Sebastian Vettel

Formel 1: Sebastian Vettel im Exklusivinterview

— 12.03.2014

Beim Motorradfahren fühle ich mich frei

Am Sonntag startet in Australien die neue F1-Saison und für Sebastian Vettel einmal mehr die Mission Titelverteidigung - vorab stand der Red-Bull-Pilot im Exklusivinterview Rede & Antwort.

Herr Vettel, macht Ihr Sport Sie glücklich?

Sebastian Vettel (26): Absolut. Der Moment auf dem Podium, wenn die Leute dir zujubeln, das ist ein ganz besonderer. Wobei: Auf Kommando glücklich sein fällt mir schwer. Vielmehr ist der Weg das Ziel. Der Sieg ist nur das Ergebnis von dieser harten Arbeit. Was mich am meisten antreibt, ist die Herausforderung, die jeder neue Tag an einen stellt. Die Anspannung am Morgen vor dem Rennen, wenn ich vom stillen Örtchen gar nicht mehr runterkomme, weil ich so nervös bin. Die Tage, die ich zu Hause habe, intensiv trainiere, die Quälerei. Dieser Weg zum Erfolg ist das wahre Glück. Und wenn der mit dem Sieg gekrönt wird, ist das dann eine andere Form von Glück.

Das heißt, es gibt verschiedene Arten von Glück. Nicht nur die sportlichen Momente...

Auch in der Freizeit immer voll am Gas: Sebastian Vettel auf zwei Rädern.

Sebastian Vettel: ... ja, denn viele Leute denken immer, dass man Glück nur dadurch erfährt, dass man etwas ganz Besonderes erreicht. Das sehe ich etwas anders. Für mich sind es eher die kleinen Dinge, die mich glücklich machen. Wenn ich ich selbst sein kann. Die Menschen glauben, mein Leben muss etwas Besonderes sein. Ist es doch gar nicht. Zu Hause bin ich nicht der Rennfahrer, den jeder kennt, sondern einfach nur der Sebastian. Der gerne Zeit mit seinen Freunden verbringt und das - wie alle anderen - genießt.

Sie fahren zum Beispiel auch gerne Motorrad. Was lieben Sie daran so sehr?

Sebastian Vettel: Dass man viel freier ist. Man bekommt viel mehr mit von Luft, Land und Leuten, kann jederzeit anhalten und kurz mal absteigen. Außerdem kann man überall parken - ist also viel unkomplizierter unterwegs als mit dem Auto. In den Bergen und auf dem Motorrad kann ich meine Gedanken wegdriften lassen. Diese Freiheit spüre ich sonst nur noch im Formel-1-Auto.

Reizt Sie im Formel-1-Auto besonders der Rausch der Geschwindigkeit?

Sebastian Vettel: Ja, denn grundsätzlich spielt Geschwindigkeit in meinem Leben eine Hauptrolle. Nach einem Tag der Entspannung habe ich meistens genug. Ich bin gesund und liebe es Sport zu treiben. Ich fahre mit allem, was einen Motor hat. Natürlich passt man auf. In den Sommerferien bin ich gerne im Wasser... oder ich fahre in die Berge. Da kann ich dann super entspannen.

2013 konnten Sie trotz vieler Siege kaum entspannen, sondern mussten sich sogar mit Pfiffen auseinandersetzen.

Faszination Technik: Das Schrauben an den alten Kisten hat es dem Weltmeister angetan.

Sebastian Vettel: Ja, auch wenn die am Anfang nur schwer zu verstehen sind. Du musst das Spiel erst lernen, das folgende Regeln hat: Erst lobt man dich ständig, klopft dir anerkennend auf die Schulter. Du denkst, das ist schön, das ist immer so. Ist es aber nicht. Ich musste lernen, dass je erfolgreicher ich wurde, desto weniger wurde das Lob. Ich brauchte einige Zeit, dieses Spiel zu versehen. Es ist relativ einfach: Zuerst finden die Leute es gut, wenn jemand gewinnt. Passiert das zu oft, nicht mehr. Man will immer wieder neue Gesichter auf einem Podium sehen, neue Helden auf der Rennstrecke. Hat man das verstanden, ist alles okay. Ich erwarte deshalb nicht, dass die Fans meiner Gegner mir plötzlich zujubeln. Aber ich erwarte, dass die Leistungen immer respektiert werden.

Man kann das ja auch positiv sehen: Ist Neid nicht gleichzeitig ein Lob für sie?

Sebastian Vettel: In gewissem Sinne schon. Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Wer will schon der sein, der schon wieder ausgefallen ist oder Pech hatte? Und den die Leute deshalb lieben. Ich jedenfalls nicht. Da sitze ich doch lieber im Auto und gewinne.

Aber Sie sehen es nicht als Selbstverständlichkeit an...

Sebastian Vettel: Auf keinen Fall, das wäre schlimm. Ich habe viel zu viel Respekt vor meinen Konkurrenten. Ich fahre nicht los, klappe das Visier herunter und bin gleich überzeugt davon, dass mich niemand schlagen kann. Man muss immer damit rechnen, dass es jemanden gibt, der besser ist. Fahrer, die mich an meine Grenzen treiben. Also versuche ich immer alles zu geben und wenn dieses alles dann am Ende reicht, macht mich das glücklich.

Das ganze Interview lesen Sie im SPORT BILD Sonderheft Formel 1.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Privat

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