Nico Rosberg Mercedes GP

Formel 1: Schumi schnell, Rosberg ratlos

— 12.05.2010

Das Mercedes-Problem

Geht die in Barcelona zu sehende Aufwärtstendenz bei Michael Schumacher zu Lasten von Teamkollege Rosberg? Der kommt mit dem losen Heck des Silberpfeils nicht zurecht.

So schnell ändern sich die Vorzeichen. Vor dem Grand Prix von Spanien glaubte Nico Rosberg (24) noch fest an seinen ersten Grand-Prix-Sieg beim Heimrennen in Monaco. Der Wahl-Monegasse war im Fürstentum schon zu Williams-Zeiten bärenstark. In China verpasste er nur durch einen kleinen Fahrfehler den obersten Platz auf dem Treppchen. Und ein runderneuerter Mercedes sollte ihn als Mercedes-Speerspitze im Kampf um den Titel ab Barcelona auch im Trockenen in Schlagdistanz bringen zu Red Bull und Ferrari. Doch nach dem Grand Prix von Spanien und Platz 15 herrscht bei Nico Rosberg statt Zuversicht große Ratlosigkeit. "Irgendetwas ist da nicht ganz richtig", suchte der Mercedes-Pilot nach Erklärungen. "Letztes Mal habe ich noch mit Red Bull gekämpft. Und jetzt war ich nirgendwo. Ich mache mir schon Sorgen. Dieses Wochenende ging einfach nichts. Ich war sehr langsam und weiß nicht, was da auf einmal passiert ist."

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Nico Rosberg (h.) kämpfte in Barcelona in ungewohnten Regionen u. a. gegen Nico Hülkenberg (v) im Williams.

Rosbergs Unsicherheit zeigt: Der erhoffte Sprung nach vorn ging nach hinten los. "Trotz Platz vier von Michael war das unser schwächstes Rennen in diesem Jahr", gab Mercedes-Teamchef Ross Brawn zu. "Michael lag am Ende eine Minute hinter dem Sieger Mark Webber. Damit können wir nicht zufrieden sein." Eine dank verlängertem Radstand verbesserte Gewichtsverteilung und ein neues Aerodynamikpaket mit revolutionärer zweigeteilter Airbox beendeten zwar Michael Schumachers Schwächephase, machten das Auto aber nicht schneller. Red Bull ist enteilt, Ferrari und McLaren wieder klar vor den Stuttgartern. Nur mit äußerstem Kampfeinsatz konnte Michael Schumacher Weltmeister Jenson Button im McLaren in Barcelona hinter sich halten.

Schumachers Selbstvertrauen ist zurück

Der runderneuerte Mercedes GP hat ein nervöses Heck. Aber was Schumi gut tut, behagt Teamkollege Nico Rosberg (Foto) gar nicht.

Der einzige Lichtblick: "Endlich hat Michaels Stern wieder gestrahlt", sagt Mercedes-GP-Geschäftsführer Nick Fry. "Er war das erste Mal zufrieden mit der Abstimmung. Am Boxenfunk war das in China verlorene Selbstbewusstsein zurück in seiner Stimme. Und er wusste genau, was er vom Auto will und wie er es verbessern kann." Schumacher beschrieb seine zurückgewonnenes Vertrauen in einen Formel 1-Wagen so: "Ich fühle das Auto jetzt viel mehr in meinen Händen, weil die Neuerungen mir erlauben, es so abzustimmen, wie ich es mag." Rosberg dagegen, der Schumacher in den ersten vier Rennen und Qualifikationen je viermal geschlagen hatte, klagte mal über Untersteuern, dann wieder über ein zu stark wedelndes Heck. "So ratlos wie Michael noch in China war, war Nico in Barcelona", sagt Fry. "Er hat das ganze Wochenende mit der Balance gekämpft und sich nie wohl gefühlt im Auto."

Teamduell nun ausgeglichen

Der Verdacht liegt nahe: Mit dem Umbau des W01 ist Mercedes Michael Schumachers Wunschauto zwar näher gekommen, hat WM-Kandidat Nico Rosberg aber ungewollt geschwächt. Teamchef Ross Brawn betont zwar: "Das neue Auto ist nicht speziell für die Bedürfnisse eines Fahrers gebaut worden. Wenn es mehr Abtrieb hat, eine bessere Gewichtsverteilung und eine größere Stabilität beim Bremsen kommt das beiden Fahrern zugute." Brawn weiter: "Nico ist mit den Problemen des alten Autos (heftiges Untersteuern; d . Red.) besser klar gekommen als Michael. Aber jetzt ist es für mich nur normal, dass das Teamduell ausgeglichen ist, dass mal der eine, mal der andere vorne liegt." Selbst Nico Rosberg räumt ein: "Unsere Fahrstile unterscheiden sich gar nicht so sehr. Bisher haben wir immer die gleichen Ansprüche ans Auto gehabt." Doch Insider wissen: Schumacher bevorzugt eine präzise einlenkende Front und ein loses Heck, das er mit gezielten Gasstößen um die Kurve dirigieren kann. Rosberg hasst es zwar genau wie Schumacher, wenn ein Auto untersteuert, also in der Kurve über die Vorderräder nach außen schiebt. Doch mit einem ständig zum Ausbrechen neigenden Hinterteil kann der Wahl-Monegasse noch weniger anfangen.

Mercedes rüstet für Monaco wieder zurück

Beim GP Monaco will Michael Schumacher seinen Aufwärtstrend bestätigen.

Formel 1-Experte Marc Surer beobachtete: "Michael war in Barcelona gar nicht so viel besser als vorher. Immerhin ist sein Abstand zur Spitze und auch zu Ferrari und McLaren annähernd gleich geblieben. Aber Nico war viel schwächer als in den ersten vier Rennen." Bleibt für Rosberg die Hoffnung auf Monaco. Nick Fry verrät: "Dort fahren wir erneut mit einer veränderten vorderen Radaufhängung." Hintergrund: Auf der engen und kurvigen Piste im Fürstentum ist ein langer Radstand von Nachteil. Deshalb rüstet Mercedes teilweise zurück. Und bis dahin denkt Rosberg positiv: "Die Windkanaldaten zeigen, dass das neue Auto besser ist als das alte. Jetzt muss ich das nur noch auf der Strecke umsetzen."

Autor: Bianca Garloff

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