis einzufahren. Doch mit der Erfahrung von Ross, dem Know-how des Teams, dem besten Motor im Feld und meiner eigenen Qualität können wir nur ein Ziel haben: Unsere Mission ist der WM-Titel.

"Wir werden sicher dran sein"

Wie lange wird Ihre Eingewöhnungszeit dauern?
Es wäre vermessen davon auszugehen, dass wir gleich bei den ersten Rennen um den Sieg fahren. Wir werden sicher dran sein an den Top-Teams, Punkte holen und vielleicht aufs Podium fahren. Etwas später im Jahr wird es dann darum gehen, um Siege und die WM zu kämpfen.
Wie sehr freuen Sie sich auf die Saison?
Ich bin schon ganz heiß. Sie müssen sich das mal vorstellen: Wir reden jetzt schon seit November darüber. Jetzt muss ich noch bis kommende Woche auf den ersten Test warten. Das dauert mir alles fast schon ein wenig lange.
Hält Ihr bei einem Motorradunfall im vergangenen Jahr angeknackster Nacken?

Ich hätte den Vertrag ja nicht unterschrieben, wenn ich mir vorher nicht sicher gewesen wäre. Der Nacken ist kein Problem. Ich hatte kürzlich auch einen GP2-Test und eine Reihe medizinischer Untersuchungen. In unserer Sportart ist das Alter sicher mitentscheidend. Aber die Erfahrung ist sicher wichtiger als das Alter. Ich fühle mich gut. Ich habe mein Idealgewicht und bin austrainiert. Jetzt muss ich natürlich noch am Lenkrad beweisen, dass alles genauso gut funktioniert wie früher.

"Ich bin Teil der Geschichte"

Alte Verbindung: Schumi war 1990/91 als Mercedes-Junior im Sportwagen unterwegs – hier mit Peter Sauber.

Bei Ihrem Rücktritt 2006 haben Sie gesagt, Sie bereuen einige Fehler, die Sie gemacht haben. Kommen Sie jetzt auch zurück, um den Leuten zu beweisen, dass Sie auch fair gewinnen können?
Klar, 91 Siege und sieben WM-Titel gewinnt man nur auf unfairem Weg. Ich muss jetzt beweisen, dass ich das auch anders kann (lacht ironisch). Im Ernst: Ich hoffe, wir können die kommende Saison alle zusammen genießen.
Das neue Team wurde im Mercedes-Motorsportmuseum vorgestellt. Was bedeutet Ihnen die Mercedes-Historie?
In gewissem Sinne bin ich ja selbst Teil dieser Geschichte. Immerhin fuhr ich in den frühen 90ern schon für Mercedes Rennen. Mercedes hat mir zudem ermöglicht in die Formel 1 einzusteigen. Deshalb schließt sich jetzt für mich ein Kreis. Und ich hoffe, dass die Autos, die ich nun für Mercedes fahre, genauso erfolgreich werden wie viele andere in diesem Museum.
Glauben Sie, dass es für Sie nun härter wird mit all den jungen Fahrern in guten Autos als das früher der Fall war?
Früher gab es meistens nur ein Team, gegen das ich kämpfen musste. Das ist jetzt tatsächlich anders. Trotzdem wird es am Ende wieder eins sein, auf das man sich konzentrieren muss. Letztes Jahr war es anders. Aber das ist mir egal. Wenn du siegen willst, musst du sie alle schlagen.

"Schaue nicht ins Auto"

Fürchten Sie die jungen Heißsporne wie Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Nico Rosberg oder Fernando Alonso also nicht?
Es macht keinen Unterschied, ob sie jung oder erfahren sind. Wenn du gegen jemanden fährst, schaust du nicht ins Auto und guckst, wie alt dein Gegner ist. Du konzentrierst dich einfach nur darauf ihn zu schlagen.
Was erwarten Sie vom Duell mit Vizeweltmeister Sebastian Vettel?
Ich kenne Sebastian, seit er sieben Jahre alt ist. In den letzten drei Jahren sind wir beim Race of Champions zusammen gefahren und haben alles gewonnen. Deshalb ist das eine nette Rivalität, auf die ich mich freue.
Und wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Teamkollegen Nico Rosberg?
Ich sehe keine Probleme, was uns zwei angeht. Wir gehören vom Alter her zwar zu zwei unterschiedlichen Generationen. Aber umgekehrt habe ich das auch schon erlebt und bin gut damit zurecht gekommen.
Sind Sie wegen Ihrer Freundschaft zu Ross Brawn schon die Nummer eins im Team?
Ich habe den Vorteil, dass ich Ross sehr gut kenne und ihn gut einschätzen kann. Er wiederum weiß, wie ich denke und agiere. Das ist natürlich hilfreich, heißt aber nicht, dass ich bevorteilt werde.

"Ein großer Teil meines Herzens ist rot"

Keine Roten mehr: Michael Schumacher und Ross Brawn, hier mit Norbert Haug, kennen sich von Ferrari und Benetton.

Wie schwierig war es Ihrer Familie zu erklären, dass Sie wieder Rennen fahren wollen?
Ich hatte eine ausführliche Diskussion mit meiner Frau. Und das ist auch gut so. Denn sie sieht die Dinge mit einer gewissen Distanz. Und sie führte mir die Vor- und Nachteile vor Augen. Aber am Ende hat sie mir allein die Entscheidung überlassen.
Was waren die Nachteile, die sie aufgezählt hat?
Das ist ein Geheimnis.
Ist es nicht komisch für Sie, dass Sie gar kein Rot mehr tragen?
Klar. Ein großer Teil meiner Geschichte und auch meines Herzens ist rot. Natürlich sind wir auf der Strecke jetzt Gegner. Das bedeutet aber nicht, dass wir alles vergessen, was wir in der Vergangenheit zusammen erreicht haben.
Als Ihr Teamchef Ross Brawn Sie angerufen hat, um Sie zum Comeback zu überreden: Wussten Sie da schon, was kommen würde?
Ja, denn wir standen wegen dieses Themas schon länger in Kontakt. Auch als er 2008 zu Honda ging, hat er mir ein Comeback vorgeschlagen. Damals war ich noch nicht bereit dafür. Beim letzten Grand Prix 2009 in Abu Dhabi hat er das Thema wieder angesprochen. Und kurz darauf hat er mich angerufen. Da wusste ich, dass er es ernst meint.

"Ich bin genauso motiviert"

Freut sich über sein deutsches Nationalteam: Daimler-Boss Dieter Zetsche.

Mit Mercedes einen WM-Titel zu gewinnen: Wäre das noch besser als mit Ferrari?
Es wäre nicht besser und nicht schlechter. Ich bin genauso motiviert und fokussiert wie mit Ferrari. Und auf das Ergebnis wäre ich genauso stolz.
Daimler-Vorstand Dieter Zetsche bezeichnet Mercedes GP als deutsches Nationalteam. Was sagen Sie dazu?
Vielleicht sollten wir Angela Merkel davon überzeugen die deutschen Nationalfarben in Schwarz-Rot-Silber zu ändern.
Wie haben Sie sich in den letzten drei Jahren verändert? Sind Sie relaxter geworden?
Ich glaube schon. Wenn du Erfahrung sammelst, veränderst du dich, beurteilst die Dinge aus einer anderen Sichtweise. Ich hoffe, ich aus einer positiveren.

Autor: Bianca Garloff

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