Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel

Formel 1: Sebastian Vettel im Interview

— 26.09.2014

Ricciardo hat mir das Leben schwer gemacht

Sebastian Vettel spricht im großen Interview bei AUTO BILD MOTORSPORT über seine bisherige Saison, Fernando Alonso und welche Lektion er 2014 gelernt hat.

Herr Vettel, endlich standen Sie in Singapur wieder auf dem Podium. Wie wichtig war Platz zwei für Ihr Gemüt?

Sebastian Vettel (27): Natürlich tut das gut. Der Junge hat’s endlich wieder hingekriegt (lächelt). Diese Saison ist sicher die härteste, die mein Team und ich bisher durchlebt haben, und der Fakt, dass sich unsere harte Arbeit langsam bezahlt macht und dass keiner aufgegeben hat, bedeutet mir wirklich sehr viel.

Zuletzt gab es viele Gerüchte. Ein Wechsel zu Ferrari stand im Raum. Können Sie nach diesem Erfolgserlebnis garantieren, nächste Saison noch bei Red Bull zu fahren?

Vettel beim Interview mit den ABMS-Reportern Bach (M.) und Garloff (r.)

Nein, natürlich nicht! Ich könnte ja die Treppe herunterfallen und mich schwer verletzen (lacht). Aber im Ernst: Ich habe nun schon mehrfach betont, dass ich für nächstes Jahr einen Vertrag mit Red Bull habe. Also gehe ich davon aus, dass ich dort auch fahre. Ich habe noch viel vor mit diesem Team und will sicherstellen, dass wir wieder ganz zurückkommen.

Fernando Alonso hat zuletzt betont: Man sehe jetzt, dass Sie gar nicht der beste Fahrer sind, sondern Lewis Hamilton viel besser sei...

Ich vermute, ich sollte das als Kompliment auffassen. Fernando und ich hatten eine Menge enger Kämpfe, und natürlich bin ich glücklich, dass ich oft gewonnen habe. Also interpretiere ich das so, dass er mich anscheinend nicht sehr gut leiden kann.

Wen halten Sie denn für den Besseren der beiden?

Ich respektiere Alonso und Hamilton. Beide sind großartige Piloten. Mehr will ich nicht sagen. Selbst wenn ich eine Meinung hätte, würde ich sie für mich behalten.

Das Traditionsteam von Ferrari liegt - trotz Alonso - gerade am Boden. Wäre es deshalb nicht gerade wegen Ihres spanischen Freundes eine neue und größere Herausforderung, Ferrari wieder auf die Füße zu helfen?

Sieht so Vettels Nachfolger aus? Lewis Hamilton (r.) führt die WM im Mercedes derzeit an

Ein Fahrer will immer gewinnen. Egal, wo er gerade fährt. Die Herausforderung, mit Red Bull wieder zu siegen, ist nicht kleiner. Es stimmt zwar: Fahrer von früher haben mir schon oft gesagt, dass es das Schönste wäre, im Ferrari zu gewinnen. Diese Erfahrung habe ich aber noch nicht gemacht. Deshalb kann ich nicht wissen, ob das auch stimmt.

Schaut man auf den Punktestand der WM, hat zumindest Ihr Teamkollege Daniel Ricciardo immer noch eine minimale Chance, den WM-Titel zu holen. Werden Sie ihm helfen, wenn das nötig ist?

Es ist das falsche Jahr, um über Stallorder zu reden. Denn selbst wenn wir ein perfektes Auto hätten, wäre es in dieser Saison sehr schwer, Mercedes noch zu überholen. Sie haben über den Winter einfach besser gearbeitet und ein Paket auf die Beine gestellt, das allen anderen überlegen ist. Das ist einfach so, und das muss man auch honorieren. Nico und Lewis setzen das super um. Aber zurück zu uns: In Singapur habe ich doch gezeigt, dass ich gar nicht so weit weg bin von Daniel (lächelt).

Trotzdem hat er drei Rennen gewonnen, Sie keins. Können Sie das erklären?

Vettel mit US-Racing-Legende Mario Andretti (M.) und seinem schnellen Teamkollegen Daniel Ricciardo (r.)

Von außen ist es immer schwer, so etwas zu beurteilen, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Aber mit etwas mehr Glück hätte auch ich gewinnen können. In einigen Rennen hatte ich große technische Probleme, in anderen konnte ich mich aufgrund von Problemen schon im Training nicht so gut aufs Rennen vorbereiten, wie ich das gerne gewollt hätte. Auch die Strategie hat bei mir nicht immer gestimmt. Aber ich gebe zu: Ich habe auch Fehler gemacht wie der Dreher beim Rennen in Ungarn. Das Wichtigste ist dabei, dass man aus diesen Fehlern lernt und neue Erfahrungen gewinnt. Das wiederum hilft mir, mich zu verbessern. Daniel hat einen sehr, sehr guten Job und mir das Leben damit ganz schön schwer gemacht. Das steht außer Frage. Für die Moral des Teams war das sogar gut. Denn seine Leistungen haben gezeigt, dass unser Auto doch nicht ganz so schlecht sein kann.

Es scheint, als können Sie dieses Jahr besser mit Niederlagen umgehen als früher...

Ich sehe es nicht als Schande an, wenn man nicht jedes Rennen vorne beendet. Weil ich die Leistung anderer respektiere. Natürlich bin ich hier, um zu siegen. Das ist mir in diesem Jahr noch nicht gelungen. Aber das gehört auch zum Sport und zum Leben dazu. Niederlagen machen dich stärker. Man kann viel in Zeiten des Erfolgs lernen, noch mehr aber, wenn man geschlagen wird. Natürlich war es ein hartes Jahr für mich, aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder siegen werde.

Galerie: Hinter den Kulissen der Red-Bull-Box

Die Kritik von außen war hart. Ihnen wurde sogar nachgesagt, Sie hätten das Fahren verlernt. Wie sehr hat Sie das ins Grübeln gebracht?


Es wäre schlimm, wenn mich so etwas total aus der Bahn werfen würde. Wenn es Kritik gibt, ist es auch vernünftig, sich die anzuhören - solange sie konstruktiv ist. Was schade ist: Das Bild von einem Sportler wird fremdgesteuert. Und wenn man in das Bild nicht reinpasst, ist alles, was man macht, falsch und wird angezweifelt. Man muss sich dann selbst treu bleiben, wissen, was man kann und was man nicht kann. Es kann ja nicht sein, dass ich plötzlich alles falsch statt richtig mache. Meine Erfahrung und auch der Erfolg helfen mir, ruhig zu bleiben, nicht unsicher zu werden und weiter an mich zu glauben.

Um welche Erfahrung ist der Sebastian Vettel des Jahres 2014 reicher?

Vettel betont: Der Erfolg mit Red Bull in den letzten Jahren war kein Selbstläufer

Wie schnell die Leute vergessen. Die Formel 1 ist ein schnelllebiger Sport, ein großes Geschäft, und die Leute neigen dazu, beim Rückblick die Dinge verschwommen zu sehen. Es ist Quark, dass wir in den letzten Jahren nicht arbeiten mussten für unsere Siege. Es muss richtig viel klappen, damit es zum großen Erfolg kommt. Deshalb ist es normal, dass man mal vorne ist und mal nicht. Umso besonderer ist es, dass die letzten vier Jahre so fantastisch waren. Es war nicht alles einfach, und das Auto ist auch nicht von alleine gefahren. Aber die Menschen malen lieber schwarz, statt zu loben.

Welche Ziele haben Sie noch dieses Jahr?

Dass ich an Weihnachten in den Spiegel schauen und sagen kann: Ich bin wieder ein besserer Fahrer geworden. Und dann will ich voll angreifen. Mein Siegeshunger hat nicht nachgelassen.

Mehr zu Sebastian Vettel, Red Bull und dem aktuellen Geschehen in der Formel 1 lesen Sie in AUTO BILD MOTORSPORT - die neue Ausgabe ab heute als Heft im Heft in AUTO BILD überall am Kiosk erhältlich.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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